Dienstag, 11. Oktober 2016

Brauche ich ein Fitnessarmband?

Es ist schön, dass man mit allem Geld machen kann. Die einen verdienen ihr Geld damit, dass sich die Gesellschaft fett frisst und die anderen damit, wenn sie das Fett wieder loswerden will. Man braucht noch nicht einmal genaue Zahlen zu kennen, um zu erraten, dass die Fitness- und Diätindustrie ein Milliardengeschäft ist. Ein Blick ins Drogerieregal reicht und sogar die Discounter bieten immer wieder Nahrungsergänzungsmittel und Eiweißpulver an, Fett- und Kohlenhydratblocker stehen in unserem Aldi sogar schon dauerhaft im Regal. Daneben gibt es natürlich allerlei technischen Kram.

Angefangen von der Multifunktionskleidung mit besonderer Atmungsaktivität und Flüssigkeitsabsorbation über besondere Laufschuhe mit spezieller Federung bis hin zu Pulsmessern und Fitnessarmband-Smartwatch-Verschnitten.

Aber es ist ja auch verlockend. Man hat ja nun keinen eingebrannten Kalorienzähler am Handgelenk, an dem man seine Kalorienbilanz ablesen kann. Zahlen machen das Abnehmen aber so schön griffig. Hier hab ich das gegessen, aber jenes verbrannt, also muss das eine Abnahme von xy ergeben. Dazu gibt es eine schöne Statistik mit Durchschnitts- und Trendwerten und ja, hier, wenn ich die Bewegung nach oben schraube, dann müsste doch...

Ich habe mir auch einen Fitnesstracker gekauft. Ich habe ihn drei Monate effektiv genutzt, dann hatte er immer wieder Aussetzer und ich habe ihn zurückgeschickt, ohne einen Ersatz anzufordern. Das Fitnessarmband hat mich auf den Boden der Tatsachen zurück gebracht, wie wenig ich mich im Alltag bewege. 10'000 Schritte am Tag sind nachwievor nicht leicht für mich zu schaffen und ohne eine Sporteinheit schon fast unmöglich. Mit der zugehörigen App hätte ich auch meine Kalorien tracken können, allerdings ist fddb für die Lebensmittel handsamer. Die Sportkalorien habe ich mir nach einer Trainingseinheit zwar immer angesehen, aber es wechselte, ob ich sie ins Kalorientagebuch eingegeben habe oder nicht.

Denn beim Sport verbrannte Kalorien sind fies. Die Apps geben einen sehr großzügigen Verbrauch an, der dann wiederum dazu verleitet, mehr zu essen. Denn man hat schließlich soundsoviel verbraucht. Die Abnahme entsprach jedoch nicht dem errechneten Trend. Da ich mein Essen genau eingegeben und gewogen habe, bleibt also nur der Leistungsumsatz als Fehlerquelle. Ich bin schnell wieder dazu übergegangen, ganz ohne Technik zu sporteln oder allenfalls den Schrittzähler mitlaufen zu lassen.

Mein ganz einfacher Schrittzähler gibt sehr ernüchternde Werte an. An einem Tag zwischen 200 und 400 kcal durch gehen und Bewegung im Alltag. Bei einer Einheit Nordic Walking verbrenne ich vielleicht mehr Kalorien, fürs Abnehmen ist eine pessimistische Schätzung auf alle Fälle immer von Vorteil. Lieber zu wenig Verbrauch als zuviel annehmen und am Ende gibt es keine Enttäuschung auf der Waage.

Ein Fitnessarmband kann also durchaus dazu anspornen, sich mehr zu bewegen. Gerade, wenn man einen bewegungsarmen Job hat und viel sitzt. Manche Tracker erinnern sogar über ein Signal, das man sich wieder mal bewegen könnte. Die meisten Tracker kosten um die 100 Euro. Genau genommen reicht aber auch ein Schrittzähler für sehr viel weniger Geld. Die Discounter haben sie hin und wieder für etwa 7,99 Euro im Angebot, es gibt auch welche für 20 Euro. Denn die Smartwatch-Eigenschaften, die die meisten Armbänder aufweisen (z.B. WhatsApp-Nachrichten lesen), sind noch so unausgereift, dass sie ihr Geld meines Erachtens nicht wert sind.

Mein Fitnessarmband habe ich nach drei Monaten wegen eines Defekts zurückgegeben. Der Schrittzähler allein tut es auch.

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