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Um Himmels willen

Kennt ihr noch Kettenbriefe? Das Schneeballsystem der aller ersten Stunde. Du wirst unendliches Glück und Wohlstand erreichen, aber nur, wenn du diesen Brief an fünf Idioten wie dich weiterleitest, die zwischen "So ein Schmarrn!" und "Ich stürze mich ins Unglück, wenn ich diese universelle Bedrohung nicht weiterleite!" schwanken.

Aus Tradition kennt sich eine Institution besonders mit Endzeitszenarien aus. Sie bietet das volle Programm mit sieben Plagen, Weltuntergang und darüberhinaus ewiger Verdammnis in überhitztem Klima. Die CO²-Bilanz möchte ich nicht sehen. Irgendwie verhält es sich wie mit den Kettenbriefen. Du kannst das Ganze als Unfug abtun, aber bist du dir wirklich sicher? Wer weiß, vielleicht ist doch etwas dran?

Ein bisschen erstaunt war ich schon, als mich ein Kettenbrief von höchster Instanz erreichte. Er verspricht Glück für sich und die ganze Familie. Wenn... Ja, jetzt kommt's, oder? Wehe, du wagst es, dich nicht an die Anleitung zu halten, was passiert dann? Keine Ahnung. Es gibt kein "Wenn nicht..., dann..." Der Kettenbrief folgt eher dem Prinzip Brot und Spiele. Zusätzlich zu der Anleitung bekommt man nämlich einen Teig-Ansatz, den man eine Woche lang hegt und pflegt, bevor man ihn teilt, verschenkt und backt.

Glück, Spannung, Spaß und Spiel? Quasi ein Überraschungsei für Erwachsene. Wer sagt da denn Nein? Eine Woche lang stand also besagter Teig nun auf meiner Anrichte. Jeden Tag fütterte ich ihn, rührte ihn, fütterte ihn wieder und sah zu, wie er mit mir zu sprechen begann. Er blubberte vor sich hin. Ich war kurz davor, unserem neuen Haustier einen Namen zu geben. 

Der Teig hat mich im wahrsten Sinne des Wortes katholisch gemacht. Je mehr der Teig blubberte, umso skeptischer wurde ich. Mir fiel nichts Besseres ein, als jeden Tag dafür zu beten, dass das Projekt glückt. Ganz schön schlau, dieses Vatikan-Brot!

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