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Wir müssen reden: Elterntaxi

Wir müssen über ein wichtiges Thema reden. Nämlich über das Elterntaxi. Bei diesen Spritpreisen und mit der Klimakatastrophe im Nacken kann es nicht angehen, dass täglich Millionen von Eltern ihre Kinder bis ins Klassenzimmer fahren und dort wieder abholen. Ich finde, das muss doch nicht sein. Im Gegensatz zu früheren Generationen werden für die Kinder von heute extra Busse eingesetzt. Früher soll das ja anders gewesen sein, wie man munkelt. Die Kinder reisen also bequem und lernen auch noch ihre Heimat kennen. Da kann man doch nicht fragen: Muss das denn sein? Wir sprechen dabei von einem biblischen Ausmaß. Denn die Ersten am Morgen werden die Letzten am Mittag sein. Oder so ähnlich war das doch. Auf alle Fälle können die Buskinder mittags bei einer Bayerwald-Rundfahrt so richtig abschalten. An der letzten Haltestelle kommt das Grundschulkind fast eine Stunde nach Schulschluss an. Das arme Elterntaxi-Kind hat hingegen in dieser Zeit schon essen müssen und die Hausaufgaben gemacht. Um ...
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Vom Leoparden überfahren

Jüngst wurde in Bolivien eine neue Katzenart entdeckt und mit dem schönen Namen Leopardus tilcayo belegt. Damit liegt die Katze nicht nur mit ihrem Namen, sondern auch mit ihrem einschlägig gescheckten Fell voll im Trend. Der Leo-Look kennt im Moment keine Grenzen. Nicht nur Leggings und Hosen zeigen ihren animalisch starken Anteil an Elasthan, wo der Leo schon mal zum Zebra wird, sondern auch Brillen, Gürtel und Schmuck lachen sich im Moment scheckig. Dabei wird frau sich ja wohl kaum mit dem Muster tarnen wollen. Das Leomuster ist schließlich so unauffällig wie ein Exhibitionist am Marienplatz. Freilich, welche Frau sieht sich nicht gerne als geschmeidige und elegante Wildkatze? Stark. Unabhängig und nicht leicht zu finden? Eine Katze hat bekanntermaßen ihren eigenen Kopf. Allerdings muss man einwenden, dass sich die Leopardin im Moment eher zum unauffälligen Herdentier entwickelt, das die Weiten des Großstadtdschungels durchstreift. So stehe ich im Schuhgeschäft mit gefleckten Schla...

Eine heiß begehrte Trophäe

 Letztens habe ich mich mit einer Freundin getroffen. Wir umarmten uns zur Begrüßung und noch bevor wir einander wieder losgelassen hatten, platzte es aus ihr heraus: "Mein Stanley Cup ist endlich da!" "Wohoo!" Ich hüpfte mit ihr auf und ab. "Ich wusste gar nicht, dass du in den USA Eishockey spielst. Bekommt da jeder im Team einen?" Vom Waschen der Fußball-Trikots der D-Jugend zum Stanley-Cup-Gewinner in der NHL, das musste man erst einmal schaffen. Respekt! Verwirrt ließ sie mich los. "Waaas? Nein!" Sie wedelte mit einem Fass vor meiner Nase herum. "Den Staaaanleeeey Cup!" Ach, einen Cup. Also... quasi... naja... ein Becher halt. Okay, ein großer Becher. Toll. "Ach so! Sehr schick". Ich nickte bekräftigend. Hoffentlich bemerkte sie nicht, dass ich völlig ahnungslos war. Sie presste sich den Becher verliebt an sich. "Er ist sooo toll. Wirklich." Sie klappte einen Strohhalm auf und schlürfte. "Man trinkt viel me...

Parla Italiano?

