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Sport schadet der Ehe

"Wennst iatz net gehst, gehst heid nimma!", sagt der Göttergatte. Er schickt mich ins Fitnessstudio. Dort soll ich Gewichte stemmen und auf dem Laufband schwitzen. Meine Muskeln kräftig und geschmeidig halten. Weil mir das gut tut. Das sagt nicht er, sondern ich. Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht. Ich habe Rücken, wie es so schön hei´ßt. Für den ist das Liegen auf der Couch Gift. Schade, denn das könnte ich so gut. Nicht, dass mich die Kinder ließen...

Also gehe ich zweimal die Woche ins Training. Doch genau dieses stiehlt uns unsere Zeit zu zweit, ohne Kinder, die sich zwischen uns drängen. Dessen muss man sich bewusst sein. Sport schadet eindeutig der Ehe. Nicht etwa, weil ich Zeit für's Training aufwende. Das wäre bei meinem Trainingspensum lächerlich. Doch lest selbst.

Nein, ich rede vom Bett. Denn da geht gar nichts mehr. Wir bemühen uns sehr, aber es ist zwecklos. Nicht, was du denkst, du Ferkel. Ich rede vom jugendfreien Inhalt.
Was wäre es schön, sich gerade in der kalten Jahreszeit unter der Bettdecke zusammenzukuscheln, um in einer eng umschlungenen Umarmung einzuschlafen. Romantisch und so. Okay, der Göttergatte darf mir meine eiszapfengleichen Füßchen wärmen, weil er bei Erstkontakt in eine Schockstarre fällt. Soweit die Theorie.

Ich krabble zu ihm unter die Decke, schmiege mich an ihn. Jeder findet seine optimale und bewährte Postion. Er zieht mir liebevoll die Decke bis zur Nase, damit mich nicht friert. Doch da bemerkt er: "Du hast ja gar keine kalten Füße!" Er findet das nicht unangenehm. Legt den Arm um mich.

Nach nur wenigen Minuten befreie ich meine Arme, um sie auf die Bettdecke zu legen. "Was hast du denn", murmelt er verschlafen. "Mir wird warm", nuschle ich zurück. Er brummt. Die Abkühlung tut gut, ist aber nicht von Dauer. Ich wälze ein Bein frei, schlinge es um die Decke. Rücke mit meinem Rücken etwas von ihm ab. Unmöglich, so einzuschlafen. Ich merke, dass er ebenfalls noch nicht schläft, aber er sagt nichts. Mir bricht der Schweiß aus, mein gesamter Körper steht in Flammen. Fluchtgedanken machen sich breit. Ich will nur noch weg, will ihn aber nicht zurückweisen. So muss sich ein Hummer im Kochtopf fühlen. Nein, bei aller Liebe. Das geht so nicht. Meine Muskeln mutieren nach dem Training zu Minikraftwerken, die heiß laufen. Ich rutsche auf meine Seite des Bettes. "Tschuldigung, aber mir ist einfach zu heiß!" Er stöhnt erleichtert auf. "Gott sei Dank! Ich wollt ja nix sagen, sondern es aushalten." Auch das ist Liebe.

Tja, dank des Sports bin ich also richtig heiß. Im wahrsten Sinne des Wortes.

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