Direkt zum Hauptbereich

Posts

Posts mit dem Label "Familie" werden angezeigt.

Auswilderungsversuch

Urlaub ist ein Risiko. Die zuhause eingeübten Routinen werden auf die freie Wildbahn losgelassen. Meine persönliche Belastungsprobe ist das Hotelrestaurant. Wird die Auswilderung der Kinder gelingen? Wie ein Schatten verfolge ich die Kinder am Buffet. Sicher ist sicher. Kurz halte ich die Luft an, als Goldlöckchen nach den Pancakes greift. Mit der Zange. Sie nimmt sich zwei kleine Pfannkuchen und erklärt: “Ich kann mir ja später noch welche holen." Ich atme erleichtert aus. Andächtig schmiert sich Goldlöckchen Nutella auf die Pfannkuchen und beginnt zu essen. Der Göttergatte schenkt ihr ein Glas Saft ein, damit sie bei der Hitze auch genügend trinkt. Als er das Glas vor ihr abstellt, hält sie plötzlich inne und starrt es an wie die Schlange die Maus. Goldlöckchen wirkt gequält. “Ist alles in Ordnung?" Ich lege mein Besteck ab und beäuge meine Tochter kritisch. Mir wird ganz flau, als Goldlöckchen die Backen aufplustert. Der Göttergatte sucht meinen Blick, er runzelt die Stirn...

An der Supermarktkasse

     Ein bisschen Salat und Gemüse, eine Tüte Nudeln und ein Glas Sauce. Schnell an die Kasse und bezahlen. Sozusagen ein Supermarkt-Quickie.      Wenn da nicht immer diese eine Mami vor einem an der Kasse stehen würde, unter deren Einkauf das Kassenband ächzt und stöhnt. Die Kassiererin beäugt erst den Einkauf kritisch, dann die schnell länger werdende Schlange hinter dem Großeinkauf.      Natürlich kann man nicht einmal mehr bitten, ob man vorgelassen werden könnte, weil die Kassiererin notgedrungen vorne beginnt zu kassieren, während hinten noch Lebensmittelvorräte für ein halbes Jahr auf das Band gepackt werden.      Da hilft alles Augenrollen nichts. Diese Mami, die bin ich.      "Ganz schön verfressen, die Familie." "Wie bitte?" Ich höre wohl nicht recht.      "Kann man seine Einkäufe nicht wie normale Menschen erledigen? Spätestens seit Corona sind Hamsterverkäufe verpöhnt!"     ...

Durchsuchungsbeschluss

Es ist unerhört! Ich dachte eigentlich, in einem Rechtsstaat zu leben. Ich habe mich auf das Grundgesetz verlassen. Artikel 13 garantiert die Unverletzlichkeit der Wohnung. Das bedeutet, dass meine vier Wände nur mit richterlichem Beschluss durchsucht werden dürfen. Was ist dieses Recht wert? Wie ich erfahren musste, nicht das Papier, auf dem es gedruckt wurde. Es ist Sonntagmorgen. Ich liege noch im Bett, lausche dem lustigen Zwitschern der Vögel und drehe mich wohlig seufzend noch einmal um. Ausschlafen - unbezahlbar! Von wegen! Da rumpelt doch was! Es muss der Wäschekorb sein, der gegen die Badewanne schlägt. Ich setze mich auf und höre Stimmen aufgeregt miteinander flüstern. Füße trampeln in den nächsten Raum. Schubladen werden aufgezogen, Bücher fliegen aus den Regalen. Ich rüttle den Göttergatten wach. "Einbrecher! Das müssen Einbrecher sein! Sieh sofort nach!" Der Göttergatte blinzelt nur und dreht sich zur Seite. Entschlossen schlage ich die Bettdecke zurück und spri...

Ode an den Frühling

Wenn morgens früh der Wecker ringt, der dich um eine Stund' des Schlafes bringt, wenn die Knospen sprießen und Heuschnupfen-Nasen kräftig fließen, der Blütenstaub die Rattanmöbel gelblich färbt, nach dem Gewitter deine Fensterscheiben ziert, dann verfluchst du jedes Frühlingsgedicht, das du jemals in der Schule auswendig lernen musstest. Freilich, hat der Frühling auch seine Vorzüge, raus auf den Balkon und ab in den Garten, die Sonne genießen und sich den ersten Sonnenbrand des Jahres einfangen. Das Beste sind außerdem die Temperaturunterschiede bis zu 25°C, die mir buchstäblich von hinten durch die Brust ins Auge stechen und die Umsätze der Pharmaindustrie für Kopfschmerztabletten in die Höhe treiben. Ja, der Frühling rührt mich zu Tränen, was auch am Zwiebellook liegen könnte. Einmal um die Welt in nur acht Stunden. Starte mit von Eisbären zertifizierten Pullover, mittags feiern wir Karneval in Rio mit Pailletten-Top und Hotpants und sobald sich eine Wolke vor die Sonne schiebt,...

Mensch, ärgere dich nicht!

Goldlöckchen lässt die Augenbrauen hüpfen und zieht ein Brettspiel aus dem Schrank. „Bereit für eine Partie Mensch, ärgere dich nicht?“ Mein Kopfkino zeigt einen Katastrophenfilm. Ein Tornado fegt über das Brett, Menschen fliegen durch die Luft und am Ende erledigt ein Tsunami aus Tränen den Rest. Ich schlucke. „Super Idee!“ Während die Kinder sich um die Farben prügeln, bereite ich ihre Niederlage vor: „Denkt daran, der Würfel entscheidet nicht über euer Schicksal, ihr seid schließlich nicht Julius Cäsar. Wenn ihr von hinten erdolcht werdet, macht das nichts. Ihr startet einfach neu.“ „Spawnen. Mama, wir spawnen. Wie in Minecraft!“ Äh, ja genau. Lasst die Spiele beginnen. Zwergnase setzt ein und zieht voran, Goldlöckchen hat beim zweiten Wurf direkt eine Sechs, nochmal eine und aller guten Dinge sind drei. „Achtung, jetzt komme ich!“ Ich würfele. Eine Drei. Ok. Eine Eins. Ganz knapp daneben. Aber der dritte Wurf... ist eine Fünf. Goldlöckchen greift nach dem Würfel und dreht ihn. „Als...

Licht aus, Sonnenbrille auf

Mit Daumen und Mittelfinger fahre ich mir über die geschlossenen Lider. Vielleicht sehe ich nicht richtig? Doch. Da steht das Einmachglas. Hoch und schmal, mit grünem Schraubdeckel und grünem Etikett. Ich nehme es aus dem Regal, wiege es in der Hand. Wenn ich das Glas jetzt einfach fallen ließe? Nein.  Das geht doch nicht. Das macht man nicht.  Ich stelle das Glas zurück und starre es an. Wer kennt es nicht? Das Gelüst auf Geschmack und Konsistenz von Pappstrohhalmen nach sechs Stunden Kindergeburtstag? Wenn ich sowas nach Hause schleppe, kann ich auch im Tunnel Sonnenbrille tragen und mich beschweren, dass es so finster ist. Zappenduster ist es da! Wie kann man nur Spargel im Glas kaufen? Welchem Gericht verleiht ausgerechnet Spargel im Glas die fehlende Finesse? Kann mir das bitte jemand sagen? Wäre auch ein bisschen dringend, weil das Spargelglas in meinem Vorratsregal schon 2023 abgelaufen ist.

Die Küchenschlacht

Teller, Tassen, Schüsseln, Gewürze und Töpfe stapeln sich auf der Arbeitsfläche und dem Küchentisch. Goldlöckchen linst zur Tür herein, macht auf der Stelle kehrt und erstattet dem Rest der Mannschaft Bericht. Alarmstufe rot! Die Küche ist Sperrgebiet! Kontaktaufnahme mit Mama nicht möglich! Der Göttergatte packt die Kinder ein und evakuiert zur Schwiegermutter. Als die Familie zurückkehrt, scheint alles ruhig. Ich liege mit hoch gelegten Füßen auf der Couch. Der Göttergatte traut dem Frieden nicht. Schon auf der Arbeitsfläche sind Veränderungen zu erkennen. Die Kaffeemaschine hat die Seite gewechselt. "Kinder, helft den Tisch für die Brotzeit decken!" Er öffnet den ersten Schrank und macht ihn wieder zu. Die Teller werden vermisst. Goldlöckchen zieht die Besteckschublade auf. "Hä? Wo sind die Messer?" Ich verdrehe die Augen, versammle die Mannschaft und gebe eine Einweisung. Die Tassen und Teller orientieren sich an der Kaffeemaschine, das Besteck musste sich aufte...

