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Eine heiß begehrte Trophäe

 Letztens habe ich mich mit einer Freundin getroffen. Wir umarmten uns zur Begrüßung und noch bevor wir einander wieder losgelassen hatten, platzte es aus ihr heraus: "Mein Stanley Cup ist endlich da!" "Wohoo!" Ich hüpfte mit ihr auf und ab. "Ich wusste gar nicht, dass du in den USA Eishockey spielst. Bekommt da jeder im Team einen?" Vom Waschen der Fußball-Trikots der D-Jugend zum Stanley-Cup-Gewinner in der NHL, das musste man erst einmal schaffen. Respekt! Verwirrt ließ sie mich los. "Waaas? Nein!" Sie wedelte mit einem Fass vor meiner Nase herum. "Den Staaaanleeeey Cup!" Ach, einen Cup. Also... quasi... naja... ein Becher halt. Okay, ein großer Becher. Toll. "Ach so! Sehr schick". Ich nickte bekräftigend. Hoffentlich bemerkte sie nicht, dass ich völlig ahnungslos war. Sie presste sich den Becher verliebt an sich. "Er ist sooo toll. Wirklich." Sie klappte einen Strohhalm auf und schlürfte. "Man trinkt viel me...
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Parla Italiano?

Italien. Sommer, Sonne, Strand und Spritz, garniert mit Meersalz und Tiramisu. Wer sieht sich da nicht in einem schnuckligen Ristorante mit einem rassigen Kellner die Tageskarte diskutieren? Auf Italienisch, versteht sich. Man will ja Land und Leute kennenlernen.  Also buchen wir eine Woche Bibione. Generationen von deutschen Urlaubern können schließlich nicht irren. Eine Sprachen-Lern-App ist schnell auf’s Smartphone geladen. Mit nur wenigen Minuten pro Tag fließend Italienisch lernen! Perfekt! Oder: Perfetto!, wie der Landsmann sagen würde. Ich lege einen Account an, klicke mich ein wenig durch das Menü, dann ist die Zeit auch schon wieder rum. Das war ja einfach. Kurz vor unserem Urlaub verstehe ich dann Fragen wie “Wie lange bleiben Sie im Land?", die bei den Grenzkontrollen innerhalb des Schengenraums der EU wirklich äußerst wertvoll sind. Außerdem kann ich nach einer zusätzlichen Decke fragen. Als wir in Bibione aus dem Auto steigen, saugen wir den salzig-fischigen Duft der ...

Auswilderungsversuch

Urlaub ist ein Risiko. Die zuhause eingeübten Routinen werden auf die freie Wildbahn losgelassen. Meine persönliche Belastungsprobe ist das Hotelrestaurant. Wird die Auswilderung der Kinder gelingen? Wie ein Schatten verfolge ich die Kinder am Buffet. Sicher ist sicher. Kurz halte ich die Luft an, als Goldlöckchen nach den Pancakes greift. Mit der Zange. Sie nimmt sich zwei kleine Pfannkuchen und erklärt: “Ich kann mir ja später noch welche holen." Ich atme erleichtert aus. Andächtig schmiert sich Goldlöckchen Nutella auf die Pfannkuchen und beginnt zu essen. Der Göttergatte schenkt ihr ein Glas Saft ein, damit sie bei der Hitze auch genügend trinkt. Als er das Glas vor ihr abstellt, hält sie plötzlich inne und starrt es an wie die Schlange die Maus. Goldlöckchen wirkt gequält. “Ist alles in Ordnung?" Ich lege mein Besteck ab und beäuge meine Tochter kritisch. Mir wird ganz flau, als Goldlöckchen die Backen aufplustert. Der Göttergatte sucht meinen Blick, er runzelt die Stirn...

Do host Apps

Ich starre auf den Aufsteller am Eingang. Zukünftig gibt es Angebote, Aktionen und Rabatte nur noch in und mit der App. Der Prospekt aus Papier ist Geschichte. Endlich sind die Zeiten vorbei, in denen man sich sonntags am Küchentisch darum prügeln musste. Stattdessen lässt sich jeder einzeln von seinem Display erschlagen. Der Discounter digitalisiert Deutschland. Natürlich habe ich die App sofort installiert und sogar die Bezahlfunktion eingerichtet. Wirklich keiner will hinter mir und meinem Rieseneinkauf stehen und darauf warten, dass ich wie eine Oma mein Kleingeld zusammenkratze.  Mit dem Smartphone im Anschlag schleiche ich durch die Regale und suche nach dem Milchshake, den ich dank App geschenkt bekomme. Ich trinke zwar keinen Milchshake, aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Schnell werfe ich noch den teuren Schafskäse in den Einkaufswagen. Mit der App bekomme ich unbeschreibliche und nicht weniger als satte 10 Cent Rabatt. Ohne App bist einfach ein Depp! V...

