Mittwoch, 14. Mai 2014

Babymassage - Der Tragödie erster Teil

Ich habe mich auf eine Warteliste zur Babymassage setzen lassen. Nachdem ich schon keinen Geburtsvorbereitungskurs besuchen konnte, auch ein Schwangerenfrühstück im Landratsamt keine Kontakte ergeben hatte, dachte ich mir: "Vielleicht doch dort!" In meinem Umfeld war ich alleine schwanger, sodass sich bis auf eine sehr liebe Internetbekanntschaft mit leider mehreren Hundert Kilometern Distanz nichts ergeben hatte. Wageln zu zweit mit Babytalk wäre ja doch lustiger.

Das Problem an der Sache ist, dass ich andere Mamis nur bedingt leiden kann. Ich konnte auch andere Schwangere nur zum Teil ertragen. Nicht, dass ich kein Menschenfreund wäre, nein, ich mache nur nicht mit bei dem "Ereignis" Schwangerschaft und erstes Kind. Ich habe keinen Angelsound zum Aufspüren der Herztöne gekauft, ich habe kein extra Babyzimmer gekauft und eingerichtet, ich habe mir meine Strähnen machen lassen usw. Die obersten Maxime, an die ich mich in der Schwangerschaft gehalten habe, waren kein Alkohol und kein Nikotin. Meine Salami schmeckte mir vorzüglich (gut, ich bin auch Toxoplasmose positiv...).

Nach der Schwangerschaft nimmt die Spinnerei leider kein Ende. Irgendwo sitzen wohl Marketingexperten, die sich bei jeder panischen Erstmutter genüsslich die Hände reiben. Und auch hier mache ich nicht mit, da die "Trends" in der Babypflege sowieso immer wieder wechseln. Kaum zu glauben, dass wir selbst groß geworden sind, was unsere Mütter alles so "falsch" gemacht haben... Erste Ansprechpartnerin ist und bleibt meine Mama und dann folgt der Austausch mit der Internetbekanntschaft, die - Gott sei Dank - ähnlich eingestellt ist.

Also, zumindest mal raus kommen und zur Babymassage. Schon eine Woche vorher habe ich mich gefragt, warum ich mir das angetan habe. Zuhause wäre es doch auch schön! Unsere Vormittage sind schon so schön eingespielt und irgendwie massiere ich ja meine Zwergnase sowieso, wenn er auf dem Wickeltisch liegt. An Körperkontakt mangelt es uns ja nicht und ich nehme mir auch Zeit für mein Kind, wenn es wach ist.

Tasche packen. Kind einpacken. Ersteres ist das einfachere, da zweiteres momentan nicht gern über sich ergangen lassen wird. Prompt komme ich mit der Mütze an, wandert ein flehender Blick zum Papa: "Darf die das? Warum machst du nichts?" Kind also im Maxi Cosi, Maxi Cosi im Auto, Korb mit allerhand Zubehör im Auto. Pflegeöl von Babylove hatte ich extra besorgt, weil das bei Stiftung Warentest ganz vorne dabei ist, während das von Bübchen, von dem ich mehrere Gratis-Probepacks habe, auf den letzten Plätzen rangiert. Nicht, dass ich mich selbst erkundigt hätte. Nein, man bekam da eine Kopie ausgehändigt, was man besorgen soll. Ganz oben standen Pflegeöle, die man wohl nur in der Apotheke bekommt und demnach auch entsprechend kosten werden. (Nein, ich gebe nicht unbegrenzt Geld für meinen Sprössling aus.) Was brauchte ich noch? Ach ja, Decke, Einmalwickelunterlage, Handtuch, Pflegetücher, Windeln, Flasche, heißes Wasser, Pulver, Spuckwindel, Spielzeug, Ersatzkleidung, Schnellhefter für die Massagekopien usw. Ich habe alles in einen Korb statt in die Wickeltasche gepackt, damit alles schnell griffbereit ist.

