Sonntag, 9. April 2017

Spieglein, Spieglein

"Früher! Ja, früher! Da hatten die Kinder noch Respekt vor den Erwachsenen!"
"Bitte und Danke hört man sowieso nicht mehr!"
"Aber dafür sagen diese Rotznasen Sachen, für die hätten wir eine Watschn kassiert!"
"Und geschadet hat es uns auch nicht!"
"Jawohl!"

Bei solchen Dialogen muss ich immer schmunzeln und mich dann zusammennehmen, um meinen Senf für mich zu behalten. Denn Mama hat mir beigebracht, dass man nicht immer alles sagen muss, was man sich denkt. Und das Leben hat mir beigebracht, dass es manchmal nur Nerven kostet und keine Wirkung zeigt, wenn man was sagt. Aber so ganz kann ich mir meinen Kommentar ja nun doch nicht verkneifen.


Kinder leben das nach, was sie sehen. So einfach ist das. Das hat gar nicht so sehr mit gezielter Erziehung zu tun. Wenn Kinder also scheinbar kein Bitte und Danke mehr kennen, liegt es wohl daran, dass sie es nicht mehr hören. Damit meine ich nicht nur die Eltern, sondern jeden einzelnen im Alltag. Denn gerade die, die sich über das rüpelhafte Verhalten fremden Nachwuchses echauffieren, geben selbst die motzigsten Antworten. Weil... man ist ja schließlich wer. Glaubt man. Aber Kinder wiederholen alles. Und ich meine wirklich ALLES.

Zwergnase ist da natürlich das lebende Beispiel. Ich will aber klar stellen, dass ich für die folgenden Begebenheiten die volle Verantwortung übernehme. Das, was jetzt kommt, hat er von mir, seinem Papa und seinen Großeltern. Nicht von irgendwelchen ahnungs- und kinderlosen fremden Erwachsenen.

Wenn man Glück hat, hört man sein eigenes Echo nur zuhause. Zum Beispiel, wenn Zwergnase Mama am Drive In von McDonalds spielt. "Ich hätte gerne kleine Pommes und Chicken Nuggets, bitte!" - "..." - "Das wäre dann alles, danke!" Brrrrrrrrm! Brrrrrrrm! Wobei ich ja den gelegentlichen Besuch bei McDonalds gar nicht so schlimm finde... Viel schlimmer beim Autofahren-Spielen sind eher so Sachen wie "Kreuz, fahr halt zu!" oder "Heute sind wieder lauter Deppen auf der Straße!"

Überhaupt merkt man am Kinder-Echo, wie sehr man zum Fluchen neigt. Wenn etwa Zwergnase auf der Eckbank herumturnt, fast hinunterfällt und man dann ein erleichtertes "Leck mi am Arsch! Das war aber knapp!" zugerufen bekommt.Das aus Zwergnases Mund zu hören, fühlt sich irgendwie viel schlimmer an, als wenn man es selbst sagt.

Lokführer Schnauf (ein Kinderbuch) beruhigt mein schlechtes Gewissen allerdings etwas, wenn er über den Baumstamm schimpft, der quer über die Schienen liegt: "Sapperlot, was soll denn das? Treibt da einer mit mir Spaß?!" Wenn Zwergnase dann fluchend durch die Wohnung stampft, kann man sich das Grinsen meistens nicht verkneifen. Wer aber Bitte und Danke sagt, darf das auch ;)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen