Donnerstag, 31. Dezember 2015

Neustart


Eine kleine Schneeflocke verfing sich in Helenes Wimpern. Als diese blinzelte, rieselte der Eisstern tiefer auf die von der Kälte geröteten Wangen, um sich dort im Salz der Tränen aufzulösen und nur das Gefühl eines eisigen Kusses zu hinterlassen. Helene stand etwas abseits von der Clique und umklammerte ihr Sektglas mit steifen Fingern. Eilig nippte sie daran, damit es niemandem auffiel, wie schwer sie schluckte.
Silvester. Jedes Jahr dasselbe. Seit ihrer Jugend trifft sich die Clique an diesem einen Tag. Früher stand eine fette Party mit reichlich Alkohol im Vordergrund. Doch in den letzten Jahren waren sie allesamt ruhiger geworden. Sie blieben nun zuhause, der Gastgeber wechselte. Das Dumme war, dass sie sich alle nur noch zu diesem Termin trafen. Silvester war zu einem Wettbewerb geworden, wer im vergangenen Jahr das meiste erreicht hatte oder im neuen die besten Aussichten hatte.

Helene war froh, das Raclette hinter sich zu haben. Marlene und Martin hatten sich an Heilig Abend verlobt und würden im kommenden Sommer heiraten. In DER Location, um die sich alle rissen. Selbstverständlich. Er hatte rechtzeitig reserviert, um Marlene ihren Traum zu erfüllen. Helene hatte sich nur gewundert, dass der Ort der Feierlichkeiten anscheinend wichtiger als der Anlass selbst zu sein schien. Wie sich die beiden an den Händen gehalten haben, natürlich so, dass der fette Brillant perfekt zur Geltung kam, wie sie sich tief in die Augen geschaut haben, um sich dann vor allen anderen zu küssen. Helene hätte am liebsten über den Tisch gekotzt. Stattdessen hatte sie der Bowle zugesprochen. War ja genügend da, nachdem ihr Sabrina leise zugeraunt hatte, dass sie keine trinken dürfe. Im Juli würden sie und Frank stolze Eltern sein. Na super. Wenigstens waren die beiden zurückhaltender als Marlene und Martin. Helene hatte Sabrinas Hand unter dem Tisch gedrückt und ihr leise gratuliert. Eigentlich freute sie sich ja für die beiden. Sollten sie auf ihr Glück verzichten, nur weil Helene Single war? Mit 33? Wohl kaum. Auch bei Marcel lief es gut. Er war befördert worden und hatte sich eine schicke Eigentumswohnung in Frankfurt zugelegt.

Irgendwann hatten sie sich Helene zugewandt. In dem Moment, als sie sich gerade ein zu großes Stück Fleisch in den Mund gestopft hatte und erst kauen musste, bevor sie antworten hatte können. Wie dämlich es sich anfühlte, wenn einem zwölf Menschen beim Kauen zuschauten. Sie war doch keine Kuh, Herrgott! Obwohl, wenn sie eine wäre, wäre sie wohl produktiver. Was sollte sie auch erzählen. Ihr Jahr war beschissen gewesen. Daniel hatte sie verlassen. Aus heiterem Himmel. Er hätte andere Erwartungen an das Leben, hatte er gesagt. Weg war er. Samt der Katzen. Sie hatte nicht einmal gewusst, dass er die Viecher mochte. Helene war daraufhin in ein tiefes Loch gefallen und hatte sich nicht mehr konzentrieren können. Aber ihren Job in diesem beengenden Büro hatte sie noch nie gemocht. Was soll’s also. „Ja, hm. Ich warte darauf, dass der Hartz-IV-Antrag durchgeht, damit ich die Wohnung behalten kann.“ Stirnrunzeln und betretenes Schweigen. Sie war der Silvesterknaller schlechthin. „Sieht aber ganz gut aus. Ich glaube, die bezahlen sogar einen Fernseher, damit man RTL schauen kann“, hatte sie schnell nachgelegt. „Wenn wir dir irgendwie unter die Arme greifen können…“ Martin hatte die Stirn in Falten gelegt und Marlene theatralisch an der Hand gefasst, „wir sind immer für dich da!“ Von wegen. Helene hatte tapfer genickt und ihr Bowle-Glas geleert. Keiner hatte Zeit für sie gehabt, verlogene Drecksbande.

Die frische Luft tat Helene gut. Sie mochte es, wie die Raketen mit einem Zischen in den Himmel sausten, um dann mit einem Prickeln in tausend Farben zu zerspringen. Das war wenigstens ein eindrucksvoller Abgang. Pünktlich um Mitternacht hatte es auch zu schneien angefangen. Helene streckte die Hand aus und sah zu, wie die Flocken auf ihrer Hand schmolzen. So leicht, als hätte es sie nie gegeben. Helene ballte die Hand zur Faust und wischte sich die Tränen ab. Neues Jahr, neues Glück.

© Karin Futschik 2015

Sonntag, 29. November 2015

Sex-Heftchen in der Schublade und Kröten im Keller

Ich verweigere jede Art von Nachrichten. Die Welt ist schlecht und die Menschen noch schlimmer. Beherrscht werden die Themen von der Flüchtlingskrise und dem IS. Manchmal geht es auch um Syrien oder Schlepperbanden. Natürlich kann man nicht nur wegschauen. Davon lösen sich Probleme nicht in Luft auf. Doch ich habe auch ein Leben. Ich kann nicht zuhause sitzen und das Gefühl haben, dass ich nur noch vor und zurück wippen darf und dabei murmele "Alles ist so schlimm. Alles ist so schlimm. Wo soll das noch hinführen. Alles ist so schlimm."

Jeden Tag durchforste ich die Nachrichten nach den kleinen Meldungen zwischendurch, in denen es zwar meist auch um Unfälle oder Verbrechen geht, aber die gleichzeitig lustig sind. Solche Meldungen gibt es nicht mehr. Es herrscht das Mantra "Alles ist so schlimm. Alles ist so schlimm. Wo soll das noch hinführen. Alles ist so schlimm."

