Donnerstag, 6. November 2014

Mami allein zuhaus

Ich war diese Woche vorübergehend allein erziehend, weil mein über alles geliebter Göttergatte beruflich drei Tage weg musste. Nun war mir tatsächlich etwas mulmig (die nächsten vier Zähne scheinen auf einen Schlag zu kommen), wenngleich ich mich natürlich auch dafür geschämt habe. Schließlich sind viele immer allein, viele haben auch gar keine Unterstützung von den eigenen Eltern.

Wie dem auch sei, ich habe mich dennoch auf 7 Uhr abends gefreut. Zu der Zeit geht Zwergnase momentan üblicherweise ins Bett. Ich habe mir ausgemalt, wie ich ihn friedlich ins Bett bringe, mir ein Glas Rotwein einschenke und mir mal wieder eine schöne, heiße Badewanne gönne und dann lese. Ich habe Luftschlösser gebaut, deren Architekten erst noch geboren werden müssen, so monströs waren diese ausgestattet.
Grund zur Hoffnung gab auch, dass Zwergnase inzwischen wieder die meisten Nächte durchschläft (einfach so, ohne unser Zutun). Ich werde nach den drei Tagen also noch ein Mensch und kein Zombie sein. Um den engelsgleichen Schlaf meines Sprösslings zu unterstützen, habe ich Vorkehrungen getroffen. Die Fenster wurden geschlossen, um den lauten Berufsverkehr, der ihn auch gerne mal um fünf Uhr morgens weckt, fernzuhalten. Sogar die Jalousien habe ich herunter gelassen, um erstens die Geräusche weiter zu dämmen und zweitens den Vollmond auszusperren, der ihn sonst mitten in der Nacht direkt anleuchtet (Warum mein Kind ein Vampir oder Werwolf sein muss, folgt zu einem späteren Zeitpunkt) und ihn in aller Regel weckt. Ich unternahm alles Menschenmögliche für Zwergnases Schlaf. Es ging schließlich ums nackte Überleben!

Nun kommt es ja bekanntlich erstens anders, zweitens als man denkt. Mein Sohnemann ist mit seinen neun Monaten ein famoser Abrissingenieur. Das gilt einerseits für seinen Stapelbecherturm, bei dem kein Stein auf dem anderen bleibt. Bis zum letzten Becher mäht er mit einer diabolischen Freude alles um. Naja, so sehr ich Zielstrebigkeit schätze, so hat es mich doch enttäuscht, dass er auch mit meinen Luftschlössern nicht gerade zimperlich umgesprungen ist. Badewanne? Rotwein? Lesen? Kannst du knicken. Zwergnase hat wohl instinktiv gespürt, dass Papi nicht da und Mama alleine ist. Deshalb hat er kurzerhand beschlossen, noch ein spätes Nachmittagsschläfchen einzulegen, um Mama so lange wie möglich am Abend Gesellschaft leisten zu können. Der Gute. So selbstlos. Er ist ein wahrer Engel.

Gegen 21 Uhr wurde seiner selbstlosen Aufopferung jedoch ein jähes Ende gesetzt. Der Sandmann schlug heimtückisch zu und knockte ihn einfach aus! Unverschämtheit. Die arme, arme Mama musste nun alleine die Beine auf der Couch hochlegen. Aber hey! Wenn Zwergnase erst so spät ins Bett geht, schläft er am nächsten Tag dafür länger. Angesichts meiner Vorkehrungen mindestens bis sieben, vielleicht sogar bis halb acht! (Ich baue Luftschlösser schneller, als die GDL Streiks aneinanderreiht)
Bereits um 22 Uhr stahl ich mich ins Schlafzimmer. Gaaaanz leise, damit Zwergnase ja nicht unruhig würde. Im Finstern tapste ich so leise wie möglich in mein Bett, die Zudecke war schon aufgeschlagen, die Kissen präpariert, sodass ich so wenig Geräusche wie möglich verursachen würde. Danny und Rusty aus Ocean's 11 wären stolz auf meine Planung unter Einbeziehung aller Eventualitäten gewesen. Operation "Zwergnase schläft morgen aus" lief bestens. Er machte keinen Muckser, als ich ins Bett kroch. Auch die Nacht war äußerst entspannt. Er schlief einen engelsgleichen Schlaf. Ich konnte nun endlich das Sprichwort "Schlafen wie ein Baby" verstehen. Ich sank selbst in einen tiefen und erholsamen Schlaf...

... der genau um 6.15 Uhr endete. Es war, als würde eine Feuerwehrsirene direkt im Schlafzimmer losgehen. Es war dank der Jalousien stockdunkel und tatsächlich hörte man den Berufsverkehr nur dumpf wie ein weit entferntes Rauschen, das es einem nur noch molliger im Bett machte. Aber dieser Alarm? Wo kam er her? Was wollte er? Ich schreckte hoch und versuchte die Richtung auszumachen, aus der dieses nervtötende Geräusch kam. Ein Wecker. Ein Wecker? Nicht mein Wecker! Der meines Mannes. Er hatte ihn am Tag zuvor nicht ganz ausgeschaltet, bevor er aufstand. Wo zum Teufel steht dieser beschissene Wecker, Zwergnase wird noch wach werden! Zu spät. Ich hörte ihn schon. Da half mir meine Hechtrolle über das Bett zum Nachttisch meines Mannes auch nichts mehr. Abgesehen davon fand ich im Dunkeln die Aus-Taste nicht. Ich unternahm einen letzten verzweifelten Versuch, packte das Teufelsding und flüchtete damit in die Küche, um ihm den Garaus zu machen - während Zwergnase schrie, weil ich den Raum verlassen hatte. Ich bemühte mich um Schadensbegrenzung, eilte mit einer Flasche zurück ins Schlafzimmer, kuschelte mein erschrecktes Kind an mich und hoffte, es würde noch einmal einschlafen. Um 6.30 Uhr war klar, dass ein einziger kleiner Knopf ein ganzes Luftschloss sprengen konnte. Danny und Rusty wandten sich mit einem verächtlichen Blick von mir ab. Wie konnte ich nur vergessen, die Wecker zu überprüfen?! Anfängerfehler!

Bildnachweis: FreeImages.com / Ryan Gageler

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