Italien. Sommer, Sonne, Strand und Spritz, garniert mit Meersalz und Tiramisu. Wer sieht sich da nicht in einem schnuckligen Ristorante mit einem rassigen Kellner die Tageskarte diskutieren? Auf Italienisch, versteht sich. Man will ja Land und Leute kennenlernen. Also buchen wir eine Woche Bibione. Generationen von deutschen Urlaubern können schließlich nicht irren. Eine Sprachen-Lern-App ist schnell auf’s Smartphone geladen. Mit nur wenigen Minuten pro Tag fließend Italienisch lernen! Perfekt! Oder: Perfetto!, wie der Landsmann sagen würde. Ich lege einen Account an, klicke mich ein wenig durch das Menü, dann ist die Zeit auch schon wieder rum. Das war ja einfach. Kurz vor unserem Urlaub verstehe ich dann Fragen wie “Wie lange bleiben Sie im Land?", die bei den Grenzkontrollen innerhalb des Schengenraums der EU wirklich äußerst wertvoll sind. Außerdem kann ich nach einer zusätzlichen Decke fragen. Als wir in Bibione aus dem Auto steigen, saugen wir den salzig-fischigen Duft der ...
Urlaub ist ein Risiko. Die zuhause eingeübten Routinen werden auf die freie Wildbahn losgelassen. Meine persönliche Belastungsprobe ist das Hotelrestaurant. Wird die Auswilderung der Kinder gelingen? Wie ein Schatten verfolge ich die Kinder am Buffet. Sicher ist sicher. Kurz halte ich die Luft an, als Goldlöckchen nach den Pancakes greift. Mit der Zange. Sie nimmt sich zwei kleine Pfannkuchen und erklärt: “Ich kann mir ja später noch welche holen." Ich atme erleichtert aus. Andächtig schmiert sich Goldlöckchen Nutella auf die Pfannkuchen und beginnt zu essen. Der Göttergatte schenkt ihr ein Glas Saft ein, damit sie bei der Hitze auch genügend trinkt. Als er das Glas vor ihr abstellt, hält sie plötzlich inne und starrt es an wie die Schlange die Maus. Goldlöckchen wirkt gequält. “Ist alles in Ordnung?" Ich lege mein Besteck ab und beäuge meine Tochter kritisch. Mir wird ganz flau, als Goldlöckchen die Backen aufplustert. Der Göttergatte sucht meinen Blick, er runzelt die Stirn...