Dienstag, 26. Januar 2016

Leichter schlank? - Das Wundermittel

Wer sich mit dem Wunschgewicht beschäftigt - und das dürften zum Jahrensbeginn nicht wenige sein - wird an dem Titel nur schwer vorbeigehen können. Ich habe es nicht geschafft. Man hofft halt doch auf das Wundermittel, das einem zur Traumfigur verhilft, ohne sich anstrengen zu müssen. Quasi die Schokolade, die schlank macht.


stern, Nr. 2/2016
Dass für das Cover ein Model mit Traumfigur herhalten muss und nicht der attraktive Lockenkopf aus der Titelstory, spricht Bände. Denn genau das scheint die Hauptaussage der Reportage zu sein:

Wir wollen zu viel zu schnell und völlig unrealistisch.


Bevor es an die eigentlichen Abnehmstrategien geht, wird Hoyam vorgestellt. Ihre Abnehmgeschichte und der Punkt, an dem sich alles ändern sollte. Es werden eine Reihe von Diäten und Shake-Kuren aufgezählt, die nur eines gemeinsam hatten: kurzfristigen Erfolg. Das Problem an allen "Programmen" sind die vorgegebenen Verhaltensweisen, die man für wenige Wochen aufrecht erhalten kann. Dann aber ist man froh, eine Diät beendet zu haben und fällt zurück in den alten Trott.

"Wer auf Dauer schlank werden will, braucht ein Konzept für die Langstrecke. Ohne tägliche Qual, ohne freudlosen Verzicht." (S.46)


Auch wenn man sich immer gerne darum drücken will, ist es für die dauerhafte Traumfigur notwendig sein Leben umzukrempeln. Jedoch nicht von Null auf Hundert in 24 Stunden, sondern peu à peu - wie ich es in meinem letzten Blogpost zum Sport schon erwähnt habe. Je kleiner die Umstellung, umso wahrscheinlicher, dass man durchhält und sie zu einer neuen Gewohnheit werden lässt. 

Der Artikel schwenkt weiter zur Bedeutung der Muskeln für den Stoffwechsel und für einen gesunden Körper. Es folgt der Ratschlag, den wir alle schon gehört haben und den wir eigentlich kein weiteres Mal mehr hören wollen. Beweg dich mehr! Extremcouching steht leider Gottes nicht ganz oben auf der Liste der Fatburner. Verdammt aber auch.

Auch nicht neu: Du musst die Ernährung umstellen und die Bewegung erhöhen. Dass das häufig an der Motivation scheitert, weiß auch die Autorin des Artikels. Das Scheitern wird auf fehlende Pläne zurückgeführt. Die Sporteinheiten müssen feste Termine im Kalender sein. Gleichzeitig muss die eigene Küche angepasst werden. Tatsächlich ist es so, dass man viele Gerichte entschärfen kann, in dem man die ein oder andere Komponente austauscht. Dass man sich dafür auch mit Ernährung beschäftigen muss, ist klar. Und eigentlich weiß man es ja auch. Mehr Gemüse, weniger Fett, keine Fertiggerichte, sondern frisch zubereiten und sich für das Essen Zeit nehmen. Durchhalten muss man halt, nicht wahr?

Aber Hoyam macht es ja vor. Ein regelmäßiger "Cheat-Day" soll den Gelüsten entgegenwirken. An diesen Tagen, darf man ungehemmt essen, was das Herz begehrt. Der innere Schweinehund liegt dann vorerst total überfressen in der Ecke und es sollte ein paar Wochen dauern, bis er sich wieder zu Wort meldet. Es wird betont, dass Hoyam an solchen Tagen die Waage meidet. Ganz im Sinne von Abnehmexperten, wie der Artikel verrät. Stillstand oder vermeintliche "Rückfälle" gefährden den Erfolg. Es wäre auch zu schön, wenn man jedes Workout sofort auf der Waage sähe. Eine bessere Motivation gäbe es ja gar nicht! So einfach ist es jedoch nicht und wir geben auf. 

"Wir glauben, dass viele Übergewichtige mit völlig unrealistischen Vorstellungen starten." (Johannes Hebebrand, S.49)


Johannes Hebebrand ist Psychiater an der Uniklinik Dusiburg-Essen. Er gibt unrealistischen Zielen die Schuld am Scheitern. Unrealistische Ziele sind viel Gewicht in möglich kurzer Zeit verlieren. Er rät zu kleinen Etappenzielen oder sich sogar Ziele ohne Bezug zum Gewicht zu setzen. Etwa sich gesünder zu ernähren und sich mehr zu bewegen. Schade, dass diese Passage fast untergeht, denn sie ist die einzige, die wirklich Mut macht, wenn man länger darüber nachdenkt. 

Sie spielt nämlich auf das körpereigene Wohlfühlgewicht an, das erst einmal nichts mit der Zahl auf der Waage zu tun hat.