Dann: "entspanntes Ankommen" zwischen 9.15 und 9.45 Uhr. Ich war alles andere, aber sicher nicht entspannt. Decke und Sitzkissen krallen, auslegen, Einmalunterlage drauf, Kind drauf, Kind ausziehen. Puh. Das Kind ist fit. Prima. Zwergnase mustert interessiert die anderen Babys, schaut sich den Raum genau an, lauscht den Mamis, die sich unterhalten. Wahrscheinlich hat er mehr verstanden als ich, denn drei von den sechs Teilnehmerinnen redeten ausschließlich in einer slawischen Sprache miteinander. Teilnehmerin 4 und 5 kennen sich ebenfalls bereits, weil sie miteinander im Vorbereitungskurs waren oder miteinander entbunden haben oder schlagmichtot. Nix mit ratschen. Dafür das brave Kind anhimmeln. Ist sowieso schöner.

Kursbeginn. Erst einmal Entspannungsübungen für die Mamis. Finde ich ja ganz klasse (Vorsicht: Ironie), weil ich immer sehr gerne vor Wildfremden blöd herumhampele. Zwergnase gibt beunruhigende Laute von sich. Die Mundwinkel gehen nach unten. Mami soll die Augen schließen und sich auf die Liebe zu ihrem Kind besinnen. Mami linst aus einem Auge auf ihr Kind. Sicherheitshalber. Zwergnases Lippen zittern. Lieber doch noch mit dem zweiten Auge drauf schauen. Oh oh. Zwergnase atmet ungewöhnlich tief ein. Die anderen Mamis besinnen sich immer noch auf die Liebe zu ihrem Kind, als Zwergnase mitteilt, dass er da ist und Hunger hat. Mami besinnt sich also nicht mehr auf irgendwelche Sentimentalitäten, sondern wird pragmatisch. Vor der Flasche wird die Windel gewechselt, also Windel auf. Findet Zwergnase toll, man muss schließlich dafür sorgen, dass die Einmalunterlage auch nur einmal benutzt wird (ein Baby-Marketingexperte fällt irgendwo lachend vom Stuhl). Zwergnase lacht über seinen Coup. Dann fällt ihm der Hunger wieder ein und brüllt. Mami bleibt cool, die anderen Mamis besinnen sich immer noch auf die Liebe zu ihrem Kind. Mami macht das Fläschchen und erntet dafür einen missbilligenden Blick von der Kursleiterin. Nicht, weil das Kind brüllt, sondern weil Mami nicht stillt. WIE KANN ICH NUR?

Zwergnase trinkt. Für seine derzeitigen Verhältnisse sogar anständig. Nach 100ml scheint die Neugier wieder zu siegen. Kind wird mit Windel nur auf die Decke gelegt, da sich die Unterlage ja urplötzlich gelb gefärbt hat und nass ist. Beginn der Babymassage. Das Kind auf die Massage einstimmen. Dazu sanft über den Kopf streichen und Blickkontakt herstellen. Zwergnase findet seine Nachbarin aber scheinbar viel hübscher als seine Mami. Zwergnase flirtet also lieber mit Zwergnäschen. Blickkontakt? Fehlanzeige!
Überhaupt will Zwergnase lieber strampeln und Mami sieht er überhaupt sowieso den ganzen Tag. Ui! Ein Licht! Da kann man nicht zu Mami schauen. Oh. Kein anderes Baby schaut her und Zwergnäschen hat nur Augen für ihre Mami. Verräterin! Na dann, hab ich halt wieder Hunger. Allgemeine Ruhe im Raum, die anderen Babys haben anständig mit ihren Mamis Blickkontakt aufgenommen. Es wird mit der Massage begonnen. Außer bei Zwergnase, der zwischen Hungergebrüll und Müdigkeit immer wieder ein paar Züge aus der Flasche nimmt... bis er dann doch irgendwann endlich in meinen Armen einschläft. Die anderen Mamis atmen erleichtert auf, dass der Störenfried endlich Ruhe gibt und sie den Anweisungen der Kursleiterin folgen können. Ich beobachte abwechselnd mein Kind und die Runde. Super-Übermami nebenan hat das teure Apothekeröl. Lieber nicht soviel schauen, sondern dem eigenen Kind beim Schlafen zusehen. Ist besser für's Gemüt.

