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Es werden Posts vom 2026 angezeigt.

Wer hat an der Uhr gedreht?

 Na, du Schlafmütze? Hast du schon ausgeschlafen? Erst 7 Uhr? Aber eigentlich wäre es ja schon 8 Uhr! Um 11 Uhr schon Lust auf Mittagessen? Wäre ja eigentlich schon 12 Uhr! Um 18 Uhr schon dunkel? Kann ja gar nicht sein! Die Zeitumstellung sorgt mindestens die ganze nächste Woche für Gesprächsstoff. Die Diskussion um die Zeitumstellung ist längst ein politischer Dauerbrenner. Dabei wurde sie 1980 eingeführt, um Energie zu sparen. Das hat super geklappt. Bei vielen ist es zappenduster. Da leuchtet noch nicht einmal mehr eine kleine energiesparende LED im Oberstübchen. 2019 beschloss die EU, der Zeitumstellung das Licht auszuknipsen. Nun können sich die Mitgliedstaaten auf keine dauerhafte Zeit einigen. Der Schalter steht auf Kipp. Irgendwann brennt er wohl durch. Solange die Leute die Zeitumstellung diskutieren, sind sie beschäftigt. Dabei geht es nur darum, wann man lieber im Dunkeln tappt: Morgens auf dem Weg zur Arbeit oder Abends auf dem Weg nach Hause. So oder so bleibt es fins...

Blechbüchse direkt voraus

 Als ich morgens an der Ampel stand, schaute mich von der linken Spur her ein Alpaka an. Ich blinzelte. Ah, ein Kind mit Lockenwuschel. Ein Kind? Die Ampel schaltete auf Grün. Perplex schaute ich ihm nach, bevor ich selbst losfuhr. Notgedrungen überholte ich den Bubi rechts, denn die 50 km/h erreichte er nicht. Was war das denn? Eine Streichholzschachtel mit Rädern aus Knöpfen? Diese Matchboxautos erreichen eine astronomische Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h und können ohne verpflichtende Fahrstunde ab 15 Jahren gefahren werden. Also quasi ein Mofa mit Größenwahn. Oder eine tickende Zeitbombe. Angesichts des demografischen Wandels scheint es mir nicht sonderlich klug, die Jugend in Blechbüchsen zu pressen, während der automobile Rentner mit seinem Panzer alles platt walzt, was bei Betätigung der Lichthupe nicht über die Böschung springt. Auf der Landstraße kann dieses Döschen nicht einmal halb so schnell fahren wie erlaubt, ist aber nicht so leicht zu überholen wie ein Mofa oder e...

Elternabend

 Escape Rooms sind in. Man lässt sich freiwillig gegen Geld in einen Raum sperren, in dem man dann Aufgaben lösen muss, um wieder frei zu kommen. Beim Elternabend bekommt man das Ganze zwar kostenlos, dafür ist er oft nicht so ganz freiwillig.  Der blanke Horror. Halloween kann einpacken. An zu kleinen Stühlen gekettet harrt man mit rund zwanzig anderen Eltern im Klassenzimmer der Kinder aus. Die Spielregeln sind einfach: Zwei müssen sich opfern, damit der Rest frei kommt.  Nun sind die Zeiten des selbstlosen Heldenmuts längst vorbei. Die Luft flirrt. Die Halogen-Lampen flackern. Am besten die Falten im Vorhang zählen, um nicht aufzufallen. Den Atem flach halten, mit niemandem die Blicke kreuzen. Wer blinzelt, hat schon verloren. Es ist ganz ganz wichtig, die Stille auszuhalten. Bloß nicht räuspern! Sonst starren dir 19 Paar Augen direkt in die Seele und bringen dich dazu, so aberwitzige Sätze wie "Dann mach ich es halt!" zu sagen und schwupps, ist man Klassenelternsprech...