Italien. Sommer, Sonne, Strand und Spritz, garniert mit Meersalz und Tiramisu. Wer sieht sich da nicht in einem schnuckligen Ristorante mit einem rassigen Kellner die Tageskarte diskutieren? Auf Italienisch, versteht sich. Man will ja Land und Leute kennenlernen.  Also buchen wir eine Woche Bibione. Generationen von deutschen Urlaubern können schließlich nicht irren. Eine Sprachen-Lern-App ist schnell auf’s Smartphone geladen. Mit nur wenigen Minuten pro Tag fließend Italienisch lernen! Perfekt! Oder: Perfetto!, wie der Landsmann sagen würde. Ich lege einen Account an, klicke mich ein wenig durch das Menü, dann ist die Zeit auch schon wieder rum. Das war ja einfach. Kurz vor unserem Urlaub verstehe ich dann Fragen wie “Wie lange bleiben Sie im Land?", die bei den Grenzkontrollen innerhalb des Schengenraums der EU wirklich äußerst wertvoll sind. Außerdem kann ich nach einer zusätzlichen Decke fragen. Als wir in Bibione aus dem Auto steigen, saugen wir den salzig-fischigen Duft der ...

Auswilderungsversuch

Urlaub ist ein Risiko. Die zuhause eingeübten Routinen werden auf die freie Wildbahn losgelassen. Meine persönliche Belastungsprobe ist das Hotelrestaurant. Wird die Auswilderung der Kinder gelingen? Wie ein Schatten verfolge ich die Kinder am Buffet. Sicher ist sicher. Kurz halte ich die Luft an, als Goldlöckchen nach den Pancakes greift. Mit der Zange. Sie nimmt sich zwei kleine Pfannkuchen und erklärt: “Ich kann mir ja später noch welche holen." Ich atme erleichtert aus. Andächtig schmiert sich Goldlöckchen Nutella auf die Pfannkuchen und beginnt zu essen. Der Göttergatte schenkt ihr ein Glas Saft ein, damit sie bei der Hitze auch genügend trinkt. Als er das Glas vor ihr abstellt, hält sie plötzlich inne und starrt es an wie die Schlange die Maus. Goldlöckchen wirkt gequält. “Ist alles in Ordnung?" Ich lege mein Besteck ab und beäuge meine Tochter kritisch. Mir wird ganz flau, als Goldlöckchen die Backen aufplustert. Der Göttergatte sucht meinen Blick, er runzelt die Stirn...

Do host Apps

Ich starre auf den Aufsteller am Eingang. Zukünftig gibt es Angebote, Aktionen und Rabatte nur noch in und mit der App. Der Prospekt aus Papier ist Geschichte. Endlich sind die Zeiten vorbei, in denen man sich sonntags am Küchentisch darum prügeln musste. Stattdessen lässt sich jeder einzeln von seinem Display erschlagen. Der Discounter digitalisiert Deutschland. Natürlich habe ich die App sofort installiert und sogar die Bezahlfunktion eingerichtet. Wirklich keiner will hinter mir und meinem Rieseneinkauf stehen und darauf warten, dass ich wie eine Oma mein Kleingeld zusammenkratze.  Mit dem Smartphone im Anschlag schleiche ich durch die Regale und suche nach dem Milchshake, den ich dank App geschenkt bekomme. Ich trinke zwar keinen Milchshake, aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Schnell werfe ich noch den teuren Schafskäse in den Einkaufswagen. Mit der App bekomme ich unbeschreibliche und nicht weniger als satte 10 Cent Rabatt. Ohne App bist einfach ein Depp! V...

Wie man die innere Uhr richtig einstellt

Der Himmel färbt sich bereits rosa. Mit aufgerissenen Augen liege ich im Bett und starre an die Decke. Ich bin so wach, dass ich die Spinnweben erahnen kann, die sich sanft im Luftzug wiegen. Sogar in den Momenten, die nur mir gehören, denke ich daran, was noch zu erledigen ist. Ein aufregender Tag voller Verpflichtungen liegt vor mir. Wie schön. Ich wälze mich zur Seite, mein Blick fällt auf den Wecker. Noch 30 Minuten. Ich lasse mich zurück in mein Kissen sinken. Mit einem Lächeln auf den Lippen schließe ich die Augen und reise noch einmal ins Land der Träume. Das wird die beste halbe Stunde meines Tages sein. Von wegen! Mein Herz pocht in meiner Brust. Ich weiß nicht mehr, ob ich Männlein, Weiblein oder ein Waschbär bin. Ich schrecke benommen hoch. Wer und was schreit denn hier so? Hilfe! Polizei! Mord und Totschlag! Der Handywecker spielt langsam anschwellendes Vogelgezwitscher ab und meint wohl, was das für ein sanfter Weckruf sei! Der spinnt doch. Ich stelle das Gezeter mit zittr...