Endphase des Kurses. Fünf Minuten das eigene Kind anhimmeln. Hm. Ja. Hab ich ja schon die letzte Viertelstunde gemacht. Aber gut. Weiterhimmeln ist ja die leichteste Übung. Zum Abschluss ein Kinderlied. Babys mögen es, wenn Mami singt. Stimmt. Mache ich ja schließlich jeden Abend. Zwergnase mag es aber scheinbar nicht, wenn andere Mamis singen. Zwergnase öffnet erschreckt die Augen. Mami nutzt die Gunst der Stunde, packt Zwergnase vor dem nächsten Gebrüll ein und verschwindet.

Zuhause. Entspanntes Ankommen. Zwergnase ist im Auto im Maxi Cosi eingeschlafen und wird sanft und langsam wach. Papi spielt mit Zwergnase, der lacht und tirilliert. Mami kocht. Also nicht innerlich, sondern das Mittagessen. Und als das Essen fertig ist, schläft Zwergnase selig und süß im Laufgitter... ohne Kinderlied und ganz entspannt.

Bildnachweis: FreeImages.com / Tim & Annette

Freitag, 2. Mai 2014

Von hoffnungslosen Herrchen und ihren Haufen

Ich hasse Hunde.

Nun gut, das ist etwas übertrieben. In der ewigen Diskussion, ob man der Hunde- oder Katzentyp ist, bin ich wohl der Kaninchentyp. Vielmehr begegne ich Hunden eher mit Respekt und - ich gebe es zu - mit etwas Angst. Sie sabbern, ich mag ihren Geruch nicht und man weiß nie, ob er dich anspringt, wenn du einem begegnest. Aber das Übel aller Übel sind, wie könnte es anders sein, die Hundehaufen.

Dafür kann das arme Tier natürlich nichts. Irgendwo muss es ja sein großes Geschäft verrichten. Und da es ein treuer Begleiter ist, kann es das nur dort tun, wo ihn sein Herrchen hinführt. Auf Gehwegen, in Sandkästen auf Spielplätzen, in Vorgärten, Garageneinfahrten und auf Wiesen, die nach dem Glauben der Hundehalter der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Die teuer aufgestellten Hundeklotütenbehälter werden links liegen gelassen, Warn- und Verbotsschilder ignoriert, für den besten Freund des Menschen kann es doch keine Verbote geben.

Ich könnte ja sagen, dass die Hundehaufenproblematik in den letzten Jahren erst eskaliert wäre. Aber das stimmt schlichtweg nicht. Wenn ich an meine Kindheit und Hundeerfahrungen zurückdenke, denke ich an Winterabende, an denen meine Eltern den Schnee aus der Einfahrt geschaufelt haben und wir Kinder den
kleinen Grashügel vor dem Hof runterrutschen wollten. Lange ging das lustige Treiben nie, bis uns meine Mutter zurechtwies, uns zurückpfiff, weil unter dem Schnee hässliche braune Haufen verborgen waren. Eine erste Prägung? Hunde vermiesen den Spielespaß? Wahrscheinlich.

Heute weiß ich, dass das Problem nicht die Hunde sind, sondern vielmehr deren Herrchen, die teilweise mit einer derartigen Portion Egoismus ausgestattet sind, von der kann ich nur träumen. Es stellt sich mir immer wieder die Frage, warum die bereitgestellten Beutelchen nicht genutzt werden. "Die sind immer leer!", heißt es dann. Der Behälter an meiner Kinderwagenstrecke ist immer mit Tüten bestückt und ich fahre Slalom um die Haufen. Soviel dazu. Abgesehen davon kriegt man doch in jedem Laden entweder beim Einkauf Tütchen oder man kann selbige kaufen. Man möchte gar meinen, es gäbe auf der ganzen Welt keine Plastiktütchen mehr. Wer zum Teufel stellt Plastiktütchen her? Gibt es Lieferengpässe? Eine die Welt umspannende Verschwörung gegen Hundehalter, die doch nichts weiter wollen als kleine Plastiktütchen?!

Ich kann mir das Bild wahrlich vorstellen. Am Rande eines Weges. Unbeobachtet. Der Hund setzt an, tut, was er tun muss. Es hat keiner gesehen, warum soll man dann ein dampfendes Etwas mit sich herumtragen. Wofür gibt es die Straßenreinigung? Wofür zahlt man Hundesteuer?