Wo sind sie hin? So etwas würde ich wieder einmal gerne lesen:
Tittling. Am Wochenende hatte die Polizei einen dicken Fisch an der Angel. Ein bereits gesuchter Schmuckdieb wurde beim Einbruch in ein Einfamilienhaus in einem Dorf Nähe Tittling mit seinen Juwelen erwischt. Die Eigentümer besuchten eine wohltätige Veranstaltung in Passau, als der 35-Jährige in das Haus eindrang. Im Schlafzimmer des Ehepaars suchte er nach Schmuckstücken, als ihm ein Stapel Sex-Heftchen in die Finger fiel. Diese fesselten seine Aufmerksamkeit dermaßen, dass er die Rückkehr der Hausherren nicht bemerkte. Beim Eintreffen der diensthabenden Polizisten soll der Mann laut "Oh mein Gott" gestöhnt haben. Nach der Latte an Vergehen konnte man ihm das nicht verdenken. Die Polizistin weigerte sich daraufhin, ihm die Handschellen anzulegen. Seine eigenen Juwelen durfte der Dieb behalten, die übrigen wurden bereits ihren rechtmäßigen Besitzern übergeben. 
Auch nicht schlecht wäre was über Kröten im Keller:
Froschburg Dank der aktuell niedrigen Zinsen konnte Schlimmeres verhindert werden.  Eigentlich wollte die 89-jährige Herta B. nur ihre Kröten im Keller zählen. Ein Wasserrohrbruch hatte jedoch das Mauerwerk stark zersetzt, sodass eine Schar Frösche es sich zwischen ihren Kröten bequem machen konnte. Herta B. zog sich einen Oberschenkelhalsbruch zu, als sie auf einem der glitschigen Tiere ausrutschte. Nach drei Stunden fand sie ihr Enkelsohn, der einen Krankenwagen rief. Der Bund Naturschutz fing die Frösche ein und setzte sie in einem nahe gelegenen Tümpel wieder aus. Ihre Kröten durfte die Frau behalten. 
Aber in solchen Zeiten dürfe man nicht lachen? Da gehört sich sowas nicht? Doch, ich finde schon. Denn wenn der Humor getötet wird, ist alles aus.

Sonntag, 22. November 2015

Weihnachtswichteln

Bild: FreeImages.com / Maria Herrera
Auch wenn die Temperaturen nicht danach aussehen. Die Vorweihnachtszeit kommt in großen Schritten. Eine Weihnachtsfeier jagt die nächste. Die des Betriebs, die der freiwilligen Feuerwehr, vom Schützenverein, vom Fußballverein, vom Trachtenverein, vom Kegelverein, vom Kaffeekränzchen, vom Kindergarten und dem Frauenbund. Wer möchte, kann sich also den ganzen Advent besaufen.

Das möchte man manchmal auch, wenn ein paar Wochen vor dem entsprechenden Event der eine Satz fällt, der alle ins Verderben stürzt. "Wollen wir wichteln?" Eine Alles-oder-nichts-Frage. Wenn du da sitzt und sagst "Bloß nicht!" kannst du direkt aus dem Verein austreten, so unbeliebt machst du dich damit. Also wird ein Betrag für das Wichtelgeschenk festgelegt. Im Geschäft stellt man dann fest, dass es gar nicht so leicht ist, für 5 bis 15 Euro was Anständiges zu finden.

Wobei sich dann die Frage stellt, was denn "etwas Anständiges" ist. Ich kaufe Dinge, die ich auch gerne selber hätte. Über die ich mich freuen würde. Bei anderen bin ich mir da nicht so sicher. Da sieht es gar so aus, als würde man dem anderen eins auswischen wollen. Man fragt sich, wo man solche Grausamkeiten, die Augenkrebs verursachen, überhaupt findet. Der Verdacht liegt nahe, dass es irgendwo einen Pool mit gräßlichen Wichtelgeschenken gibt, die dann wie Wanderpokale jedes Jahr weitergegeben werden. Mich würde es nicht überraschen, irgendwo noch einen DM-Preis zu finden.

Man kann aber auch einfach mal "Nein!" sagen - und wird sich wundern, wie viele erleichtert aufatmen, dass einer voran gegangen ist.

Sonntag, 15. November 2015

Abnehmen durch Hypnose

Bild: FreeImages.com / Robert Driese
Ich bin ja nicht so der Esotherik-Naturmedizin-Mensch. Aber was tut man nicht alles, wenn man verzweifelt ist. Ja, ich bin verzweifelt. Obwohl ich noch vor wenigen Wochen so motiviert war, ist nun der Wurm drin. Heißhungerattacken, fehlende Motivation, stagnierendes Gewicht. Ach, was red ich. Es ist sogar wieder nach oben gegangen. Da kam mir die Abnehm-Hypnose von Antenne Bayern gerade recht. Kost nix, verlier'n kannst a nix!
Aber funktioniert das wirklich? Durch Hypnose abnehmen? Übers Radio? Ich weiß es nicht. Aber eine Bekannte meiner Mutter hat eine Abnehm-Hypnose an der VHS besucht und tatsächlich 11 Kilo abgespeckt. Das macht doch Mut! Also habe ich am Donnerstag zwischen 17 und 18 Uhr Antenne Bayern gehört und habe mich hypnotisieren lassen. Die in einer Pause platzierte McDonald's-Werbung fand ich zwar nicht so prickelnd, aber Lust auf einen Burger bekam ich nach der ersten Runde auch nicht. Und das, obwohl die letzte Mahlzeit schon lange zurücklag und ich mich auf das Abendessen gefreut habe.
Es war sicherlich auch von Vorteil, dass ich vorher nicht gewusst habe, wie der Hypnotiseur aussieht - ich hätte Jan Becker nicht ernst nehmen können. Seine Stimme war jedoch sehr angenehm und die Phase der Entspannung hat mich sehr bewegt. In ein imaginäres Gefäß soll man alles packen, was einen belastet. Das hat dazu geführt, dass man nicht nur ans Abnehmen denkt, sondern auch an all den anderen Ballast, den man völlig nutzlos mit sich herumschleppt.
Es liegt in meiner Hand, den Ballast loszuwerden. Ein Gehirn waschendes Mantra? Ich denke nicht. Denn es heißt nicht umsonst "Jeder ist seines Glückes Schmied." Ich werde also diesen Anlass dazu nutzen, wieder einmal groß aufzuräumen und das loszuwerden, was mich belastet. Um zum Thema Abnehmen zurückzukehren: Eine Entscheidung, die ich dann auch sofort am nächsten Tag umgesetzt habe, war, die Waage wegzupacken.
Es kann nicht sein, dass dieses DING über meine Laune entscheidet. Hat sie nicht das Richtige angezeigt, hat sie mich demotiviert. Mal ehrlich, zum Abnehmen brauche ich die Waage längst nicht mehr. Ich kenne meinen Körper gut genug, um zu wissen, ob das Gewicht rauf oder runter geht. Ein letztes Mal habe ich mich noch gewogen. Schließlich will man ja irgendwann den Erfolg messen können. Dann habe ich überlegt, ob ich mir einen Zeitpunkt festsetzen soll, wann ich mich wieder einmal wiege. Ich habe es gelassen. Ich würde mir nur wieder neuen Druck aufbauen.
Eine erste Wirkung konnte ich übrigens direkt feststellen. Ich habe beim darauffolgenden Abendessen nur etwa die Hälfte von dem gegessen, was ich normalerweise verdrückt hätte und hatte vor dem Fernseher dann keinerlei Lust auf Süßes - der Heißhunger, der mich die letzte Zeit begleitet hatte, war weg.
Auch am nächsten Tag war mein Essverhalten bereits anders. Ich brauchte keine Zwischensnacks und auch die Kekse von Zwergnase konnten mich nicht in Versuchung führen. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Sonntag, 8. November 2015

Lego spielen früher und heute

Bild: FreeImages.com / Dirk Ziegener
Oma hat ihn bereits hervor geholt. Den großen roten Eimer voll mit unseren Lego-Steinen von früher. Dazu eine große grüne Platte als Basis. Während Zwergnase mit einem Bagger gespielt hat, haben wir ihm den passenden Stall dazu gebaut. Das ist gar nicht so einfach. Die Statik spielt eine erhebliche Rolle, weil sonst alles auseinander fällt, wenn man das Haus hoch heben will. Man muss darauf achten, dass die Übergänge ineinander greifen. Man braucht keine Türme, man braucht Mauern. Je länger der Stein umso besser. Am meisten verwenden wir die Achter - also die Steine mit acht Noppen. Die nur halb so langen Vierer nimmt man für Ecken oder sowas. Kleinkram eben.