Die faule Sau

 Als sich unsere Liaison anbahnte, hatte ich mir eine moderne Beziehung vorgestellt. Wenn ich nach Hause komme, erwarten mich saubere Flure und Zimmer - der Traum der Frau im besten Alter. Leider nimmt ER die Arbeitsteilung mehr als genau. Ich muss das Spielzeug der Kinder wegräumen, damit er ohne Unterbrechung arbeiten kann. Selbstverständlich schiebe ich Stühle zur Seite, spreize Türen ein und räume auch sonst alle möglichen Hindernisse aus dem Weg, damit der Herr in Ruhe staubsaugen kann. Zum Beginn einer Beziehung fällt es bedeutend leichter, solche Kompromisse einzugehen. Doch nach einer bestimmten Zeit häufen sich die Ausreden. Ich hätte ja nicht ausdrücklich den Auftrag erteilt, heißt es das eine Mal, das andere Mal hätte er es wirklich versucht, doch er habe einfach nicht genügend Energie gehabt. Neuerdings verhöhnt er mich auch noch per Nachricht aufs Handy. Er habe seine Aufgabe pflichtbewusst erfüllt, doch dann steckte er fest! Als ich nach Hause komme, finde ich ihn all...

Die Legende von St. Martin

Vergangenen Montag fand der St.-Martins-Zug unseres Kindergartens statt. Ein Meilenstein, nicht nur, weil Goldlöckchen sich an dem Vorspiel zur Geschichte des Hl. Martin beteiligen durfte, sondern weil es auch der letzte Martinszug mit einem Kindergartenkind war. Wer kennt sie nicht, die Legende von St. Martin? Damals, vor 30 Jahren, als Erzieherinnen, Kinder und Eltern allen Widrigkeiten trotzten. In Reih und Glied wurden die Kinder aufgestellt und wagten es nicht, aus der Reihe zu tanzen. Statt harmloser LED-Teelichter wurden damals noch ganze Lagerfeuer in die Laternen gepackt, um Wölfe und Bären fernzuhalten. Nur durch Gottes Gnade seien weder Kinder noch Laternen in Flammen aufgegangen. Es baumelten die Laternen noch an Holzstäben mit Splittern so groß wie Zahnstocher. Da hatte man noch etwas in der Hand! So zogen sie aus, um die Kunde des Heiligen Martins bergauf und gegen den Wind in die Welt hinauszusingen. Sie stemmten sich tapfer gegen die nasskalte Wand aus Nebel, während di...

Das Gruselkabinett

Halloween - da scheiden sich die Geister. Die einen gehen links, die anderen rechts. Immer dieses neumoderne Zeug aus Amerika. Bei Nacht und Nebel durch die Straßen zu ziehen und lautstark auf sich aufmerksam zu machen, entspricht doch gar nicht unseren Bräuchen! Ende Oktober! Nein, nein, das geht in Bayern frühestens zum 10. November mit Laternen und schiefem Gesang, oder, wer es etwas rauer mag, mit Kuhglocken, Goaßeln und Masken, bei denen dem Vampir vor Schreck die Zähne aus dem Mund fallen. "Ich werde sicher nicht erlauben, dass meine Kinder verkleidet an jeder Tür nach Süßigkeiten betteln werden. Das ist eine von Zahnärzten angelegte Weltverschwörung zur langfristigen Kundenbindung. Das fördert nur ungesundes Essverhalten. Kommerz, wohin man schaut! Meine Kinder werden sich daran auf keinen Fall mal beteiligen!", hält mein 20-jähriges Ich bei Tequila-Shots auf einer Halloween-Party fest. "Willst du dieses Jahr als Vampir oder Hexe gehen?" Ich suche nebenbei na...

