Sonntag, 15. Mai 2016

Ab auf die Wiesn

Das Frühlingsfest hat die Wiesn-Saison eingeleitet. Ab ins Zelt, ran an die Mass und rauf auf die Bank! Wir feiern, als gäbe es kein Morgen mehr! Nur blöd, dass das gestern war. Denn heute sieht das ganz anders aus und ich weiß endlich, wer die Wiesn nachmittags bevölkert.
Es sind Eltern mit ihren Kindern. Eltern, die wahnsinnig froh über etwas Abwechslung im Alltag sind. Eltern, die immer auf der Jagd nach einem Bespaßungsprogramm für die Kinder sind. Denn das Tagesziel lautet: Mache dein Kind so müde, dass es abends einfach nur noch ins Bett fällt. Egal, wie.

Na gut, ganz egal ist es einem dann doch nicht. Ich machte mir schon Gedanken, ob Zwergnase mit den ganzen Eindrücken klar kommt. Die vielen Lichter, die laute Musik, das Heulen und Hupen der Fahrgeschäfte. Dazu die vielen Menschen. Wenn man sich vorstellt, dass so ein Kind ja von seiner Höhe aus nur eine Wand aus Wampen sieht... Ich würde mich da bedroht fühlen! Aber diese vielen neuen Eindrücke sind ja auch furchtbar spannend. Es gibt soviel zu sehen, so viel zu erleben und so leckere Sachen zum Essen! Am Ende heißt es natürlich, wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Mama bespricht auf dem Weg zum Fest die Karussell-Strategie mit ihrer Mama-Freundin. Werden die Kinder sitzen bleiben? Wird Zwergnase weinen? Wird es ihm gefallen? Wir graben in unseren Erinnerungen, welche Fahrgeschäfte überhaupt schon geeignet sind. Ja, das eine kleine, das nur im Kreis fährt. Das könnten wir schon versuchen. Erstmal nur mit einem Chip. Zum Ausprobieren. Das andere, das Kurven und über eine Brücke fährt? Nein, nein. Da sind sie noch zu klein. Wenn die da runterfallen! Nicht auszudenken. Überhaupt drehen wir erst eine Runde, damit sich die Kinder etwas eingewöhnen können. Ja, das klingt nach einem Plan. So wird's gemacht!

Wir betreten das Festgelände und kommen genau 25 Meter weit, bis es heißt: "Mama! Schau! Tatütataa! MAAAAAMAAAAAA!!!!" Nix da von wegen Eingewöhnungsrunde. Zwergnase kam, sah und siegte. Über das Feuerwehrauto mit Lenkrad, Blaulicht und Sirene. Aus der einen Testfahrt wurden drei und als ich ihn rausnehmen wollte, spreizte Zwergnase Arme und Beine, um im Wagen für Fahrt Nummer vier sitzen bleiben zu können. Erst das Versprechen für Pommes konnte ihn widerwillig aus dem Karussell locken. (Hust. Abends gab's dann Gemüse. Ehrlich. Indianerehrenwort.)

Gemütlich auf der Bierbank sitzen und seine Mass (an diesem Nachmittag genau genommen eine verdammt dünne Radler-Halbe) genießen? Mit Kind? In welchem Universum lebst du denn, liebe Mama? Das Festzelt muss natürlich bis in den letzten Winkel erkundet werden und Zwergnase steht schon mal für in 14 Jahren auf den Bänken Probe. Früh übt sich... Die Pommes waren erst halb aufgegessen, als es am Rockzipfel zupfte und mir von zwei weit aufgerissenen Kulleraugen mitgeteilt wurde: "KARUSSELL FAHREN!!!" Jetzt, sofort, unmissverständlich und ohne Aufschub.

Am Ende saßen wir dann etwa eine Stunde vor der tollen Bahn mit Kurven und Brücke, für die die Kinder ja ganz bestimmt noch zu klein sind, auf Plastikbänken. Den Kindern drückst du einen Sack voller Fahrchips in die Hand und dann musst du nur noch regelmäßig winken. Sehnsüchtig blickten wir zum Weißbierzelt. Eigentlich könnte uns doch die Bedienung so ein nettes kleines Radler... Aber verantwortungsvolle Mamas trinken nicht in der Öffentlichkeit. Das machen sie zuhause!

Als wir nach gerade einmal zwei Stunden und um etliche Euros leichter den Festplatz verlassen, ist Zwergnase fix und fertig - und die Mama auch. Zum Einschlafen braucht sie dann nicht mal mehr ein Radler.

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