Wir müssen reden: Elterntaxi

Wir müssen über ein wichtiges Thema reden. Nämlich über das Elterntaxi. Bei diesen Spritpreisen und mit der Klimakatastrophe im Nacken kann es nicht angehen, dass täglich Millionen von Eltern ihre Kinder bis ins Klassenzimmer fahren und dort wieder abholen. Ich finde, das muss doch nicht sein. Im Gegensatz zu früheren Generationen werden für die Kinder von heute extra Busse eingesetzt. Früher soll das ja anders gewesen sein, wie man munkelt. Die Kinder reisen also bequem und lernen auch noch ihre Heimat kennen. Da kann man doch nicht fragen: Muss das denn sein? Wir sprechen dabei von einem biblischen Ausmaß. Denn die Ersten am Morgen werden die Letzten am Mittag sein. Oder so ähnlich war das doch. Auf alle Fälle können die Buskinder mittags bei einer Bayerwald-Rundfahrt so richtig abschalten. An der letzten Haltestelle kommt das Grundschulkind fast eine Stunde nach Schulschluss an. Das arme Elterntaxi-Kind hat hingegen in dieser Zeit schon essen müssen und die Hausaufgaben gemacht. Um ...

Vom Leoparden überfahren

Jüngst wurde in Bolivien eine neue Katzenart entdeckt und mit dem schönen Namen Leopardus tilcayo belegt. Damit liegt die Katze nicht nur mit ihrem Namen, sondern auch mit ihrem einschlägig gescheckten Fell voll im Trend. Der Leo-Look kennt im Moment keine Grenzen. Nicht nur Leggings und Hosen zeigen ihren animalisch starken Anteil an Elasthan, wo der Leo schon mal zum Zebra wird, sondern auch Brillen, Gürtel und Schmuck lachen sich im Moment scheckig. Dabei wird frau sich ja wohl kaum mit dem Muster tarnen wollen. Das Leomuster ist schließlich so unauffällig wie ein Exhibitionist am Marienplatz. Freilich, welche Frau sieht sich nicht gerne als geschmeidige und elegante Wildkatze? Stark. Unabhängig und nicht leicht zu finden? Eine Katze hat bekanntermaßen ihren eigenen Kopf. Allerdings muss man einwenden, dass sich die Leopardin im Moment eher zum unauffälligen Herdentier entwickelt, das die Weiten des Großstadtdschungels durchstreift. So stehe ich im Schuhgeschäft mit gefleckten Schla...

Eine heiß begehrte Trophäe

 Letztens habe ich mich mit einer Freundin getroffen. Wir umarmten uns zur Begrüßung und noch bevor wir einander wieder losgelassen hatten, platzte es aus ihr heraus: "Mein Stanley Cup ist endlich da!" "Wohoo!" Ich hüpfte mit ihr auf und ab. "Ich wusste gar nicht, dass du in den USA Eishockey spielst. Bekommt da jeder im Team einen?" Vom Waschen der Fußball-Trikots der D-Jugend zum Stanley-Cup-Gewinner in der NHL, das musste man erst einmal schaffen. Respekt! Verwirrt ließ sie mich los. "Waaas? Nein!" Sie wedelte mit einem Fass vor meiner Nase herum. "Den Staaaanleeeey Cup!" Ach, einen Cup. Also... quasi... naja... ein Becher halt. Okay, ein großer Becher. Toll. "Ach so! Sehr schick". Ich nickte bekräftigend. Hoffentlich bemerkte sie nicht, dass ich völlig ahnungslos war. Sie presste sich den Becher verliebt an sich. "Er ist sooo toll. Wirklich." Sie klappte einen Strohhalm auf und schlürfte. "Man trinkt viel me...

Parla Italiano?

Italien. Sommer, Sonne, Strand und Spritz, garniert mit Meersalz und Tiramisu. Wer sieht sich da nicht in einem schnuckligen Ristorante mit einem rassigen Kellner die Tageskarte diskutieren? Auf Italienisch, versteht sich. Man will ja Land und Leute kennenlernen.  Also buchen wir eine Woche Bibione. Generationen von deutschen Urlaubern können schließlich nicht irren. Eine Sprachen-Lern-App ist schnell auf’s Smartphone geladen. Mit nur wenigen Minuten pro Tag fließend Italienisch lernen! Perfekt! Oder: Perfetto!, wie der Landsmann sagen würde. Ich lege einen Account an, klicke mich ein wenig durch das Menü, dann ist die Zeit auch schon wieder rum. Das war ja einfach. Kurz vor unserem Urlaub verstehe ich dann Fragen wie “Wie lange bleiben Sie im Land?", die bei den Grenzkontrollen innerhalb des Schengenraums der EU wirklich äußerst wertvoll sind. Außerdem kann ich nach einer zusätzlichen Decke fragen. Als wir in Bibione aus dem Auto steigen, saugen wir den salzig-fischigen Duft der ...

Auswilderungsversuch

Urlaub ist ein Risiko. Die zuhause eingeübten Routinen werden auf die freie Wildbahn losgelassen. Meine persönliche Belastungsprobe ist das Hotelrestaurant. Wird die Auswilderung der Kinder gelingen? Wie ein Schatten verfolge ich die Kinder am Buffet. Sicher ist sicher. Kurz halte ich die Luft an, als Goldlöckchen nach den Pancakes greift. Mit der Zange. Sie nimmt sich zwei kleine Pfannkuchen und erklärt: “Ich kann mir ja später noch welche holen." Ich atme erleichtert aus. Andächtig schmiert sich Goldlöckchen Nutella auf die Pfannkuchen und beginnt zu essen. Der Göttergatte schenkt ihr ein Glas Saft ein, damit sie bei der Hitze auch genügend trinkt. Als er das Glas vor ihr abstellt, hält sie plötzlich inne und starrt es an wie die Schlange die Maus. Goldlöckchen wirkt gequält. “Ist alles in Ordnung?" Ich lege mein Besteck ab und beäuge meine Tochter kritisch. Mir wird ganz flau, als Goldlöckchen die Backen aufplustert. Der Göttergatte sucht meinen Blick, er runzelt die Stirn...

Do host Apps

Ich starre auf den Aufsteller am Eingang. Zukünftig gibt es Angebote, Aktionen und Rabatte nur noch in und mit der App. Der Prospekt aus Papier ist Geschichte. Endlich sind die Zeiten vorbei, in denen man sich sonntags am Küchentisch darum prügeln musste. Stattdessen lässt sich jeder einzeln von seinem Display erschlagen. Der Discounter digitalisiert Deutschland. Natürlich habe ich die App sofort installiert und sogar die Bezahlfunktion eingerichtet. Wirklich keiner will hinter mir und meinem Rieseneinkauf stehen und darauf warten, dass ich wie eine Oma mein Kleingeld zusammenkratze.  Mit dem Smartphone im Anschlag schleiche ich durch die Regale und suche nach dem Milchshake, den ich dank App geschenkt bekomme. Ich trinke zwar keinen Milchshake, aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Schnell werfe ich noch den teuren Schafskäse in den Einkaufswagen. Mit der App bekomme ich unbeschreibliche und nicht weniger als satte 10 Cent Rabatt. Ohne App bist einfach ein Depp! V...

Wie man die innere Uhr richtig einstellt

Der Himmel färbt sich bereits rosa. Mit aufgerissenen Augen liege ich im Bett und starre an die Decke. Ich bin so wach, dass ich die Spinnweben erahnen kann, die sich sanft im Luftzug wiegen. Sogar in den Momenten, die nur mir gehören, denke ich daran, was noch zu erledigen ist. Ein aufregender Tag voller Verpflichtungen liegt vor mir. Wie schön. Ich wälze mich zur Seite, mein Blick fällt auf den Wecker. Noch 30 Minuten. Ich lasse mich zurück in mein Kissen sinken. Mit einem Lächeln auf den Lippen schließe ich die Augen und reise noch einmal ins Land der Träume. Das wird die beste halbe Stunde meines Tages sein. Von wegen! Mein Herz pocht in meiner Brust. Ich weiß nicht mehr, ob ich Männlein, Weiblein oder ein Waschbär bin. Ich schrecke benommen hoch. Wer und was schreit denn hier so? Hilfe! Polizei! Mord und Totschlag! Der Handywecker spielt langsam anschwellendes Vogelgezwitscher ab und meint wohl, was das für ein sanfter Weckruf sei! Der spinnt doch. Ich stelle das Gezeter mit zittr...