Das erotische Dinner

Social Distancing belastet mich überhaupt nicht. Ich liebe es, Selbstgespräche zu führen. Da habe ich immer recht. Ich verbringe sehr viel Zeit mit mir selbst. Klar, manchmal bin ich etwas anstrengend. Da frage ich mich schon, wie ich mich den ganzen Tag aushalten soll. Zum Glück hat sich der Göttergatte dazu verpflichtet, bis dass der Tod uns scheidet. Der geht vor allem im Moment sehr gerne in die Arbeit … im Einzelhandel … mit uneinsichtigen Kunden. Ach… Die Zeit zuhause will ich nutzen. Endlich das tun, was man bisher immer aufgeschoben hat. Ein Paarabend muss her. Ich verspreche ihm ein erotisches Dinner mit allen Schikanen. Beim Überfliegen äußerst aussgekräftiger Artikel im Netz wird schnell klar: Alles gar kein Problem. Champagner, Austern und Trüffel hat die gute Ehefrau selbstverständlich gehamstert. Mit wenigen Griffen schleppe ich die systemrelevanten Zutaten für das erotischste Dinner aller Zeiten in die Küche. Die Vorfreude hat so schön geprickelt in mein Bauch, dass es e...

Pool Runnings

Einen Pool möchte ich nicht geschenkt haben. So ein Tümpel braucht mehr Pflege als ein ganzes Freibad, für die ganzen Nachbarn braucht man einen Ticketautomaten und Pommes und Eis bringt auch keiner mit. Nein, einen Pool möchte ich nicht geschenkt bekommen! Auf unserer Terrasse steht jetzt ein Pool. Der Tümpel misst etwa 3 Meter im Durchmesser und ist nicht ganz 80cm tief. Geschenkt hat ihn uns keiner, die Suppe haben wir uns schon selbst eingebrockt. Ganz raffiniert haben wir während einer Schlecht-Wetter-Phase zugeschlagen, wo noch keiner an Pools dachte. Das Klopapier war uns eine Lehre. So eine Scheiße! Sommer ist, was in deinem Kopf passiert? Ich stehe im schwarz gepunkteten Regencape und mit Schirm in der Hand am so genannten Pool und löffel die Suppe mit einem feinen Reinigungssieb aus. Das Reinigungszubehör kostet mehr als der abgesagte Sommerurlaub und es ist ganz einfach eine Lüge, dass Chlor nur stinkt, wenn jemand reinbieselt. Wobei man schon glauben möchte, dass uns der li...

Der Tag des toten Krokodils - Oder: Physikversuch im Homeschooling

Die beste Schule ist die Schule des Lebens. Da wird das Kuchenbacken zum Physikunterricht. Warum wird die Sahne steif? Wie schlägt der Mixer die Luft in die Flüssigkeit? Gelatine-Blättchen sind erst hart, dann matschig und Hitze löst sie auf. Hitze ist überhaupt das Phänomen überhaupt! Sie verwandelt Wasser in Dampf, lässt Eier hart werden, verfärbt das Spielzeugauto mit Farbwechsel. Hitze kann also den Zustand von irgendwas verändern und zwar immer anders! Manches wird flüssig, anderes hart und das nächste wird Dampf! Hitze ist quasi ein physikalischer Allrounder. Das findet der Sonnenschein “voll krass, ey!” Noch krasser wird es, als er aus der Tiersendung erfährt, dass die Temperatur des Geleges bei Krokodilen und Alligatoren bestimmt, ob Männchen oder Weibchen schlüpfen. Da werden die Spielzeugkrokos aus der Kiste gekramt, um den Teich drapiert. Sie dürfen Zebras und Büffel jagen und Eier legen. Wie gut, dass Mamas Heizkissen für den Rücken noch auf der Couch liegt. Das ist das...