Dienstag, 27. Oktober 2015

Warum ich mein Essen nicht fotografiere

Dass ich im Fotografieren eine echte Lusche bin, habe ich ja bereits erwähnt. Aber selbst wenn ich das Fotografieren hinbekäme, mein Essen könnte ich dennoch nicht ablichten und in diversen Netzwerken einstellen.

Es beeindruckt mich nämlich schon, wie professionell so mancher Hobbykoch zu Gange ist. Da werden Hauptspeisen und Menüfolgen gezaubert, die einen jedes Restaurant vergessen lassen. Wie himmlisch das auch immer angerichtet ist! Wo lernt man sowas?

Als ich meine Schlank-im-Schlaf-Eiweiß-Woche durchgezogen habe, hätte ich die verschiedenen Gerichte, die allesamt lecker waren, gerne fotografiert und veröffentlicht. Allerdings hat man den Speisen das geschmackliche Highlight nicht unbedingt angesehen. Irgendwie sah alles immer pampig und unförmig aus - nicht fürs Kochbuch geeignet. Und Follower konnte man damit sicher auch nicht beeindrucken.

Mein Essen kann ich aber auch aus einem anderen Grund nicht fotografieren. Ich fürchte mich davor, wie viel am Ende des Tages zusammenkommt - vor allem, wenn es mir schwer fällt, mich an das Programm zu halten. Allerdings könnte genau das eine Motivationshilfe sein. Ich muss die Bilder ja niemandem zeigen.

Bildnachweis: FreeImages.com / Leon Nanda

Sonntag, 25. Oktober 2015

30 ist das neue 20

Bild: FreeImages.com /cstavridis
Stimmt nicht. Diese Behauptung ist eine reine Verzweiflungstat. Sonst nichts.

Wie sah denn das Leben mit 20 aus? Du bist auch bei minus 20 Grad leicht bekleidet weg gegangen, weil du dir sonst in der Disco einen Wolf geschwitzt hättest. Dir hätten die Eiszapfen von den Haaren wachsen können und du hättest nicht zugegeben, dass es draußen saukalt ist.

Mit 30 wählst du Zwiebellook, um dich jeder Temperatur von minus 50 bis plus 40 anpassen zu können. Allerdings sind die Temperaturunterschiede im Restaurant nicht so gravierend wie in der Disco. Zum Rauchen gehst du auch nicht raus, weil du es wegen der Gesundheit, den Kindern oder anderen Gründen aufgegeben hast.

Überhaupt kommt dir die Nylon-Industrie inzwischen sehr entgegen. Sagenhaft, wie sehr eine Strumpfhose dein Wohlbefinden steigern kann. Nein, Unterhemden ziehen wir noch nicht an! So weit ist es noch nicht. Aber so ein farblich passendes Top für unten drunter heißen wir mit offenen Armen willkommen.

30 ist nicht das neue 20. Das merkt man vor allem beim Ausgehen. Entweder es kommt sowieso nicht mehr vor oder dein Vorglühgetränk hat sich massiv verändert. Vorher war es Whiskey-Cola, jetzt ist es Kaffee. Schwarz. Und stark. Weil du sonst zur Tagesschau auf der Couch einschläfst.

Mit 20 konntest du problemlos drei Tage durchmachen. Heute kostet es dein Aussehen schon drei Jahre, wenn du nur daran denkst.

Du musst einfach auf deinen Körper besser Acht geben. Das, was er früher einfach so weggesteckt hat, hält er dir heute gnadenlos vor. Du musst dich mit kleinen fiesen Krankheiten herumschlagen, die du mit 20 nur vom Hörensagen kanntest oder gar nicht. Obwohl du Sport treibst und dich geschmeidig hältst, fängt es an zu zwicken oder zu zwacken. Oder du bekommst so seltsame Dinge wie eine Entzündung der Zahnwurzelhaut.

Mit 20 habe ich versucht, das meiste aus der Anlage im Auto herauszuholen. Harte Technobeats begrüßten mich, wenn ich die Zündung anmachte. Heute schallt der Biene-Maja-Tanz aus den Boxen. Und du singst auch noch mit.

Wenn dir einer sagt, mach das doch mit 30! 30 ist das neue 20! Glaub ihm kein Wort. Du bist zu alt für diesen Scheiß!

Dienstag, 20. Oktober 2015

Low Carb Pizza

Bild: Chefkoch.de / Mrs Erdnuss

Ich mag Pizza. Vor allem selbst gemacht. Doch Pizza ist das für den Abnehmwilligen, was das Weihwasser für den Teufel ist. Tu es nicht! Nein! Lass die Finger davon! Auch wenn man nicht viel an Kalorien spart, aber an Kohlenhydraten kann man sparen, wenn man zur Low Carb Pizza greift.

Low Carb meint ebenfalls den Verzicht auf Kohlenhydrate. Daher kann man hier auch das ein oder andere Rezept für Abends finden, wenn man SiS verfolgt. Das Geheimnis der Low Carb Pizza liegt im Boden. Sie ist nicht aus gewöhnlichem Teig, sondern auf der Basis von Thunfisch, Hüttenkäse und Ei. Zum Rezept gehts hier lang.

Thunfisch? Wäh! Igitt! Ja, ich hatte auch meine Vorbehalte. Vor allem, weil Thunfisch nun nicht zu meinen Leibspeisen zählt. Andere berichten, dass der Boden damit nur knatschig wird und mit einer richtigen Pizza so gar nichts gemein hat. Bei diesem Rezept ist dies nicht der Fall.

Es ist super einfach und es gibt einen schönen festen Boden. Durch den Hüttenkäse oder körnigen Frischkäse kommt auch der Thunfischgeschmack nicht sooooo durch. Zumindest wenn man mit dem Essen beginnt. So nach und nach erreicht er dann doch die Geschmacksnerven und dann wird es für Thunfisch-Verweigerer brenzlig.

Zu dick belegen kann man die Pizza auch nicht. Man muss auf alle Fälle darauf achten, keine "knatschigen" Lebensmittel zu verwenden. Tomaten sind da zum Beispiel schlecht. Aber ansonsten kann man sie nach Herzenslaune belegen.

Insgesamt schon eine gute Sache, muss ich zugeben. Dennoch wird es durch den Eigengeschmack eine richtige Pizza niemals ersetzen. Vielleicht sollte man sich ab und an dann doch eine Pizza vom Italiener gönnen. Man lebt schließlich nur einmal...

