Dienstag, 20. September 2016

Gibt es abnehmtaugliche Desserts?

Mit Sicherheit bin ich etwas neidisch. Doch, diese höchste Form der Anerkennung muss ich den ganzen Rezeptblogs zollen, die ihr Unwesen in den falschen Communitys treiben. Sie sind adrett aufgebaut, haben tolle Fotos, tolle Ideen und bei allem miteinander läuft einem einfach nur das Wasser im Mund zusammen. Wenn solche Blogs Erfolg haben und viele Leser gewinnen, gönne ich ihnen das. Allerdings reagiere ich sehr verschnupft, wenn Foodblogger versuchen, sich neue Leser zu erschließen, indem sie ihre Rezepte wild in den sozialen Medien verteilen, ungeachtet dessen, ob das Thema gerade passt. Und wie heißt es so schön? Was nicht passt, wird passend gemacht!

Vorsicht vor gesunden Desserts

Das geht ziemlich einfach, wenn man in die Beschreibung des Blogposts die Schlagwörter "gesund", "kalorienarm", "sättigend", "Superfood", "glutenfrei", "vegan", "natürlich", "Schlank-Geheimnis", "stoffwechselanregend" und auf alle Fälle "low carb" packt. Ob das Rezept die Kriterien dann erfüllt, ist zweitrangig. Wer prüft das schon nach? Hauptsache Klicks! Mit diesen Attributen ist ein Rezept auf alle Fälle für Abnehmforen prädestiniert. 

Auch und vor allem Desserts und Süßkram. Denn der arme Abspecker gönnt sich ja sonst nichts, sodass man ihn vor allem mit Low-Carb-Desserts bombadieren muss. Sahnetorten mit Zucker- und Mehlersatz, Brownies, Muffins, Kuchen, Kekse und Plätzchen. Es gibt alles, wirklich jedes Dessert auch in einer Low Carb-Variante. Abnehmtauglich sind sie meistens trotzdem nicht, weil sie aufgrund des hohen Fettanteils genau die gleichen Kalorienbomben sind wie die "herkömmlichen" Varianten. Allerdings laden sie dazu ein, gleich zwei Portionen zu verdrücken. Weil: Ist ja low carb! Ohne die bösen Kohlenhydrate kann man ja schlemmen ohne Ende! Sind ja gesund, die Teile! Mit einem ganzen Blech Brownies purzeln die Pfunde nur so! Garantiert! Weil... nur Kohlenhydrate machen doch dick!

Öhm. Nein. Dick macht ein täglicher Kalorienüberschuss. Schlank macht ein tägliches Kaloriendefizit. Daran ändern auch keine Stoffwechselweisheiten etwas. Und dann bleibt von einem Low Carb-Dessert genau das: eine 300-400 Kilokalorien schwere Sünde, die dir mal eben das Kaloriendefizit eines Tages zerschießen kann.

Es gibt keine Diät-Desserts

Gibt es überhaupt abnehmtaugliche Desserts? Ich esse täglich Süßkram. Kleine Portionen Schokolade, Gummibärchen, Mamba, Kekse. Meistens als Dessert. Weil mich nach dem Mittagessen der Süßhunger überfällt. Meine Desserts haben dann ca. 100 kcal - ich achte auf kleine Portionsgrößen, sodass ich den Süßhunger befriedigen kann und mein Kaloriendefizit nicht in Gefahr ist. Abnehmtaugliche und gesündere Desserts sind etwa ein Stück Obst oder Naturjoghurt mit Obst, aber auch ein fertiger Fruchtjoghurt ist kalorienmäßig noch im Rahmen, ein Smoothie, ein Pudding, angerührter Magerquark, etc.

Aber wenn man ehrlich ist, gibt es kein abnehmtaugliches Dessert. Denn ein Dessert isst man immer aus Spaß am Essen und nicht, weil man Hunger hat - der eigentliche Sinn der Nahrungsaufnahme. Damit ist ein Dessert für sich genommen schon eine Abspeckbremse. Man nimmt immer Kalorien auf, die es eigentlich nicht bräuchte und man verringert sein Kaloriendefizit dadurch immer unnötigerweise.

Jedes Dessert kann in eine Diät integriert werden

Wenn man entgegenhält, dass so ein kleines Dessert für die Psyche wichtig ist, so wie ich täglich meine kleine Süßigkeit brauche, dann ist eigentlich wieder jedes Dessert abnehmtauglich, sofern man eben wenig nimmt oder die Kalorien dafür ausgleicht. Durch Einsparungen andernorts oder zusätzlichem Sport. Wenn ich mein Frühstück weglasse und mit Mittag und Abendessen auf 700 Kilokalorien komme, dann kann ich ein Stück Schwarzwälderkirschtorte auf Omas 90. Geburtstag für 500 Kilokalorien problemlos verputzen und habe immer noch ein Kaloriendefizit. Und dann muss da nichts besonders gesund oder Low Carb sein. 

Man kann also jede Süßigkeit in seine Diät integrieren. Nur die doppelte und dreifache Menge verdrücken, weil eine Kalorienbombe inkognito als low carb daher kommt, ist eine schlechte Idee. Ich wähle dann ohnehin das Original. Denn wenn schon Sünde, dann bitte so, dass sie es wert ist!

Kommentare:

  1. Ahhhhhhhh! Meine Seifenblase ist gerade geplatzt!!!
    Nee :D Aber ich halte es eigentlich so wie du. Meist esse ich eine kleine Süßigkeit nach dem Essen. Nicht nur weil mich die Gelüste das extrem quälen, sondern auch, weil es dann weniger ausmacht, als wenn sich die Verdauung zwei Stunden später mit einer Handvoll Gummibärchen rumärgert.

    LG Caro

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  2. ich hab es einmal geschafft, das mittagessen auszulassen, weil wir gäste erwarteten und ich kuchen gebacken hatte. ich hab dann drei stücke kuchen gegessen, weil ich solchen hunger hatte, aber immerhin hab ich mich abends dann mit quark bestraft. der tag ging irgendwie in ordnung.

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    1. Ich lasse an Tagen, an denen etwas Außergewöhnliches ansteht, das Frühstück aus und mache eine extra Sporteinheit. Zum Mittag gibt es ein Essen mit sehr wenig Kohlenhydraten. Damit federe ich ab, wenn wir abends essen gehen. Ein kleines Kuchenstück ist eig immer drin, für ein Tortenstück zwackt man halt von den anderen Mahlzeiten was an, dann ist auch das kein Drama.

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