Des moch i no schnell

Wenn dir einfällt, dass du noch schnell etwas erledigen könntest, dann ist es Gesetz, dass es in die Hose geht. Dumm halt, wenn es um den Geburtstagskuchen für den 6-Jährigen geht. Dabei hatte ich alles so gut geplant! Ja! Den Kindergeburtstag habe ich dieses Jahr nämlich ausgesourct. Statt Chaos zuhause gab es eine Dschungelparty beim gelben M. 2 Stunden Rundumbetreuung mit Deko, Spielen, Küchenbesichtigung, Burger bauen, Eis zapfen und eben einem Geburtstagskuchen, während die Mamas einen kostenlosen Kaffee trinken können. Da willst du direkt deinen eigenen Geburtstag dort feiern! So konnte ich auch entspannt die Informationsveranstaltung zum Schulanfang besuchen, ohne mich zuhause noch mit Vorbereitungen stressen zu müssen. Nur noch Geschenke drapieren, 6 Luftballons aufblasen und den Geburtstagskuchen bereit stellen. Fertig. Oh. Der Kuchen. Ja, den gibt's ja erst nachmittags. Nein. Das geht nicht. Gleich morgens müssen doch Kerzen ausgepustet werden! Was wäre ein Geburtst...

Sport schadet der Ehe

"Wennst iatz net gehst, gehst heid nimma!", sagt der Göttergatte. Er schickt mich ins Fitnessstudio. Dort soll ich Gewichte stemmen und auf dem Laufband schwitzen. Meine Muskeln kräftig und geschmeidig halten. Weil mir das gut tut. Das sagt nicht er, sondern ich. Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht. Ich habe Rücken, wie es so schön hei´ßt. Für den ist das Liegen auf der Couch Gift. Schade, denn das könnte ich so gut. Nicht, dass mich die Kinder ließen... Also gehe ich zweimal die Woche ins Training. Doch genau dieses stiehlt uns unsere Zeit zu zweit, ohne Kinder, die sich zwischen uns drängen. Dessen muss man sich bewusst sein. Sport schadet eindeutig der Ehe. Nicht etwa, weil ich Zeit für's Training aufwende. Das wäre bei meinem Trainingspensum lächerlich. Doch lest selbst. Nein, ich rede vom Bett. Denn da geht gar nichts mehr. Wir bemühen uns sehr, aber es ist zwecklos. Nicht, was du denkst, du Ferkel. Ich rede vom jugendfreien Inhalt. Was wäre es schön...

Der mörderische Gärtner

Wer ist der Mörder? Im Krimi kommt der Gärtner auf jeden Fall in die engere Auswahl. Ich nehme mich selbst nicht aus. Nur dass bei mir die Blumen und Gemüsepflanzen die Opfer sind, wie ich hier schon ausgiebig erzählt habe. Doch dieses Jahr im Frühjahr hat es mich angepackt und ich startete die Aktion "Unser Balkon muss schöner werden". Blumenkästen, Blumenerde und natürlich Pflanzen schleppte ich heim. Ich schaffte uns eine kleine grüne Oase. War es fahrlässige Tötung oder Mord? Ich bin mir da nicht ganz sicher. Anstatt die Pflanzen verdursten zu lassen, ertränkte ich sie dieses Mal. Goldlöckchen unterstützte mich tatkräftig. Denn wenn Mama gießt, muss sie natürlich auch gießen - nur bekam ich davon nichts mit. Die Opfer wurden stillschweigend ausgetauscht. Ich konnte gar nicht genug Grün um mich haben und ging bei Freunden und Bekannten um Ableger betteln. Hier eine Aloe, da einen Hauswurz, der Zimmerhanf ist auch nicht auszurotten und Ableger einer Grünlilie habe ich ...

Das Hausschwein

Jedes Mal, wenn ich nach dem Mittagessen unter den Tisch schaue, erscheint mir ein Haustier erstrebenswert. Der Küchenboden wäre jederzeit krümelfrei, geradezu wie geschleckt. Freilich müsste man darauf achten, dass das Tierchen alles verträgt und Übergewicht soll es von den Portionen unter dem Tisch ja auch nicht bekommen. Mit so einem Tier übernimmt man schließlich Verantwortung. Warum eigentlich nicht? Nach kurzen Recherchen bin ich los und komme mit Pumba wieder heim, unserem neuen Hausschwein, ein kleines Allesfresserchen. Zunächst sitzt Pumba nur in der Ecke. Soll er sich nur eingewöhnen. Ich sichere derweil die Wohnung. Nicht, dass Pumba versehentlich irgendwelches kleinteiliges Spielzeug erwischt oder sich an herunterhängenden Kabeln zu schaffen macht. Da muss man schon vorsorgen. Man kann sich kein Haustier anschaffen und glauben, dass alles so weiterläuft wie bisher! Schließlich ermuntere ich Pumba zu einer Erkundungstour. Seine Neugier ist geweckt. Zielstrebig läuft er...