Sonntag, 18. Oktober 2015

Die dunkelsten Abgründe der Seele

Bild: FreeImages.com / Alvaro Reyes
Ich werde mich nicht an das Datum erinnern können. Aber sicher an den Wochentag und an die Uhrzeit. Es war ein Donnerstag. Es war die Zeit zwischen 7.50 und 8.10 Uhr. Zwanzig Minuten, die mir die dunkelsten Abgründe meines Seins offenbart haben. Zwanzig Minuten, in denen ich zu roher Gewalt fähig gewesen wäre. Nur meine Schnelligkeit und Entschlossenheit haben Schlimmeres verhindert. Es war der Donnerstag, an dem es bei Lidl Schneeanzüge und andere Winterkombinationen für Kleinkinder gab.

Als ich mein Auto auf dem Parkplatz abstellte, warteten bereits etwa fünf ältere Damen vor dem Eingang mit ihren Wägelchen. Zunächst war ich erleichtert. Ohne Wagen und ohne Kind war ich sicher schneller als diese Schabracken. Ob die wegen des Kinderzeugs da waren, war ohnehin fraglich. Nach und nach kamen jedoch Mamis mit ihren Kindern. Genau in Zwergnases Alter! Es handelte sich eindeutig um Gegner, die ausgeschaltet werden mussten. Ich würde mich zwischen den Wägen des Altersheims durchdrücken müssen und zügig zu den Wühltischen vorpreschen. Jetzt war nicht die Zeit, um auf Äußerlichkeiten oder Anstand zu achten. Jeder ist sich selbst der Nächste!

Die Minuten verstrichen quälend langsam. Die Luft war energiegeladen. Ich war mit meinem Teufelchen auf der Schulter nicht allein. Es wird ein unfairer und harter Kampf werden. In den wenigen Minuten vor der Ladenöffnung beäugte jeder seine Konkurrenten. Es herrschte eine greifbare Anspannung. Es war die Ruhe vor dem Sturm. Plötzlich sprach mich eine ältere Dame an, was es wohl bei Aldi gibt. Dort sei sie eben vorbeigefahren und es stünden viel mehr Menschen vor der Tür als hier. Ich lächelte sie freundlich an, zog mein Smartphone hervor und lud die Aldi-App. Die Frau sah wie ein kleines Kind aus, das zum allerersten Mal einen Zaubertrick sieht. Leider zerstörte die wirklich nette Dame meine Hoffnungen. Sie war wegen einer der Schneejacken- und Schneehosenkombis da. Ich gab zu, wegen des Anzuges da zu sein. Es war nur kurz, aber auch ihr entglitten die Gesichtszüge, wägte sicher ihre Chancen mir gegenüber ab. "Welche Größe?", fragte sie noch kurz angebunden. "98/104", gab ich zur Antwort und die Situation entspannte sich. Sie brauchte eine andere Größe. Wir waren keine Konkurrenten.

Man hätte vielleicht noch eine Allianz schließen können, aber nun war der Startschuss gefallen. Die Ladentüren öffneten sich und ich legte einen guten Start hin. Zwei von fünf Einkaufswägelchen überholte ich sofort, eine weitere Kundin trickste ich mit einer Abkürzung durch einen Gang aus. Aber verdammt! Eine hatte ich übersehen. Sie war schneller. Wahrscheinlich trainierte sie häufiger als ich. Ich verschwendete keinen Gedanken mehr an sie. Ich wusste ja gar nicht, warum sie hier war. Noch um eine Ecke... und da waren sie! Die Wühltische! Meine Konkurrentin steuerte auf die Winterstiefel zu. Nur ein kurzer Blickkontakt und der Nichtangriffspakt war besiegelt. Ich hatte Glück. Die Schneeanzüge lagen gleich im ersten Korb. Oben auf die richtige Größe. Ich riss gerade zwei Exemplare an mich, als der Seniorenclub schnaufend um die Ecke bog. Darunter auch die nette Dame von draußen, aber sie war mir egal. Ich musste meine Beute sichern, denn ich hatte mir sagen lassen, dass sie einem auch aus der Hand gerissen werden könnte.

Wirklich durchatmen konnte ich erst, als ich meine Beute im Auto hatte. Für diese Schneeanzüge hätte ich einer alten Frau wahrscheinlich auch ein Bein gelegt!

Dienstag, 13. Oktober 2015

Was muss, was kann? - Anpassung von Schlank im Schlaf

Bild: FreeImages.com / Christian Kitazume
Schlank im Schlaf (SiS) schreibt ja doch sehr klar vor, was man darf und was man nicht darf.

Morgens darf man nur Kohlenhydrate.
Dazwischen darf man 5 Stunden lang nichts.
Mittags darf man Kohlenhydrate und Eiweiß gemischt.
Dazwischen darf man 5 Stunden lang nichts.
Abends darf man nur Eiweiß.
Danach darf man nichts.

Natürlich formuliert das Buch das irgendwie positiver, aber an den Vorgaben ändert das ja nichts.

Die Frage ist nun, muss ich mich wirklich an alles genauso halten? Muss ich genau ausrechnen, wieviel Eiweiß und wieviel Kohlenhydrate ich benötige?

Im Prinzip schon. Allerdings folge ich da dem Prinzip einer anderen Abnehmmethode. Um dauerhaft seine Ernährung umzustellen, sollte man lediglich soviel wie nötig umstellen. Das heißt, so lange man mit einer Umstellung abnimmt, braucht man eigentlich nicht mehr zu verändern. Sonst schreckt man nur das Gewohnheitstier.

Als ich vor einigen Jahren mit Schlank im Schlaf begonnen hatte, hatte ich lediglich auf die Kohlenhydrate abends verzichtet. Gefrühstückt hatte ich noch nie. Mittags habe ich mir die Kohlenhydratbeilage (Nudeln, Kartoffeln, Reis) nach der vorgegebenen Tabelle abgewogen, um einen Blick für eine normale Portion zu bekommen. Also zwei Umstellungen, die sich wunderbar umsetzen ließen. Die ersten fünf Kilo gingen damals wirklich nur damit wie von allein. Mehr war nicht nötig! Ja, warum denn dann was ändern?

Weil sich der Körper dran gewöhnt. Man muss ihn immer wieder einmal triezen. Nach diesen ersten fünf Kilos ging gar nichts mehr. Ich war am Verzweifeln. Doch der Schlüssel zu den nächsten Kilos war nicht schwer zu finden. Bisher hatte ich die Bewegung vernachlässigt! Also ging ich jeden zweiten Tag etwa eineinhalb Stunden spazieren - heute ist es eine gute Stunde Nordic Walking. Ohne diese Komponente geht schon längst nichts mehr. Bewegung gehört nun mal dazu.

Ich kenne die Vorgaben von SiS auswendig. Alle. Dennoch fahre ich mit meinem System recht gut. Langsam immer mehr berücksichtigen. Den Körper etwas ärgern, indem man immer wieder etwas umstellt. Inzwischen beherzige ich sehr viele der Regeln. Ja, vor ein paar Wochen habe ich sogar begonnen zu Frühstücken - allerdings hatte ich das Eiweiß nicht ganz vom Teller verbannt. Warum auf den Latte verzichten, wenn es auch so geht? Eben!

