Direkt zum Hauptbereich

Posts

Oh, du Fröhliche

Endlich Weihnachtsferien. Die verbleibenden Tage bis  zum Heiligabend sind immer besonders besinnlich. Die Kinder fetzen wie die Eichhörnchen durch die Wohnung und verteilen ihr Gerümpel überall. Der Göttergatte hört die Englein singen, wenn die herum liegenden Kleinteile sich in seine Fußsohlen bohren und trällert aus voller Kehle ein "Morgen, Kinder, wird's was geben!" In meinen Ohren kling-Glöckchen-klingelingt es schrill, als ich Fingerspuren auf dem frisch geputzten Spiegel entdecke. Ich packe die Autoschlüssel, bin auf der Suche nach der himmlischen Ruh. Ich brauche frische Luft, den Duft von Tannenbäumen. Ich setze den Blinker und mein Ziel ergibt sich von selbst.  Die Hände habe ich in die Jackentaschen gesteckt, mein Atem produziert kleine Kondenswölkchen. Meine Nase ist von der Kälte ganz rot, als ich an den Tannen und Fichten vorbeischreite. Der Christbaumverkauf auf dem Parkplatz des Möbelhauses nimmt ganz schön viel Platz ein, sodass ich ziemlich weit hinten ...
Letzte Posts

Das Christkind hat einen Wunsch

Das Glöckchen über der Tür bimmelte, als das Christkind das Postamt in Himmelstadt betrat. Es grüßte den Postmeister freundlich.  In der Ecke sah es schon die vielen großen Säcke mit den Briefen der Kinder stehen. Das Christkind winkte ein paar seiner Engel herein, die ihm beim Tragen helfen sollten. »Nein, nein!«, rief der Postmeister. »Das sind die Briefe für den Weihnachtsmann!«  Der Postmeister bückte sich hinter den Tresen des Postschalters und murmelte vor sich hin. Er schob Schachteln von links nach rechts und wieder zurück, dann raschelte es ein wenig. Da tauchte der rote Kopf des Postmeisters über dem Tresen auf. Er drückte dem Christkind einen Karton so groß wie eine Schuhschachtel in die Hand. »Das sind deine.« »So wenig?« Das Christkind ließ seine Flügel hängen. Der Postmeister rückte seine Brille zurecht und zuckte entschuldigend mit den Schultern. »Tut mir leid, liebes Christkind. Das sind alle Briefe dieses Jahr.« Das Christkind war enttäuscht. Für das Christkin...

s'Haus verliert nix

Schneefall im November? Das glaub ich erst, wenn ich es sehe! Am Donnerstag habe ich dann einen Termin beim Augenarzt wegen undefinierbarer weißer Griesel in meinem Sichtfeld vereinbart. Schnee? Das konnte doch gar nicht sein! Die Augen der Kinder leuchteten hingegen heller als Taschenlampen. Wo waren also Handschuhe und Wollmützen? Um 6.50 Uhr zog ich die Schublade des Garderobenschranks auf. Ich stellte folgenden Bestand an Mützen fest: drei blaue (1860), eine blau-rote (DSC), zwei rote (SV Deggenau), zwei pinke (braucht man immer) und fünf schwarze (Universalfarbe für alle Vereine). Doch mit einem Blick bemerkte ich, dass von unseren zwanzig Mützen eine schwarze (vereinslos) fehlte. "Als ich vom Eislaufen heimkam, hatte ich sie noch!" Zwergnase zuckte mit den Schultern und griff nach einer anderen. "Dann muss sie doch irgendwo sein!" Wer weiß, was der armen Mütze in einer dunklen Ecke unserer Wohnung zustoßen könnte. Nicht auszudenken! Gefräßige Wollmäuse lauern ...

