Dienstag, 15. November 2016

In diesem Laden kann ich nicht einkaufen! - Über Kleidergrößen

Schon vor einer Weile hatte ich in den sozialen Netzwerken einen Artikel des Sterns gesehen, in dem eine junge Frau die Kleidergrößen einer bekannten Mode-Kette anprangert. Eine Jeans, ohnehin zwei Nummern größer probiert, als nach ihren Angaben ihre Normalgröße sei, geht nicht zu. Also so gar nicht. Nicht nur fast nicht, sondern gar nicht. Niemals. Als ich das Bild so betrachtete, wollte sich zuerst eben jene Entrüstung in mir breit machen, die ich schon lange gegen den Laden hege. Dort könne man nur mit einer Modelfigur einkaufen. Mit leichtem Übergewicht und etwas breiterem Körperbau hat man da keine Chance. Die "normalen" Klamotten zu schmal, die Übergrößen frustrierend und zu weit.


Auf den ersten Blick hat diese junge Frau durchaus eine normale Figur. Allerdings in dem Sinne, dass die meisten Leute heutzutage leicht übergewichtig sind. Als schlank oder dünn würde ich die Frau nicht bezeichnen. Je länger ich das Bild betrachtete, umso mehr war ich mir außerdem sicher, dass die Frau wahrscheinlich sogar einen höheren BMI als ich hat. Dass man mit leichtem Übergewicht nicht einfach bei dem Label einkaufen kann, kann man durchaus anprangern. Allerdings ist das mit den Kleidergrößen ja so eine Sache.

Ich kaufe gern bei einer bestimmten Marke ein. Lange habe ich das mit der Begründung gemacht, dass mir da meine Größe passt und die Sachen nicht für kleine Asiatinnen geschneidert wären. Ich habe das Größenproblem auf die Qualität der Kleidung geschoben, chaotische Schnitte und billige Produktion. Selbst schuld, wer sich von dem Laden runterziehen lässt. Gibt man halt lieber mehr Geld aus und hat was "Gescheites"!, hab ich immer gesagt. Aber wenn ich ehrlich bin, hätte ich doch gerne auch das ein oder andere modische Billigteil gekauft. Einfach nur, weil es eben Mode ist, in der nächsten Saison unbrauchbar und ich deswegen nicht einen Haufen Geld ausgeben wollte. Und immerhin gibt es ja genügend Frauen, die dort einkaufen können. Denen die Sachen passen. Sind die Schnitte also wirklich so unbrauchbar? Oder habe ich mir einfach selbst etwas vorgemacht.

Und dann habe ich abgenommen. Und bin in den Laden gegangen. Und habe mir zwei Hosen und mehrere Shirts geholt. Und zwar nicht in der größten verfügbaren Größe! Denn da schlabberten die Hosen! Und dann bestellte ich online mehrere Größen und musste auch da feststellen, dass ich nicht die größte Größe brauchte, damit das Teil gut passte. Und ich musste eine Hose zurück schicken, weil mir alle gelieferten Hosen zu groß waren. Und ich fühlte mich fantastisch. Und ich wusste: Ich habe mich vorher ganz schön selbst belogen. Denn ich habe auch jetzt keine Modelmaße. Aber die Sachen passen nun. Woran liegt's?

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