"Nicht jeder ist zur Gazelle geboren, und nicht allen fällt es gleichermaßen leicht, Pfunde loszuwerden." (S.49)


Für mich ist das ein wichtiger Satz. Wer träumt nicht von einem Körper wie auf einer Zeitschrift - schade, dass der Stern mit seinem eigenen Cover genau diese Illusion unterstützt. Obwohl wir wissen, wie Models hungern oder der Rest von Photoshop erledigt wird, wollen wir genau so aussehen. Wir lassen uns mehr von den Augen als vom Verstand leiten. Und geben dann auf, weil das Ziel nicht nur unerreichbar scheint, sondern häufig auch ist. Kann die Lösung von der Waage die Lösung sein? Ich bin am Experiment "Weg mit der Waage" gescheitert.

Der Artikel kehrt zurück zum Thema Ernährung und Muskelaufbau und liefert keine Informationen, die man nicht schon kennt, wenn man sich halbwegs mit dem Thema beschäftigt. Es wird lediglich noch einmal betont, dass die Waage in die Irre führen kann. Denn wer Muskeln aufbaut, bei dem steht die Waage erst einmal still oder geht sogar nach oben. Hier heißt es durchhalten.

Der Artikel verweist wieder auf Hoyam, die inzwischen 5x pro Woche ins Fitnessstudio geht - ein Satz, bei dem sich mir die Nackenhaare aufstellen. Ich will nicht ins Studio! Die Rede ist weiter von Trainingsplänen, die Hoyam selbst erstellt hat. Schön für Hoyam, aber wie man dabei richtig vorgeht, das erfährt man nicht.

Ernährung - Ausdauer - Muskeltraining


Für die Länge des Artikels erhält er ziemlich viel heiße Luft. Dennoch konnte ich verschiedene Dinge mitnehmen. Zum einen wurde ich motiviert, endlich wieder mit mehr Bewegung anzufangen. Ich beschwere mich über stagnierendes Gewicht, bekomme aber meinen Arsch nicht von der Couch, obwohl ich genau weiß, dass es ohne Sport einfach nicht geht. Nicht nur, dass ich nun wieder walken gehe, nein, ich absolviere auch ein Ganzkörperprogamm - nicht im Fitnessstudio. Dank zahlreicher Apps geht das auch zuhause. Zum anderen hat mich der Text bestärkt, durchzuhalten. Ich brauche die Waage zwar als Kontrollinstanz, aber gerade mit den Muskelübungen bin ich nicht zu sehr geknickt, wenn sich erst einmal nichts tut. Ich habe mir einen Trainingsplan erstellt, um die einzelnen Einheiten nicht rumzuschieben, sondern die Bewegung mit dem Alltag zu vereinbaren. Mit einer zweijährigen Zwergnase kann man schließlich nicht einfach loslaufen, wie es einem beliebt. 

Zum Abnehmen braucht es eben doch das Dreigestirn aus Ernährung, Ausdauer und Muskeltraining. (Oder wie ist der Stand in Sachen Schoki, die schlank macht???)

Quelle: Nicole Heißmann: Sich in Form bringen und dabei Spaß haben - wie ein leichteres Leben gelingt. In: stern, 2/2016, S. 42-53

Kommentare:

  1. Sehr schöner Artikel, Karin. Mal wieder identifiziere ich mich damit.

    Ich hab auch so´n Schlemmertag - mehr oder weniger zumindest, hier heißt es Kohlenhydratetag. Mittags gibt es z. B. Pasta oder Pizza und abends Kuchen und Schokolade etc. Zum Sport kann ich mich auch noch nicht ganz aufraffen, solange ich aber sehe, dass ich auch so abnehme, wird daraus wohl auch nichts. Der Schweinehund lässt sich einfach nicht bestechen. Meine Ernährungsumstellung klappt ziemlich gut, ich bin sehr zufrieden. Die erste Woche war bissl viel Gewicht (liest sich blöd). Heute, an Tag 16, zeigt mir meine Waage ein Minus von 4,4 kg - ganze 0,1 kg zugenommen gestern an meinem Fresstag, das lässt sich sehen.

    Die Ernährungsumstellung ist ein mächtiges Instrument. Teilweise denke ich, dass es viel zu schnell geht, obwohl ich ziemlich viel esse - allerdings bewusster!

    Ich werde dich weiterhin beobachten, aber das weißt du sicherlich. :D

    LG Sabrina

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    1. Hallo Sabrina! Vielen Dank für deinen Kommentar!

      Ich versteh dich total und hey. Solange es nur über die Ernährung geht, bewege ich mich auch keinen Millimeter:P Leider geht das bei mir nicht mehr und ich muss runter von der Couch. Aber die Waage motiviert mich dann.

      Freu mich über Austausch beim Abnehmen!

      Lg, Karin

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