Sonntag, 31. Juli 2016

Eine Liebeserklärung

Eigentlich wollte ich dieses Mal die Schnulze auspacken. Mein Mann und ich hatten diese Woche Hochzeitstag. Kein runder, kein besonderer, ein stinknormaler Hochzeitstag eben. Ich muss sagen, mir ist der Hochzeitstag gar nicht so wichtig. Wir sind sehr viel länger ein Paar als wir verheiratet sind und sind trotzdem noch total vernarrt ineinander. Wenn mich jemand fragen würde, ob ich mich in 50 Jahren mit ihm Händchen haltend auf einer Parkbank sehen würde, dann bekäme er von mir ein klares Ja. Trotz kleiner und größerer Streits passt es einfach, wir sind füreinander gemacht. Nun, um ihm meine Liebe zu beweisen, hätte ich ihm einen ganzen Blogpost gewidmet. Aber erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.


Wir haben unseren Hochzeitstag dieses Jahr gefeiert, indem wir uns nur kurz gesehen haben. Ich musste morgens in die Arbeit und als ich nach Hause kam, stand er schon in den Startlöchern, um seinerseits zur Arbeit zu fahren. Er würde erst so spät nach Hause kommen, dass wir noch ungefähr eine Stunde für uns haben würden. Daher haben wir keine großen Unternehmungen oder Feierlichkeiten geplant - wir gehen ohnehin oft genug zum Essen, wir wollten den Anlass einfach nachholen. Ich habe meinem Fleischfresser jedoch versprochen, ihm zumindest ein Rinderhüftsteak mit Champignonragout und Kartoffelzucchini-Gemüse (ca. 560kcal) zu kochen. Mit einem Steak mache ich meinem Göttergatten schließlich die größte Freude.

Wie üblich habe ich mir also alle Zutaten bereit gelegt, meinen Notizzettel für die Kalorien und die Waage hervor geholt, die Pfanne, die Auflaufform und einen Topf auf den Herd gestellt. Ich war bereit, das Hochzeitsgericht zuzubereiten und wollte gerade um ein Messer in die Schublade greifen, als Zwergnase ruft, ob er eine Gurke haben könne. Ruckartig drehe ich mich um, merke nicht, dass sich auch mein Arm mitsamt Hand und Finger dreht und schwupps - schon ist es passiert. Ein kurzer Stich und schon ist alles vorbei. Ich habe in die Klinge des Gemüsehobels gefasst. Ich unterdrücke ein Fluchen, sehe dem Blut zu, wie es sich seinen Weg bahnt, umwickle den Finger mit einer Rolle Zewa, schneide erst umständlich die Gurke für Zwergnase auf und klebe dann ein Pflaster über den Finger.

Es dauert nicht lange, bis das Pflaster abgeht. War ja klar! Immer zum Kochen! Mit dem Abwaschen des Gemüses zwischendurch hält natürlich kein Pflaster! Ich unterdrücke ein erneutes Fluchen, bis mir die kleinen roten Punkte auffallen, die Boden, Arbeitsplatte und Schränke zieren. Und ich habe mich doch vorher eigentlich gut abgetrocknet? Das Blut läuft. Ich denke mir noch, dass es aber eine schöne gesunde Farbe hat. Sieht richtig frisch aus und leuchtet. Ob mich ein Vampir als gute Ware bezeichnen würde? Ich rolle wieder das Zewa um den Finger, nur um dann festzustellen, dass das so nichts wird.

Der alte Auto-Verbandskasten! Da muss das passende Verbandszeug drin sein. In Eile, denn das Zewa blutet schneller durch, als ich es ersetzen kann, krame ich den Erste-Hilfe-Kasten heraus, nur um festzustellen, dass er für den Notfall äußerst unpraktisch ist. Alles ist gefühlte hundert Mal eingeschweißt und letztendlich blute ich fast alles voll, als ich die Folien mit beiden Händen aufreiße. Was brauche ich denn nun überhaupt? Mullbinde? Ja, Mullbinde ist gut. Aber was lege ich auf die Wunde auf? Ich reiße Päckchen auf, entfalte verschiedenes Verbandsmaterial und während das Blut tropft, überlege ich, was ich nun am besten verwende. Umständlich trenne ich von einem Strang Fließ etwas ab, das aussieht, als könnte ich es auf die Blutung auflegen. Dann umwickle ich den Finger schnell alles andere als fachgerecht mit einer Mullbinde und wünsche der Menschheit, dass ich niemals als erste an einem Unfallort eintreffe. Zumindest sieht mein Finger nun schön sauber und steril aus, auch wenn er es mit Sicherheit nicht ist. Ich koche fertig, lege Zwergnase zum Schlafen hin und schnaufe erst einmal durch.

Doch nach zwei Stunden sickert wieder Blut durch den Verband und färbt ihn erst hell-, dann dunkelrot. Es hilft nichts, das muss sich ein Arzt ansehen. Ich packe Verpflegung für Zwergnase und meinen Impfpass ein und dann geht's in die Notaufnahme. Bis wir dort sind, hat es Gott sei Dank wieder aufgehört zu bluten, was aber dem jungen Assistenzarzt wenig zu gefallen scheint. Er drückt am Schnitt herum, hebt den losen Hautfetzen an, bis es wieder anfängt zu bluten. Das könnte man kleben, mein er dann, desinfiziert und drückt weiter herum. Zwischendurch brennt es. Was er genau macht, müsste ich Zwergnase fragen, der genau zusieht, während ich die Beine auf der Liege hochlege. Irgendwann murmelt der Arzt: "Das blutet ja wie Sau..." und dann nehme ich wahr, dass es kein Desinfektionsmittel ist, was über meinen Handrücken läuft und auf den Boden tropft.

Er betäubt den Finger und während er näht, fragt er nach dem Hersteller des Gemüsehobels, denn - auch wenn es makaber klänge - die Wunde zeuge von einer scharfen und gut geschliffenen Klinge. Keine Hautfetzen, sondern ein skalpellglatter Schnitt. Er ist sichtlich beeindruckt. Und wer schon immer mal einen richtig guten Gemüsehobel mit medizinischer Klinge haben wollte, sollte dann demnächst einfach die Ausstellung des Gäubodenfestes in Straubing besuchen. Da hat ihn mir meine Mutter besorgt und ihr eigener, 34 Jahre alt, funktioniert ebenfalls immer noch. Genauso scharf.

Als ich mein Rindersteak am Abend serviere, sage ich nur: "Da. Mit Herzblut gekocht."

Kommentare:

  1. Das hast du aber gut hingekriegt: maximales Blut bei minimalem Aufwand.
    Hattest du nach dem Massaker wenigstens ein Pfund weniger auf der Waage?

    Gute Besserung ;-)

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    1. Ich bin eben effizient :P
      Naja, da hab ich mich dann doch nicht gewogen, sondern versucht, den Blutverlust mit Kaffee auszugleichen :D

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