Dienstag, 31. Mai 2016

Abnehmen ohne Verzicht

Es wäre zu schön, um wahr zu sein. ALLES essen können und trotzdem abnehmen. Genug Überschriften gaukeln einem das auch vor. "Mit dieser Diät abnehmen, ohne zu hungern!" oder so ähnlich. Natürlich klicke ich sowas an. Zuerst aus Hoffnung, inzwischen aus Neugier. Ich will wissen, welches Prinzip hinter der Verlockung steckt. Es ist übrigens inzwischen nichts Neues mehr. Meist geht es um Low Carb oder keine Kohlenhydrate am Abend oder irgendwelchen Fatburner-Nahrungsmitteln.

Die Vernunft sagt es mir allerdings in aller Deutlichkeit. Wenn ich schlank sein könnte und trotzdem alles essen könnte, hätte ich ja kein Gewichtsproblem, oder? Also warum soll sich das auf einmal ändern? Tatsächlich kann man sich wirklich satt essen und abnehmen. Wenn man auf Lebensmittel mit geringer Energiedichte zurückgreift - also unter 150kcal auf 100 Gramm. Mit Pommes, Chips, Schokolade, Gummibärchen und Co wird das also nicht funktionieren.

Abnehmen bedeutet immer Verzicht. Dieser kann zwar unterschiedlich schwer ausfallen und in vielen Dingen lassen sich Kompromisse finden, aber eine Einschränkung passiert trotzdem. Meist verändert sich nur die Motivation, diese Einschränkung zu akzeptieren. Mancher Verzicht wiegt auch schwerer als ein anderer. Manche Dinge kann man sich angewöhnen und das Gefühl von Verzicht wird sich nach und nach verringern. Etwa bei Milch und Zucker in den Kaffee. Es geht genausogut ohne, man muss sich nur daran gewöhnen. Funktioniert eigentlich wunderbar. Dennoch würde ich nicht behaupten, dass ich einen Kaffee mit Zucker nicht mehr trinken könnte, weil er mir zu süß wäre. Zu süß kann mir ja fast nichts sein. Aber das Weniger an Kalorien ist mir eben wichtiger.

Schwieriger ist der Verzicht bei Süßkram. Natürlich kann ich mir das eine Stück Schokolade auf der Zunge zergehen lassen. Spüren, wie sie langsam dahinschmilzt und sich der Kakaogeschmack in meinem Mund ausbreitet. Die Reste des Stückchens mit der Zunge an den Gaumen pressen, um die Süße im Ganzen Mund zu verteilen. Einem Schokogasmus gleich explodieren meine Geschmacksnerven... Seien wir ehrlich, nach dem einen Stück Schokolade bleibt man irgendwie unbefriedigt zurück. Erst wenn die ganze Tafel weg ist... Ach, lassen wir das. Die Vernunft begnügt sich mit dem einen Stück. Wenn der Abnehmewille größer ist als der Süßhunger, wird man es als guten Kompromiss empfinden. Man muss nicht ganz verzichten, man kontrolliert die Sünde eben. Aber Verzicht ist es trotzdem. Weil man nicht darf, wie man möchte.

Eigentlich müssten die Headlines also nicht heißen "Abnehmen ohne Verzicht", sondern "Abnehmen mit Kompromissen". Ein Stück Schokolade statt der ganzen Tafeln, fettarmer Quark statt Mascarpone, Schinken statt Schinkenwurst, Frischkäse statt Butter, püriertes Obst statt Konfitüre oder greislige fettarme Backofenchips mit a bisserl Mehrsalz statt die leckeren Chipsfrish Cheese & Onion. Wobei ich ja lieber zu den "Hot" greife. Schärfe kurbelt schließlich den Stoffwechsel an, oder wie war das?

Kompromisse funktionieren eine Zeit lang. Aber nicht ewig. Deshalb sollte man doch hin und wieder einen Cheatday einlegen. Also einen Bescheißer-Tag, an dem man nicht vernünftig ist. Auf Dauer muss,kann und will man nicht auf alles verzichten. Statt sich aber selbst zu frustrieren, weil die Disziplin wieder mal spurlos verschwunden ist, hilft es wirklich, seine Sünden zu planen. Denn eine geplante Sünde ist keine Sünde mehr. Sie gehört dann zum Konzept. Und am nächsten Tag ist man eben wieder vernünftig. Und am Tag darauf auch. Und die Tage danach auch. So lange, bis es eben wieder nicht mehr anders geht.

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