Freitag, 5. Dezember 2014

Der kleine Werwolf

Bildquelle: eigene
Alle vier Wochen wird unser Haus von einem alten Fluch heimgesucht. Über seinen Ursprung lässt sich nur rätseln, man wird in das Reich der Legenden, Sagen und Mythen entführt. Wo kommt er her? Wie kann man sich dagegen wehren? Es gibt verschiedene Ansätze über Herkunft und Erscheinungsbild, welchem davon man glauben schenken mag, sei jedem selbst überlassen. Den meisten ist jedoch die Macht des Mondes über die Betroffenen gemeinsam. Zu Vollmond treten die Folgen des Fluchs unweigerlich an die Oberfläche und lassen sich nicht unterdrücken, wie es in den restlichen Mondphasen meist kein Problem ist. Aber einige Tage um den Vollmond geht es ans Überleben. Wenn er hoch am Himmel steht, wird er von Geheul begleitet, das durch Mark und Bein geht. Die Betroffenen treiben die ganze Nacht um, so dass einem Angst und Bange wird.

Die Rede ist von Werwölfen, die ihre Natur einfach nicht verleugnen können. Aber die Zeiten, in denen man dabei an bestialische Monster dachte, sind längst vorbei. Ich habe selbst einen kleinen Werwolf zuhause und muss sagen, dass er recht niedlich daher kommt (er ist allerdings auch noch nicht ausgewachsen). Mit seinen blauen Augen und dem kleinen Wuschelkopf meint man, dass er kein Wässerchen trüben könne. Er ist meist gut gelaunt und für jeden Scherz zu haben. Er verfügt über ein ausgezeichnetes Gehör und äußerst wache Augen, sodass ihm keine Kleinigkeit entgeht. Mutig erkundet er sein Revier, lässt vor lauter Neugier keinen Stein auf dem anderen. Kurz: Er entwickelt sich prächtig und ist in der Regel ein Sonnenscheinchen...

... bis der Vollmond naht. Tagsüber merkt man ihm seine Natur eigentlich nicht an. Aber wenn der Vollmond hell am Himmel steht, macht er die Nacht zum Tage. Etwa um Mitternacht beginnt die Transformation, die von Gestöhne und Gequengele eingeleitet wird. Nimmt man den kleinen Werwolf nicht zu sich ins Bett, beginnt er herzzerreißend den Mond anzuheulen. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob dieser das kleine Bettchen direkt anleuchtet, hinter Wolken versteckt ist oder von handelsüblichen Rollläden ausgesperrt wird. Der Mond ist da und das spürt der kleine Werwolf einfach. An Schlaf ist nicht zu denken. Die Verfluchten schlagen ihre herausschießenden Zähne wahllos in alles, was sie finden können, raufen einem die Haare und springen auf dir herum, als gäbe es kein Morgen mehr. Wenn du am nächsten Tag erwachst, so freue dich, dass du überlebt hast!

Nach zehn Monaten besteht kein Zweifel mehr daran, dass Zwergnase ein Werwolf ist. Die Frage ist nun, wie konnte das passieren? Bei einer Mutter, die doch eigentlich den Vampiren zugetan ist? Eins ist klar: Von mir hat er das nicht!

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