Wie man die innere Uhr richtig einstellt

Der Himmel färbt sich bereits rosa. Mit aufgerissenen Augen liege ich im Bett und starre an die Decke. Ich bin so wach, dass ich die Spinnweben erahnen kann, die sich sanft im Luftzug wiegen. Sogar in den Momenten, die nur mir gehören, denke ich daran, was noch zu erledigen ist. Ein aufregender Tag voller Verpflichtungen liegt vor mir. Wie schön. Ich wälze mich zur Seite, mein Blick fällt auf den Wecker. Noch 30 Minuten. Ich lasse mich zurück in mein Kissen sinken. Mit einem Lächeln auf den Lippen schließe ich die Augen und reise noch einmal ins Land der Träume. Das wird die beste halbe Stunde meines Tages sein. Von wegen! Mein Herz pocht in meiner Brust. Ich weiß nicht mehr, ob ich Männlein, Weiblein oder ein Waschbär bin. Ich schrecke benommen hoch. Wer und was schreit denn hier so? Hilfe! Polizei! Mord und Totschlag! Der Handywecker spielt langsam anschwellendes Vogelgezwitscher ab und meint wohl, was das für ein sanfter Weckruf sei! Der spinnt doch. Ich stelle das Gezeter mit zittr...

Ein unbeschreibliches Event

Ich gehöre zur Spezies der Stubenhocker. Nur ein Tag ohne Termin ist ein guter Tag. Aber einen Künstler live auf der Bühne zu erleben, ist mit einer Show im Fernsehen oder einem Reel auf Instagram nicht zu vergleichen. Deshalb trauen wir uns hinaus in die Welt und hinein in die Stadthalle. Das ganze Drumherum ist einfach unbeschreiblich. Schon vor der Show flirrt die Anspannung durch die Luft, als wir mit fünfzig anderen Autos an einem Stockcar-Rennen um den letzten Parkplatz teilnehmen. Am Eingang hingegen werden wir ausgebremst. Wir schieben uns in der Geschwindigkeit eines Gletschers in das Foyer. “Da musst du durch!", sagt der Ticketabreißer. "Wir haben schließlich dafür bezahlt!”, sagt der Göttergatte. Als die Künstlerin die Bühne betritt, erinnert sie mich an die Alpen. Bei Föhn vom Bayerischen Wald aus gesehen. Du weißt, dass sie es sein muss, aber so ganz sicher bist du dir nicht. Ich sehe nicht alles, dafür höre ich weniger, denn leider wurde die Stadthalle doppelt g...

Um Himmels willen

Kennt ihr noch Kettenbriefe? Das Schneeballsystem der aller ersten Stunde. Du wirst unendliches Glück und Wohlstand erreichen, aber nur, wenn du diesen Brief an fünf Idioten wie dich weiterleitest, die zwischen "So ein Schmarrn!" und "Ich stürze mich ins Unglück, wenn ich diese universelle Bedrohung nicht weiterleite!" schwanken. Aus Tradition kennt sich eine Institution besonders mit Endzeitszenarien aus. Sie bietet das volle Programm mit sieben Plagen, Weltuntergang und darüberhinaus ewiger Verdammnis in überhitztem Klima. Die CO²-Bilanz möchte ich nicht sehen. Irgendwie verhält es sich wie mit den Kettenbriefen. Du kannst das Ganze als Unfug abtun, aber bist du dir wirklich sicher? Wer weiß, vielleicht ist doch etwas dran? Ein bisschen erstaunt war ich schon, als mich ein Kettenbrief von höchster Instanz erreichte. Er verspricht Glück für sich und die ganze Familie. Wenn... Ja, jetzt kommt's, oder? Wehe, du wagst es, dich nicht an die Anleitung zu halten, was...