Dabei wird aber häufig vergessen, wer dann tatsächlich den Dreck und den Ärger hat. Die Straßenreinigung reinigt nämlich keine Vorgärten. Ich finde es bedauerlich, dass ein Hauseigentümer in unserer Siedlung ein Schild mitten in seinen Vorgarten setzen muss, dass dies kein Hundeklo ist. Das macht man nur, wenn man regelmäßig Haufen entsorgen musste. Gegenüber hing vor kurzem ein Pappschild: "3 Meter Einfahrt - 3 Hundehaufen. Muss das sein?!" Zeugt das von Respekt gegenüber seinen Mitmenschen? Wenn fremdes Eigentum beschmutzt wird? Ich war auch einmal Zeuge einer Zurechtweisung. Der Eigentümer erwischte das Herrchen in flagranti und forderte es auf, den Haufen mitzunehmen. Das Herrchen zuckte nur die Schultern und gab schnippisch zurück "Liegt ja nicht auf meinem Grund!"

Das solches Verhalten die Bevölkerung in Hundebesitzer und Hundehasser spaltet, wundert dann kaum noch. Man muss sich doch nur einmal vorstellen, was los wäre, wenn der Nachbar dem Nachbarn in den Vorgarten sch****... Da sieht das Verständnis von Moral und Anstand plötzlich wieder anders aus.

So ärgerlich und unverschämt der Hundehaufen im  Vorgarten auch sein mag, ein wirklicher Schaden entsteht dabei nicht. Erheblichen Schaden können Hunde jedoch auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen anrichten. Ach, was tummeln sich am Sonntagnachmittag die Bilder von fröhlich tobenden Vierbeinern auf mit Blumen übersähten Wiesen in den sozialen Netzwerken. O Freude schöner Götterfunken! Ist das nicht putzig, wie Hasso und Bello auf der Wiese spielen? Indes fällt irgendwo ein Bauer mit einem Herzinfarkt vom Stuhl.

Warum? Mit Hundekot verunreinigtes Futtergras hat bei Wiederkäuern (also Rind) schwere Erkrankungen bis zum Tod zur Folge. Man könnte auch salopp sagen, dass die Kühe vergiftet werden. Ein Schild am Rand einer Futterwiese bei uns in der Siedlung weist auf diesen Umstand hin - es interessiert nur kein Herrchen. Auch die Drohung, dass eine Anzeige durch den Pächter erfolgt, beeindruckt niemanden. Fast täglich tummeln sich da die Herrchen mit ihren Vierbeinern, wenn ich vorbei wagele.

Müsste dem Schild ein Bild einer verendenden Kuh hinzugefügt werden, um ein Umdenken bei den Hundehaltern zu bewirken? Wenn irgendwo vergiftete Fleischbrocken ausgelegt werden, um Hunde um die zuletzt markierte Ecke zu bringen, ist der Aufschrei immer groß. Auf Facebook heißt es dann "Teilen! Teilen! Teilen!", damit diese *zensiert* gefasst werden. Nach Mord und Folter wird da gerufen, wenn es den armen Tieren an den Leib geht. Damit wir uns nicht falsch verstehen. Natürlich vergiftet man keine Tiere! Außer Ameisen und Kakerlaken vielleicht... Ich will nur aufzeigen, dass diese Hundebesitzer, die sich darüber am meisten aufregen und ihre Hunde auf die Wiese machen lassen, das gleiche mit Bauers Kuh machen. Der Unterschied liegt darin, dass dies nicht öffentlich gemacht wird... oder eher selten. Auch wenn Kühe als "Nutzvieh" eingestuft werden, sind sie a) ebenso schützenswerte Tiere und b) hängt ein Bauer ebenfalls an seinen Tieren.

Wie überall, verdirbt eine kleine Gruppe oder einzelne Personen gleich den Ruf der ganzen Sippe - oder sollte man in dem Fall vom Rudel sprechen? Egal, denn es geht auch anders. Letztens waren wir an der Donau wageln, als uns ein Frauchen mit Hund entgegenkam. Sie wies den Hund an, "Sitz" zu machen, dieser wartete geduldig ohne zu bellen, wir lobten die guten Manieren und gingen nach einer kurzen Plauderei freundlich auseinander. Und im Körbchen am Gepäckträger ihres Rades sahen wir volle und leere Kotbeutelchen...

Bildnachweis: FreeImages.com / PenguinFB