Direkt zum Hauptbereich

Parla Italiano?

Italien. Sommer, Sonne, Strand und Spritz, garniert mit Meersalz und Tiramisu. Wer sieht sich da nicht in einem schnuckligen Ristorante mit einem rassigen Kellner die Tageskarte diskutieren? Auf Italienisch, versteht sich. Man will ja Land und Leute kennenlernen. 
Also buchen wir eine Woche Bibione. Generationen von deutschen Urlaubern können schließlich nicht irren.

Eine Sprachen-Lern-App ist schnell auf’s Smartphone geladen. Mit nur wenigen Minuten pro Tag fließend Italienisch lernen! Perfekt! Oder: Perfetto!, wie der Landsmann sagen würde. Ich lege einen Account an, klicke mich ein wenig durch das Menü, dann ist die Zeit auch schon wieder rum. Das war ja einfach.

Kurz vor unserem Urlaub verstehe ich dann Fragen wie “Wie lange bleiben Sie im Land?", die bei den Grenzkontrollen innerhalb des Schengenraums der EU wirklich äußerst wertvoll sind. Außerdem kann ich nach einer zusätzlichen Decke fragen.

Als wir in Bibione aus dem Auto steigen, saugen wir den salzig-fischigen Duft der Adria ein, wie er nur bei 38°C zwischen den Teppichen aus Liegen und Sonnenschirmen heraufkriechen kann. Das ist Italien wie im Bilderbuch.

In unserem Hotel werde ich freundlich begrüßt: "Buongiorno Signora, Ihr Zimmer ist schon fertig."
“Grazie?" Habe ich mich gerade für das Zimmer oder das Deutsch bedankt? Das Lächeln schmilzt mir aus dem Gesicht.

An der Poolbar starte ich einen neuen Versuch:
"Vorrei due espressi, per favore!”
Die Bardame lächelt mitleidig. "Zwei Espressi. Kommt sofort. Zimmernummer?”
"Trecentootto.” Stolz betone ich jede Silbe und schwinge sie mit dem Zeigefinger mit.
"Dreihundertacht, ja?”
Ich kann nur noch nicken. Ich überlege kurz, ob vielleicht die Frage nach einer zusätzlichen Decke angebracht wäre.

Missmutig lasse ich mich neben den Göttergatten auf die Liege plumpsen.
"Keiner spricht Italienisch mit mir!”, schmolle ich.
"Ach Schatz”, versucht er mich zu trösten, "wahrscheinlich ist es so schwer, dass selbst die Italiener lieber Deutsch sprechen!”

Genau.
Daran wird's liegen.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Im Rathaus

Weil der Kindergartenausflug an die Grenze zu Österreich gehen sollte, bat die Leitung darum, Ausweispapiere mitzunehmen. Ausweispapiere? Haben wir nicht. Also Zwergnase hat keine. Wir sahen bisher keine Notwendigkeit, ihn auf das Ausland loszulassen. In meiner Vorstellung ließ ich ganz entspannt Fotos von Zwergnase machen, um dann ohne ihn im Rathaus vorstellig zu werden, während er im Kindergarten ist. Gibt schließlich Spannenderes als einen Ämtergang. Um einen Kinderreisepass zu beantragen, muss man das Kind allerdings mitschleifen . Erschien mir beim ersten Durchlesen unsinnig, beim zweiten Mal jedoch schlüssig. Da könnte ja jeder mit einem beliebigen Kinderbild antanzen und Ausweispapiere besorgen! Geburtsurkunde benötigt man auch, aber das ist nachvollziehbar. Was mir etwas lästig erschien, war die Zustimmungserklärung des zweiten Sorgeberechtigten . Ich schlepp doch nicht den Nasenpapa mit aufs Amt. Das kann ich alleine erledigen! Reicht ja, wenn einer von uns warten muss!...

Schäferstündchen - Wenn Eltern miteinander ins Bett gehen

Zeit zu zweit muss man sich als Eltern oft stehlen. Aber man ist ja auch noch Mann und Frau und nicht nur Papa und Mama. Mit der Zeit lernt man, Gelegenheiten sofort wahrzunehmen, ehe der Moment verstrichen ist. Ehe man einen zu tiefen Atemzug des Sprösslings hört und man weiß, er wird gleich rufen. Ja, nur die entschlossenen Entscheidungen führen zum Ziel.  Dabei kommt es vor allem auf eine Verständigung an, die ohne Worte auskommt. Unsere Blicke suchen und finden sich. Sie halten sich einen kurzen Moment fest. Mehr Romantik gibt es nicht. Keine tragische Musik, kein sehnsuchtsvolles Aufstöhnen, keiner ertrinkt in den Augen des anderen, die blau und undurchdringbar wie ein Gebirgssee scheinen. Wir berühren einander nicht, als wir drängend ins Schlafzimmer gehen. Wir sprechen kein Wort, um den Moment nicht zu zerstören. Jeder steht auf seiner Seite des Bettes und zieht sich schnell bis auf ein T-Shirt aus. Gegenseitiges Entblättern wird sowieso überbewertet. Viel zu umständlich...

Auf dem falschen Fuß erwischt

Es ist heiß. Es ist schwül. Für uns gibt es deshalb keine Alternative. Seit ich denken kann, geht es für uns bei Temperaturen über 24°C ins Hengersberger Freibad. Dieses Jahr brauchen wir uns noch nicht einmal mit zu wenig Parkplätzen herumärgern oder dass wir keinen Platz mehr im Schatten eines Baumes ergattern würden. Irgendwie scheinen die Besucher weniger zu sein als sonst. Teil des Kinderbereichsim Freibad Hengersberg Foto: Karin Futschik Man kann nur spekulieren, woran das liegt. Vielleicht an der Renovierung des Hallenbads, durch die Teile des Freibadareals als Baustellenzufahrt abgesperrt sind. Vielleicht, weil das Wärmebecken dadurch nicht nutzbar ist. Vielleicht, weil die Einzelkarte trotz der Einschränkungen wie schon die vergangenen Jahre 4 Euro kostet. Vielleicht, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis bei anderen Bädern inzwischen weitaus besser ist. Wie eh und je habe ich aber eine Saisonkarte, das Wärmebecken vermisse ich nicht. Wichtig sind für mich ledig...