Hart, härter, Hulk

Krafttraining ist wichtig, haben sie gesagt. Damit bleibst du im Alter fit und beweglich, haben sie gesagt. Ich führe mehrstündige Recherchen zu Trainingsplänen durch. Verlässliche Quellen sind mir sehr wichtig. Die einschlägigen Fitfluencer auf Instagram sind sich einig: Du musst hart trainieren. Hart, härter, Hulk! So eine Trainingseinheit sorgt für ein ganz neues Körpergefühl. Wirklich!  Nach wenigen Stunden spürt man Muskeln, von deren Existenz man zuvor gar nichts wusste. Ich stütze mit einer Hand meine Hüfte und rolle mich fit wie ein überfahrener Turnschuh aus dem Bett. Auf dem Weg zur Küche ziehe ich den linken Fuß nach und gebe undefinierbare Laute von mir. Die Kinder googeln, welche Pflege ein Zombie benötigt. Meinen Kaffee trinke ich im Stehen über die Arbeitsfläche gebeugt. Sitzen ist nicht möglich. Es hilft alles nichts. Professionelle Hilfe muss her. Sicherheitshalber hole ich mehrere Meinungen ein. Dr. Google und die Fitfluencerin, der ich über eine Nachricht mein Pr...

Ein gerechter Mord

Ich werde dich umbringen. Die Waffe liegt locker in meiner Hand, meine Augen blitzen entschlossen. Du lachst nur, verhöhnst mich! Noch…  Ich schwöre dir, dass es kein Morgen für dich geben wird!  Ich greife die Waffe fester, wäge den richtigen Winkel ab. Ich habe dich gewarnt. Mehrfach.  Ich habe dich um Abstand gebeten, darum gefleht, dass du dich von mir fernhältst.  Doch du klebst förmlich an mir. Wenn ich esse, sitzt du schon da und bettelst mich an. Wenn ich schlafe, umschwirrst du mich. Willst dies, willst das. Das ist die reinste Folter! Ich habe dir die Tür aufgehalten. Ich habe dir klar und deutlich zu verstehen gegeben, dass du ein für allemal verschwinden sollst.  Du kennst einfach keine Grenzen! Meine Finger fassen am Griff nach, ich spüre das ganze Gewicht der Waffe in meiner Hand. Es ist zu spät! Ich töte dich! Doch ich verspreche dir, dass es schnell gehen wird. Ich bin ein guter Mensch, der nur seine Ruhe haben will. Du wirst nicht leiden.  ...

Asterix & Obelix erobern Wuppertal

Wie alle meine Freunde wissen, bin ich dem Thermomix gegenüber sehr kritisch eingestellt. Das Gerät kann ja nun wirklich nichts, was man nicht auch mit einem prasselnden Lagerfeuer und einem Topf zubereiten könnte. 10 Jahre habe ich mich gewehrt, ehe der gallische Koch aus Wuppertal meine Küche erobert hat. Doch wie bei Asterix und Obelix kehrt keine Ruhe im gallischen Dorf ein. Ein Verwandter fiel unlängst in das Dorf ein. Es ist der Onkel, der alles besser weiß und besser kann, wie Wuppertal überall verkünden lässt. Gesehen haben muss man den ollen Onkel wohl, also lasse ich mich zu einem Erlebniskochen einladen, stelle aber sofort klar, dass ich nichts, absolut gar nichts kaufen werde. Völlig unvoreingenommen lausche ich also der Vorstellung der Thermomix-Beraterin.  Wuppertals neuer Lieblingsonkel kommt mit einer protzigen schwarzen Rüstung daher, die vor Verbrennungen schützen soll. Dem armen Kerl hat man scheinbar nicht beigebracht, dass ein Topf heiß wird. Außerdem sorgt der...

An der Supermarktkasse

     Ein bisschen Salat und Gemüse, eine Tüte Nudeln und ein Glas Sauce. Schnell an die Kasse und bezahlen. Sozusagen ein Supermarkt-Quickie.      Wenn da nicht immer diese eine Mami vor einem an der Kasse stehen würde, unter deren Einkauf das Kassenband ächzt und stöhnt. Die Kassiererin beäugt erst den Einkauf kritisch, dann die schnell länger werdende Schlange hinter dem Großeinkauf.      Natürlich kann man nicht einmal mehr bitten, ob man vorgelassen werden könnte, weil die Kassiererin notgedrungen vorne beginnt zu kassieren, während hinten noch Lebensmittelvorräte für ein halbes Jahr auf das Band gepackt werden.      Da hilft alles Augenrollen nichts. Diese Mami, die bin ich.      "Ganz schön verfressen, die Familie." "Wie bitte?" Ich höre wohl nicht recht.      "Kann man seine Einkäufe nicht wie normale Menschen erledigen? Spätestens seit Corona sind Hamsterverkäufe verpöhnt!"     ...