Es ist aber auch so, dass es umso schwieriger wird, je näher man dem körpereigenen Wohlfühlgewicht kommt. Das ist übrigens meiner Meinung nach nicht mit einer Formel zu errechnen, sondern genau das Gewicht, das man relativ problemlos halten kann, ohne zuviel auf die Ernährung achten zu müssen.

Wenn du also mit SiS starten möchtest, beginne mit dem Kohlenhydratverzicht am Abend, dem Abwiegen der Beilagen und den Essenspausen zwischendurch. Du wirst erst einmal ganz ohne Sport Gewicht verlieren!

Sonntag, 11. Oktober 2015

Einräumanleitung für den Geschirrspüler

Bild: FreeImages.com / Petria Follett
Ich bin kein großer Fan von Hausarbeit. Ich tue eben, was getan werden muss. Eine der langweiligsten Aufgaben ist zum Beispiel das Ausräumen des Geschirrspülers. Ja, ja, ich weiß. Soll man mal froh sein, wenn man einen hat. Ist mir egal. Hier geht es um Luxusprobleme! Weil ich mir nämlich keinen leisten kann, der das Ding für mich ausräumt. Nun hilft jammern ja bekanntermaßen nur wenig. Man kann lediglich versuchen, es sich so einfach wie möglich zu machen. Unter der Prämisse, dass man selbst aktiv wird und die Aufgabe nicht einfach delegiert.

Als zeitsparend hat sich das Sortieren erwiesen. Tasse zu Tasse, Glas zu Glas, flacher Teller zu flachem Teller, tiefer Teller zu tiefem Teller und so weiter. Sperriges Kochgut, das zum lediglichen Vollmachen und aus der Lustlosigkeit des händischen Abwasches heraus in die Maschine gestopft wird, darf dazwischen verteilt werden. Hier bedarf es ohnehin des Meisters in Tetris, um möglichst viel heraus zu holen... äh... hineinzustopfen. Ach, wie auch immer. 

Eigentlich braucht es keine Erläuterung, dass man so mit wenigen Handgriffen gleich mehrere Teile auf einmal entnehmen und aufräumen kann, was diese unliebsame Aufgabe eben recht schnell erledigt sein lässt. 

Manchmal glaube ich, dass mein Mann vor dem Geschirrspüler steht und in ihm das perfekte Mordwerkzeug sieht. Wenn man das Besteck nämlich ganz durcheinander in den Korb steckt, wird sich frau irgendwann die Pulsadern beim Ausräumen aufritzen.Wenn die Messer wieder zwischen den kleinen Kuchengabeln stecken und die Schneiden in alle Richtungen zeigen. Kennst du eigentlich Saw? In einem der Folgeteile wird bestimmt einer gefoltert, indem er den Geschirrkorb leeren muss!

Und dann denke ich wieder, dass es meinem Mann einfach egal ist, wie lange man zum Ausräumen des Geschirrspülers braucht und er deshalb keinen Gedanken daran verschwendet, dass Besteck lieber in Rudeln unterwegs ist. Man. Sieht man doch, wenn man in den Besteckkasten schaut!

Dienstag, 6. Oktober 2015

Die Basis-Zutaten der SiS-Küche

Bild: eigene
Nun nenne ich ja drei Rezeptbücher von Schlank in Schlaf (SiS) mein eigen. Hin und wieder probierte ich bisher was aus, befand auch, dass es lecker schmeckt und dann verstaubten die Bücher wieder im Regal. Das Problem ist hier eindeutig das Gewohnheitstier, auch bekannt als innerer Schweinehund.

Für meine bisherige Küche brauchte ich keinen Einkaufszettel. Ich habe im Kopf, was ich brauche und plante das Essen so Pi mal Daumen. Ging bisher immer gut und bedeutet wenig Aufwand. Wenn ich aber eine Woche nach Rezept kochen wollte, hieß das, dass ich erst einmal drei Kochbücher nach Rezepten durchblättern und mir die Zutaten extra aufschreiben musste. Soviel Aufwand sei das auch wieder nicht? Nein, sicher nicht, aber mehr Aufwand als bisher und das ist gefährlich. Denn es entspricht nicht der Gewohnheit - ein Abbrechen ist daher sehr wahrscheinlich.

Dauerhaft nach den SiS-Rezepten zu kochen, erfordert also die Etablierung einer neuen Gewohnheit. Dazu gehört zu allererst, dass ich die Rezepte übersichtlich alle zur Hand haben muss und zwar ausschließlich die, die mir auch zusagen. Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht, einen Karteikasten mit Rezepten anzulegen. Auf der Rückseite finden sich die Zutaten, auf der Vorderseite die Kochanleitung und die Kennzeichnung, ob es sich um ein Mittags- oder Abendrezept handelt.

Aber warum überhaupt nach Rezept kochen? Erstens kann man natürlich frischen Wind in den alten Trott bringen. Wichtiger ist allerdings, dass man wieder ein Gefühl für die richtigen Portionen bekommt. In meinem Fall ist es tatsächlich so, dass ich überrascht war, wie "wenig" für zwei Portionen benötigt wird - obwohl das doofe Buch immer betont, wieviel man essen dürfe. Danke, für die Klatsche. Ich bin ein Vielfraß. Aber geknicktes Ego mal beiseite: Irgendwo müssen die paar Pfunde zu viel ja herkommen und ein Sprichwort sagt: "Ein leerer Sack steht nicht!"

Mit den Rezepten lernt man also wieder das richtige Maß und wird feststellen, dass es tatsächlich einen Zustand gibt, in dem man satt, aber nicht überfressen ist. Dies liegt unter anderem wohl auch an der Zusammensetzung der Gerichte. Es wird in jedem auf eine ordentliche Gemüseportion geachtet und auf ein gutes Verhältnis zwischen den verschiedenen Nährstoffen.

Aufpassen muss man lediglich, dass man seine eigenen Mengen anpasst. In den Rezepten sind Durchschnittswerte angegeben, aber gerade die Kohlenhydrat- und Eiweißmengen sollten separat berechnet werden, In jedem der SiS-Bücher findet sich eine Anleitung dazu.

Irgendwann hat man schnell heraus, was man im zum Kochen im Kühlschrank haben sollte und das Einkaufszettelschreiben fällt wieder weg.

Die wichtigsten Zutaten sind wohl fettarmer Frischkäse, Magerquark, Schmand/Crème légère/Saure Sahne und Hähnchen-/Putenfleisch. Gemüse kaufe ich viel als Tiefkühlprodukt, weil es durch die Lagerung keine Vitamine einbüßt. Auch körniger Frischkäse findet sich eigentlich immer im Kühlschrank, sowie Naturjoghurt. Damit liegt man sicher nicht falsch.