Die Kunst der Diplomatie

Mein größter Kritiker ist mein Sohn. Als echter Niederbayer ist er sparsam mit Lob, dafür deutlich in der Kritik. Ich bin ehrgeizig. Nachdem die grünen Muffins eindeutig durchgefallen waren, heute ein neuer Versuch. Eine kurzzeitige geistige Umnachtung ließ mich glauben machen, dass Pizzaschnecken doch eine lustige Idee seien. Schon im Hausgang schnüffelt er misstrauisch. "Was stinkt hier denn so schrecklich? Mama! Was hast du da gekocht?!" Beim Blick auf den Teller wandert eine Augenbraue nach oben. "Ich hab dir nie gesagt, dass ich das essen mag!", wirft er vorwurfsvoll in den Raum. "Jetzt probier doch erst einmal!" Aufmunternd schiebe ich ihm seinen Teller zurecht. Ein tiefer Schnauferer, widerwillig beißt er ab, kaut sehr ausgiebig und schluckt den Bissen angestrengt hinunter. Ich traue mich kaum nachzufragen, scheine jedoch einen sehr erwartungsvollen Blick aufgesetzt zu haben, den mein Sohn nicht enttäuschen will. Er tätschelt mir den Arm trö...

S'Gscheidhaferl

Das Ziel der Kindererziehung besteht darin, den Sprössling so fit für die Welt zu machen, dass er ohne Mami und Papi überleben kann. Goldlöckchen wird demnächst ausziehen. Nach nur guten eineinhalb Jahren haben wir das Ziel erreicht. Sie kann den Haushalt führen und sich selbst versorgen. Sie verfügt über eine ausgesprochen gute Problemlösungskompetenz, die an Einfachheit und Effizienz nicht zu übertreffen ist.  Schon morgens sucht sie sich fachmännisch die Kleidung für den Tag aus, dabei kennt Goldlöckchen keine Kompromisse. Danach kümmert sie sich um ihre alten und gebrechlichen Eltern, denen sie die Socken nachträgt, bis Mama und Papa ordnungsgemäß gekleidet sind. Als dann stellt sie die Hocker für sich und den Bruder ans Waschbecken und schiebt eben diesen ins Bad zum Zähneputzen. Wahlweise zieht sie ihn auch an der Hand. Sie legt ihren Schnuller ab und schiebt sich die Ärmel zurück. Sie weiß, wie der Hase läuft und quietscht energisch, wenn man sich ihr in den Weg stellt. ...

Die Fahrradtour

Ich weiß ja nicht, wie andere das machen, aber mehr Bewegung habe ich mit meinen Kindern nicht. Statt selbst aktiv zu werden, stehe ich die meiste Zeit recht reglos neben den spielenden Kindern. Doch endlich ist es soweit! Zwergnase kann so gut Rad fahren, dass wir einen Ausflug machen können. Der Göttergatte erhält Anweisung, meinen Drahtesel auf Vordermann zu bringen und einen Fahrradsitz für Goldlöckchen zu montieren. Das wird toll! Ich stecke Zwergnase mit meiner Vorfreude an. Der Aufbruch erfordert Planung. Nicht nur der Proviant für eine Woche, sondern der Helm in Griffweite und Zwergnase abfahrbereit. Denn mein alter Drahtesel muss sich schon stützen, wenn er nur den Sitz trägt. Mit Goldlöckchen drin würde er einfach umfallen. Das Fahrrad und ich verschmelzen zu einer Einheit. Auf dem Fahrradweg stelle ich schnell fest: Zwergnase ist ein Sonntagsfahrer. Er schaut links, er schaut rechts, fährt natürlich auch in die Richtung, in die er schaut, reißt im letzten Moment den Lenker h...