Ein unbeschreibliches Event

Ich gehöre zur Spezies der Stubenhocker. Nur ein Tag ohne Termin ist ein guter Tag. Aber einen Künstler live auf der Bühne zu erleben, ist mit einer Show im Fernsehen oder einem Reel auf Instagram nicht zu vergleichen. Deshalb trauen wir uns hinaus in die Welt und hinein in die Stadthalle. Das ganze Drumherum ist einfach unbeschreiblich. Schon vor der Show flirrt die Anspannung durch die Luft, als wir mit fünfzig anderen Autos an einem Stockcar-Rennen um den letzten Parkplatz teilnehmen. Am Eingang hingegen werden wir ausgebremst. Wir schieben uns in der Geschwindigkeit eines Gletschers in das Foyer. “Da musst du durch!", sagt der Ticketabreißer. "Wir haben schließlich dafür bezahlt!”, sagt der Göttergatte. Als die Künstlerin die Bühne betritt, erinnert sie mich an die Alpen. Bei Föhn vom Bayerischen Wald aus gesehen. Du weißt, dass sie es sein muss, aber so ganz sicher bist du dir nicht. Ich sehe nicht alles, dafür höre ich weniger, denn leider wurde die Stadthalle doppelt g...

Um Himmels willen

Kennt ihr noch Kettenbriefe? Das Schneeballsystem der aller ersten Stunde. Du wirst unendliches Glück und Wohlstand erreichen, aber nur, wenn du diesen Brief an fünf Idioten wie dich weiterleitest, die zwischen "So ein Schmarrn!" und "Ich stürze mich ins Unglück, wenn ich diese universelle Bedrohung nicht weiterleite!" schwanken. Aus Tradition kennt sich eine Institution besonders mit Endzeitszenarien aus. Sie bietet das volle Programm mit sieben Plagen, Weltuntergang und darüberhinaus ewiger Verdammnis in überhitztem Klima. Die CO²-Bilanz möchte ich nicht sehen. Irgendwie verhält es sich wie mit den Kettenbriefen. Du kannst das Ganze als Unfug abtun, aber bist du dir wirklich sicher? Wer weiß, vielleicht ist doch etwas dran? Ein bisschen erstaunt war ich schon, als mich ein Kettenbrief von höchster Instanz erreichte. Er verspricht Glück für sich und die ganze Familie. Wenn... Ja, jetzt kommt's, oder? Wehe, du wagst es, dich nicht an die Anleitung zu halten, was...

Der Sonnengruß

Habt ihr es bemerkt? Die Tage werden wieder länger. Und als würde sich auch die Sonne darüber freuen, lässt sie sich wieder öfter blicken. Sie strahlt vom eisblauen Himmel und kitzelt einem die Nasenspitze.  Man ist einfach ein ganz anderer Mensch, wenn die Sonne scheint. Ich, zum Beispiel, werde furchtbar aggressiv.  Wenn ich in die Küche komme, kneife ich schon die Augen zusammen.  Wenn ich aus dem Fenster schaue, wird mir schlecht, meine Kehle ist wie zugeschnürt und das Schlucken fällt mir schwer.  Erinnerungen an den Physikunterricht werden wach. Erst jetzt verstehe ich, was es bedeutet, dass das Licht auch Teilchencharakter habe. Die tiefstehende Sonne materialisiert erbarmungslos Teilchen auf Fensterscheiben, Küchenfronten, Esstisch und Fußboden.  Der Göttergatte behauptet, dass sei Staub, aber das kann ja gar nicht sein.  Ich schwöre, dass die Teilchen nur da sind, wenn die Sonne scheint. Der Göttergatte war nicht überzeugt, aber ich habe es ihm bew...