Sonntag, 4. Oktober 2015

Hoch hinaus

Bild: FreeImages.com / Helmut Wattrott
"Zieht ihr um?"
"Nein, wieso?"
"Wo ist deine Deko hin?"

Ja, meine Deko. Ich hab sie recht gerne gemocht. Vor allem im Herbst und zu Weihnachten. Kleine Arrangements mit Stoff und Figuren, manchmal auch Streudeko. Hier ein Windlicht und da eine kleine Kerze. Dort auf dem Regal und hier auf der Fensterbank. Jetzt ist dort nichts. Nada. Wüste. Einöde. Gähnende Leere.

Es ist nicht so, dass ich plötzlich ein Anhänger des Minimalismus wäre. Ich bin pragmatisch. Dekofiguren sind meistens bunt und lachen in die Gegend. Sie sind aus Glas, Keramik oder einem anderen nicht bruchsicheren Material. Dekofiguren üben einen sehr großen Reiz aus - vor allem auf Zwergnase.

Erklär mal einem Kleinkind, dass es mit diesen bunten Dingern nicht spielen darf.
Erklär mal einem Kleinkind, warum Mama Streudeko verteilen darf, aber das Kleinkind nicht.

Ich habe es aufgegeben. Ich habe es auch aufgegeben, tausendmal "Nein!" zu sagen oder "Nur anschauen!" Es bringt sowieso nichts. Es kostet nur Nerven. Und Staubsaugerbeutel. Das betrifft im Übrigen nicht nur Deko.

Deshalb freue ich mich darauf, wenn Zwergnase älter ist und nicht mehr überall hintatscht. Dann werde ich eine Menge Stauraum haben. Denn sämtliche Regale auf seiner Höhe sind nahezu leer. Was wichtig ist und nicht kaputt gehen darf, muss hoch hinaus. Gar nicht so leicht, wenn er es inzwischen auch verstanden hat, sich Hilfe in Form eines Hockers zu holen.

Aber dieses Jahr sieht es nicht mehr so aus, als würden wir demnächst umziehen. Ich habe mich getraut und dekoriert. Aber so, dass Zwergnase nur schauen, nicht tatschen kann. Denn wenn seine Augen leuchten, wenn sich der Drache im Wind dreht oder das LED-Kerzenlicht im Kürbis flackert, dann leuchten Mamas Augen mit - zumindest bis Zwergnase betreten "Oh!" sagt...

Dienstag, 29. September 2015

Waagemutig

Bild: FreeImages.com / peter_w
Abnehmen ohne Waage geht ja mal gar nicht. Leider. Denn dieses vermaledeite Gerät entscheidet bei mir meist über die Laune des ganzen Tages. Obwohl ich genau weiß, dass sie nicht nur weniger anzeigt, sondern auch mal wieder mehr oder still steht und die Anzeige wie festgenagelt scheint. Eigentlich ist eine Waage wie ein Mann. Man behält sie nur, weil sie einem auch mal die Seele streichelt, obwohl man sie die meiste Zeit aus dem Fenster werfen könnte.

Jeder Abnehmwillige fragt sich unweigerlich, wann der beste Zeitpunkt ist, seine Waage zu besteigen. - Oh, pardon...
Morgens, mittags, abends? Täglich, wöchentlich oder gar monatlich? Ich bin täglich waagemutig. Jeden Tag in der Früh stelle ich mir der hohen Gerichtsbarkeit. Obwohl ich schon versucht bin, es dieses Mal mit der wöchentlichen Methode zu versuchen. Hebt vielleicht die Laune - oder eben auch nicht. Muss ich einfach testen. Denn beim täglichen Wiegen erhält man ja schon Rückmeldung, ob man den richtigen Kurs eingeschlagen hat. Natürliche Schwankungen hat man immer. Wiegt man sich nur einmal wöchentlich, kann das sehr frustrierend sein, wenn sich vermeintlich nichts getan hat. Letztens wog ich morgens zum Beispiel ein Kilo mehr als abends! Sehr ungewöhnlich. (Hust, ja, manchmal wiege ich mich mehrmals täglich. Vor allem dann, wenn das Ergebnis morgens sehr frustrierend war.)

Ich verwende übrigens nicht so ein vorzeitliches Teil wie auf dem Bild, sondern eine ganz stinknormale digitale Waage ohne besonderen Schnickschnack. Eine Nachkommastelle und keine Körperfettmessung oder sowas. Das tut es doch völlig! Nur, weil ein Hightech-Gerät im Bad steht, geht es auch nicht schneller!

Das Wiegen gehört für mich eigentlich schon zur täglichen Routine wie Zähneputzen und Haare stylen. Nur am Tag danach - also nach einer Fressorgie - ignoriere ich die Waage. Strecke ihrem frech grinsenden Antlitz allemal die Zunge entgegen. Hochnäsiges Dingens...

Sonntag, 27. September 2015

Erlebe Sport

Bild: FreeImages.com / Peter Skadberg
"Erlebe Sport." steht auf dem neuen Werbeplakat des Fitness-Studios. Es fällt mir auf, als ich vorbei walke. Weil man in einer Stunde Walking nicht unbedingt seinen Geist beansprucht, denke ich darüber nach. "Erlebe Sport." Es kommt dem Drang heutzutage entgegen, immer und überall etwas erleben zu müssen. Sonst würde man ja glatt sein Leben vergeuden.

Solche Slogans leben auch von der individuellen Vorstellung des einzelnen. Durch das Erlebnis wird das Fitnessstudio in eine positive Betrachtung geschubst. Sport als Erlebnis. Sport als etwas Außergewöhnliches. Sport als etwas Aufregendes. Das soll wohl mit "Erlebe Sport." transportiert werden.

Ich war bisher in zwei Fitnessstudios angemeldet. Ist Sport im Fitnessstudio wirklich ein Erlebnis?
Man kommt an und betritt es mit einer dicken Jacke. Es trifft einen fast, wenn einem die Mischung aus Schwüle und Schweiß entgegen schlägt. In den Umkleidekabinen hängt der Mief aus Körperausdünstungen, die mit billigem und süßem Deo übertüncht werden sollen. In der rechten Ecke bieten eine Reihe Sportschuhe ein vorzügliches Käseangebot. Zwischen den Menschen herrscht eine Atmosphäre wie im Fahrstuhl. Begrüßungen und Verabschiedungen werden allenfalls genuschelt. Wobei das Gesprochene nur erahnt wird, mit den Kopfhörern im Ohr versteht dich eh keiner.

Während du auf der Suche nach dem ersten Trainingsgerät das Studio durchschreitest, wirst du von oben bis unten gemustert. Wie auf dem Viehmarkt. Schlimmer als in der Disko. Da stehe ich ja lieber mit 30 Kilo Übergewicht bei McDonalds an der Kasse. Von besser Trainierten wird man nur abschätzig gemustert, wie man da mit seinem Wasserfläschchen und dem Handtuch vorbei geht. In der Muckiecke wird sich derweil der Bizeps geküsst, zwischendurch vom Eiweißshake genippt.

