Eine Oma ist Luxus, zwei sind das Paradies

Zwergnase liebt seine Omas. Alle beide, heiß und innig. Dass wir eine von ihnen besuchen, darf ich ihm erst nach dem Mittagsschlaf sagen, sonst fällt dieser aus. Selbstredend, dass seine Zuneigung bedingungslos von beiden erwidert wird. Seine Omas tun alles für Zwergnase. Ohne ihn braucht man gar nicht aufschlagen. Das gibt lange Gesichter und ein enttäuschtes "Wo is denn da Bua?!"

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Ich gebe es zu, im ersten Jahr wurde mir das oft zuviel. 
Es hat mich frustriert, dass die Omas Zwergnase mit einem Handgriff beruhigen konnten. Und ich nicht. Ich dachte, ich sei die schlechteste und unfähigste Mutter des Universums. Dass beide schon zwei Kinder großgezogen haben und deshalb natürlich wissen, was wann zu tun ist, wollte nicht in meinen Kopf. 

Meine Güte, war ich dämlich. 

Omas sind ein Geschenk des Himmels. Gerade weil sie wissen, was zu tun ist und man sich nicht erst durch eine Unzahl von Webseiten und Foren kämpfen muss. Wenn sich dein Wurm gerade die Seele aus dem Leib schreit, weil ihn die Dreimonatskoliken beuteln, willst du keine Begriffsklärungen lesen, sondern du brauchst Hilfe. Schnell. Omas Antwort: Fliegergriff und Popo klopfen! Eine Oma hat gute Ratschläge, zwei haben noch mehr gute Ratschläge.

Wenn du meinst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Und das heißt Oma. Wir sind geblendet von strahlenden Pampers-Mamas und lachenden Babys, die morgens quietschvergnügt mit trockenem Po im Gitterbettchen liegen. Haha. Abgesehen davon, dass mich Pampers das Kind mehrmals in der Nacht umziehen ließen, weil sie nicht ausliefen, wissen wir alle, dass es genug Tage gibt, an denen man sich fragt, wieso man überhaupt ein Kind wollte. Durchgemachte Nächte, Zähne, Blähungen, Entwicklungs- und Wachstumsschübe. Da ist es mehr als entlastend, wenn dir Oma zur Seite steht und eine Runde wagelt, damit du schlafen kannst.

Omas schenken Freiheit und Zeit zu zweit. Zwergnase schlief im Alter von 9 Wochen das erste Mal bei Oma, weil wir auf einen Geburtstag eingeladen waren. Uns war es von Anfang an wichtig, uns als Paar nicht aufzugeben. Einmal im Monat haben wir daher etwas ohne Kind unternommen. Da ist es natürlich praktisch, wenn das Kind noch andere Bezugspersonen hat. Bekannte konnten es kaum glauben, wie ich ganz entspannt dasaß und nicht einmal aufs Handy sah, ob es ein Problem gibt. Ich wusste einfach, es gibt keines. Zwergnase kennt seine Omas und sie kennen seine Marotten. Es gab und gibt also keinen Grund, unruhig zu werden.

Ganz praktisch ist die Unterbringung bei Oma auch bei festlichen Anlässen wie runden Geburtstagen und Hochzeiten. Will ich wirklich vor dem Lokal wageln, damit der Bengel schläft, während drinnen die Party steigt? Will ich ihm wirklich nachrennen, wenn er den Tischtuchzipfel in der Hand hat und droht, die ganze Tafel abzuräumen? Unbedingt! Nichts lieber als das! Wenn ich andere Eltern bei derartigen Anlässen beobachte, sehe ich nur gestresste und genervte Gesichter. Das Kind nehme ich nur mit, wenn ich eh nicht lange bleiben will - oder wirklich keine der beiden Omas Zeit hat. Ansonsten wird das unter "Den Abend genieß' ich heute mal!" verbucht. Und Zwergnase hat vom Spielen mit Oma auch mehr. Denn:

Jede Oma liest ihm vor und erklärt ihm etwas anderes. Auch als ich nach einem Jahr wieder mit ein paar Stunden anfing zu arbeiten, war es mehr als ein Segen, dass Zwergnase seine Omas hatte. Ich brauchte keinen Krippenplatz und Zwergnase bekam alle Aufmerksamkeit und Förderung. Es hätte mir überdies weh getan, ihn in völlig fremde Hände zu geben, wenn gleich zwei Menschen für ihn da sind und ihm mit Sicherheit mehr Fürsorge entgegenbringen als Fremde, die eben ihre Arbeit tun. Den Omas hätte ich überdies das Herz gebrochen.

Omas machen das Leben leichter. Man muss sie nur ans Kind lassen.

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