Endlich Weihnachtsferien. Die verbleibenden Tage bis zum Heiligabend sind immer besonders besinnlich. Die Kinder fetzen wie die Eichhörnchen durch die Wohnung und verteilen ihr Gerümpel überall. Der Göttergatte hört die Englein singen, wenn die herum liegenden Kleinteile sich in seine Fußsohlen bohren und trällert aus voller Kehle ein "Morgen, Kinder, wird's was geben!" In meinen Ohren kling-Glöckchen-klingelingt es schrill, als ich Fingerspuren auf dem frisch geputzten Spiegel entdecke. Ich packe die Autoschlüssel, bin auf der Suche nach der himmlischen Ruh. Ich brauche frische Luft, den Duft von Tannenbäumen. Ich setze den Blinker und mein Ziel ergibt sich von selbst. Die Hände habe ich in die Jackentaschen gesteckt, mein Atem produziert kleine Kondenswölkchen. Meine Nase ist von der Kälte ganz rot, als ich an den Tannen und Fichten vorbeischreite. Der Christbaumverkauf auf dem Parkplatz des Möbelhauses nimmt ganz schön viel Platz ein, sodass ich ziemlich weit hinten ...
Das Glöckchen über der Tür bimmelte, als das Christkind das Postamt in Himmelstadt betrat. Es grüßte den Postmeister freundlich. In der Ecke sah es schon die vielen großen Säcke mit den Briefen der Kinder stehen. Das Christkind winkte ein paar seiner Engel herein, die ihm beim Tragen helfen sollten. »Nein, nein!«, rief der Postmeister. »Das sind die Briefe für den Weihnachtsmann!« Der Postmeister bückte sich hinter den Tresen des Postschalters und murmelte vor sich hin. Er schob Schachteln von links nach rechts und wieder zurück, dann raschelte es ein wenig. Da tauchte der rote Kopf des Postmeisters über dem Tresen auf. Er drückte dem Christkind einen Karton so groß wie eine Schuhschachtel in die Hand. »Das sind deine.« »So wenig?« Das Christkind ließ seine Flügel hängen. Der Postmeister rückte seine Brille zurecht und zuckte entschuldigend mit den Schultern. »Tut mir leid, liebes Christkind. Das sind alle Briefe dieses Jahr.« Das Christkind war enttäuscht. Für das Christkin...