Während man so auf die Anzeige des Crosstrainiers starrt, bemerken die Augenwinkel, dass eigentlich keine Sau das Desinfektionsmittel zum Reinigen der Geräte verwendet. Das Handtuch liegt meistens irgendwo daneben und auf den Lehnen und Sitzflächen sieht man Schweißflecken glänzen. Ist ja super. Da kriegt man so richtig Lust auf Muskeltraining.

Wie trainiert man Muskeln eigentlich richtig? Tja, musste wohl die Auskunft anrufen. Nach der Einweisung in die Geräte interessiert dein Trainingsprogramm keinen der "Trainer" mehr. Denn die Trainer müssen ja die Eiweißshakes für die Mucki-Männer mixen.

Die Zeit verrinnt nur langsam. Die Übungen sind langweilig. Die Luft steht. Und irgendwie merkt jeder, dass du nicht zu den Fitnessfanatikern, sondern zu den "Vorsätze für das neue Jahr"-Anmeldungen gehörst.

Ja, im Fitnessstudio erlebt man Sport. Vor allem, wie er mieft.

Dienstag, 22. September 2015

Meine Motivation sah ich letztens noch winken... Dann war sie weg.

Bild: FreeImages.com /Michael Sanchez
Langfristiges Abnehmen braucht Motivation. Viel Motivation. Und Disziplin. Man wäre kein Mensch, wenn das immer so einfach wäre. Damit man nicht auf halber Strecke aufgibt, kann man sich ja so Motivationstipps ansehen, die an jeder Ecke lauern.

Sowas wie sich ein Bild an den Kühlschrank zu hängen, auf dem man besonders fett aussieht. Ich weiß nicht. Auf mich würde das eher deprimierend wirken. So als ob ich sowieso machen könne, was ich wolle, es wird sich nie was ändern. Und um die Tränen zu trocknen, gehe ich halt dann an die Schoko-Schublade.

Ein anderer beliebter Tipp ist, sich ein Kleid oder eine Hose in seiner Wunschgröße zu kaufen. Man hätte dann ja schon Geld ausgegeben. Der Ansporn soll sein, dass dies nicht umsonst war. Zum Glück bin ich noch nie auf diesen Tipp hereingefallen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er funktioniert. Ich würde mir nämlich das Kleidungsstück viel zu klein kaufen, weil man in der Regel erst einmal zuviel will. Die Kilos beginnen zu purzeln und auf einmal schraubt man sein Zielgewicht noch weiter nach unten. Aber bis man dahin kommt... hat man schon längst vergessen, was da für ein Kleid im Schrank hängt. Notfalls kann man es ja weiterverkaufen oder verschenken. Man hat ja Möglichkeiten.

Wie sich nun aber motivieren? Wenn die Motivation nicht da ist, ist sie gewissermaßen weg. Da kann man an der Tür klingeln, soviel man will, es wird keiner aufmachen. Im Leben gibt es eben oft Durchhänger, die die Ernährung und das Gewicht in den Hintergrund rücken lassen. Oder man hat zwischendurch einfach die Schnauze voll. Dann sollte man einfach darauf achten, nicht wieder zuzulegen. Irgendwann steht die Motivation nämlich wieder an der Tür und lacht dich an, als sei sie nie weg gewesen. Und dann geht es weiter. So einfach ist das mit der Motivation!

Sonntag, 20. September 2015

Höchststrafe für den Langschläfer

Bild: FreeImages.com / Dore Ryniss
Ich liebe Zwergnase. Über alles. Wirklich. Aber mit einer seiner Eigenschaften komme ich wirklich überhaupt nicht klar. Er steht viel zu früh auf. Das ist wirklich mit Abstand das Schlimmste am Elternsein für mich. Mein Bett und ich waren ziemlich beste Freunde, würde ich sagen. Doch seit Zwergnase auf der Welt ist, trifft die Beschreibung "Schlaflos in Deggendorf" wohl eher auf mich zu.

Das Hauptproblem ist wahrscheinlich das mütterliche Reaktionsgen. Ich will einfach mal behaupten, dass dies bei mir besonders gut ausgeprägt ist. Es äußert sich folgendermaßen. Wenn ich gegen 22 Uhr ins Bett gehe, kann ich nicht einschlafen, obwohl ich müde wie ein Stein bin. Ich wälze mich hin und her und lausche immer wieder, ob nicht Geräusche aus dem Kinderzimmer dringen.

Irgendwann werden die Lider dann doch schwer. Ich wälze mich noch dreimal hin und zurück und merke, dass es jetzt gleich so weit ist. Pure Erleichterung macht sich in mir breit, nun endlich einschlafen zu können -  als würde mir nun endlich jemand zuflüstern "Deine Lider werden ganz schwer. Du merkst, wie dich der Schlaf davonträgt..." oder was auch immer solche Entspannungsdinger dahin faseln. Und es ist immer, wirklich genau immer genau dieser Moment, wenn ich wirklich einschlafe, in dem das Babyphon anspringt und Zwergnase brüllt. Weil er sich den Kopf gestoßen hat, die Decke weggestrampelt hat und friert oder die Decke nicht weggestrampelt hat und schwitzt. Wie mans macht, macht mans verkehrt. Mama springt also auf, trägt den Zwerg in ihr Bett, geht nochmal schnell aufs Klo und kuschelt sich zu ihrem Spross, der artig sofort weiter schläft, als wäre überhaupt gar nichts gewesen. Und Mami? Ist hellwach. Wieder. Der Sekundenschlaf zuvor hat gereicht, um mich mindestens eine Stunde weiterwälzen zu lassen.

Wenn ich nach dieser Stunde ausgewälzt habe und wieder am Einschlafen bin, schläft Zwergnase genau so lange, dass er anfängt, im Bett herumzuwandern. Mitunter setzt er sich auch wie ein Schlafwandler auf, um sogleich wieder umzufallen. Mit seinem harten Schädel treffsicher auf Mamas Nase. Er spielt aber auch gerne Propeller und dreht sich wie ein Kreisel im Bett. Wo er dafür mit den Füßen ansetzt, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

Und irgendwann ist es Morgen. Zwergnase setzt sich auf, strahlt dich an und ruft mir "Mama! Brille!" entgegen. Der Zeitpunkt, an dem ich mich endgültig von meinem Bett verabschieden kann. Es handelt sich sozusagen um den Point of no return und sehnsüchtig werfe ich meinem Kissen einen letzten Blick zu. Aber ich bin mir sicher, dass ich mich rächen werde. In 15 Jahren etwa werde ich am Sonntagmorgen Staubsaugen und Schnitzel klopfen und alles andere, was Krach macht. Und wenn Zwergnase sich dann das Kissen über den Kopf zieht und stöhnt "Mama, muss das sein?", dann werde ich grinsen. Von einem Ohr zum anderen. Jawohl.

Dienstag, 15. September 2015

Eiweißrezepte für Abends

Bild: FreeImages.com / Luis Cuellar
Wenn ich erkläre, warum ich abends auf Kohlenhydrate verzichte, starre ich meist in große Augen. Kurz darauf kommt dann immer die Frage: Und was isst du dann so? Für viele ist es unvorstellbar, das Brot oder die Semmeln wegzulassen. Ob mir die nicht fehlen? Natürlich fehlen mir die! Aber meine Abnehmmotivation ist halt stärker.

Was kann man denn nun abends so speisen. Einerseits bieten natürlich die SiS-Rezeptbücher eine sehr, sehr große Auswahl. Allerdings handelt es sich dabei meist um warme Gerichte und nicht jeder hat mehr Lust, abends zu kochen. Ich koche abends allenfalls mal eine Suppe - auch hier bieten die Kochbücher eine große Auswahl. Meine Lieblingssuppe ist die Zucchini-Suppe. Es gibt aber zahlreiche Alternativen.

Insgesamt bin ich jedoch ein Fan von "Kühlschrank auf - Kühlschrank zu". Abends muss es schnell gehen. Es folgt eine Auswahl, was abends alles in Frage kommt:

  1. Tomate-Gurke-Mozzarella-Salat mit einem italienischen Dressing (Achtung! Mozzarella light)
  2. Tomate-Gurke-Feta-Salat 
  3. Eiersalat aus drei Eiern - drei Eier sind auch eine Mahlzeit
  4. Hähnchenfilet in verschiedenen Marinaden (vorgegart, warum und kalt essbar von Aldi) mit Dip (Tsatsiki oder Kräuter, gekauft oder selbstgemacht. Selber machen: Magerquark und/oder fettarmen Joghurt verwenden)
  5. Magerquark mit Zimt und Süßstoff
  6. Magerquark mit Kokosflocken und Süßstoff
  7. Gemüsesticks mit Dip (siehe oben)
  8. Lachs auf Gurke (Gurke ist sozusagen der Brot-Ersatz)
  9. Salat mit Hähnchenstreifen (gibt es fertig)
  10. Kleine Portion Wurstsalat mit Ei und Käse (tagsüber schon etwas am Fett sparen!)
  11. Rührei mit Champignons oder anderem Gemüse
  12. Omelette mit Gemüse
  13. Spiegelei mit Spinat
  14. Camembert selbst im Ofen backen und auf Tomaten (oder anderem Gemüse) anrichten, Light-Version verwenden und nicht den Backcamembert, der hat zuviele Khs.
  15. Broccoli-Schlemmerfilt von Netto
  16. Einen Becher körnigen Frischkäse mit Tomaten und Schnittlauch
  17. Einen Becher körnigen Frischkäse mit Zimt und Süßstoff als falschen Milchreis
  18. Kalter, magerer Braten
  19. Hering in Gelee
  20. Selbst gemachte Frikadellen ohne Semmeln
  21. Broccoli-Gratin (fettarme Zubereitung)
Das sind nun 21 Möglichkeiten, die ich mir überwiegend selbst zusammen gebastelt habe, indem ich das Kühl- und Fleischregal abgewandert bin und die Nährwertangaben studiert habe. Ich gebe zu, bei manchen Vorschlägen braucht es dann schon Disziplin, nichts anderes mehr zu essen. Andere wiederum machen ordentlich satt. Meist kombiniere ich so, dass es zum Mittagessen passt. Wenn ich Mittag also eher ein Schlemmerrezept hatte, gibt es am Abend halt nur noch einen Becher Frischkäse.

Wem das zu wenig ist, wird letztendlich mehr Zeit investieren und sich an den Kochrezepten bedienen müssen. Wer sich gar nicht damit anfreunden kann, auf Brot zu verzichten, kann noch Eiweißbrot ausprobieren. Mir ist es jedoch zu teuer und es hat mir auch zu viele Kalorien. 

Wer sich auch damit nicht anfreunden kann, für den ist SiS dann einfach nicht die richtige Abnehmmethode. Denn am Kohlenhydrat-Verzicht kommt man nicht vorbei. Ich würde ihn als die wichtigste Säule des Programms bezeichnen.

Sonntag, 13. September 2015

Mein Kräutergarten

Bild: eigene
Nachdem die Küche renoviert ist, altes Gerümpel entsorgt oder im Keller zwischengelagert ist, kam ich auf die glorreiche Idee, mir einen Kräutergarten anzulegen. Besser gesagt einen Küchenkräutergarten. Wenn ich das Kraut nicht griffbereit habe, verwende ich es auch nicht.

Nach einigem Überlegen und dem Eingeständnis, dass mein grüner Daumen ja nun nicht so ausgeprägt ist, habe ich mich dazu entschlossen, den Garten dennoch zu wagen.

Bei Amazon habe ich eine dreistöckige Kräuterampel erstanden und sah sie im Geiste schon ihren betörenden Duft verströmen. Wie in einer Lebensmittelwerbung sah ich mich vorsichtig durch die Pflanzen streichen und glücklich am Herd stehen, während ich liebevoll die Kräuter in die Pfanne rieseln lasse und dann tief einatme, um das Aroma aufzunehmen.

Dass es mir egal war, dass wir schon August hatten und es sich nun nicht unbedingt um die beste Jahreszeit zur Aussaat handelt, lassen wir mal unter den Tisch fallen. Vor ein Problem stellte mich jedoch die Platzierung des Kräutergartens. Drei von den neun Pflanzen würden immer zu wenig Licht haben. Also so wenig, dass es auch nicht hilft, die den Schatten bevorzugenden Kräuter nach hinten zu setzen. Aber der Glaube versetzt bekanntlich Berge und lässt vor allem Kräuter wachsen. Basilikum, Schnittlauch, Petersilie, Rosmarin, Thymian, Kresse, Dill, Oregano und Minze sollten es sein. Mit Liebe habe ich die Samen gesät und festgestellt, wie aromatisch sogar diese aus der Tüte duften, habe Schilder gebastelt und die Erde gegossen. Die Gießkanne habe ich neben dem Garten positioniert, um die armen Pflänzchen nicht verdursten zu lassen, was ihnen bei mir ja durchaus blühen kann...

Meine Motivation wurde eindeutig von der Kresse unterstützt. Das anspruchslose Gewächs trieb schon am nächsten Tag aus und sprießte nur so nach oben - um dann aber irgendwie kümmerlich zu vergehen. Die anderen Triebe waren vor allem eins - mager, dünn und noch verletzlicher. Irgendwann passierte gar nichts mehr. Die Kresse teilte mir sogar mit, dass sie eher auf Watte gedeiht als in meiner Erde! Undankbares Miststück.

Das obige Bild habe ich übrigens selbst gemacht. Darauf abgebildet ist auch mein Kräutergarten. Dem Supermarkt sei Dank gedeiht er doch noch.

Dienstag, 8. September 2015

Mein Programm - Schlank im Schlaf (SiS)

http://amzn.to/1JkQz2e
Wer mich kennt, kennt auch mein Abnehmprogramm. Ich bin damit eigentlich immer wieder erfolgreich und es funktioniert zuverlässig - Schlank im Schlaf (SiS). Wie? Immer wieder? Ja, wie bei allen anderen Diäten auch nimmt man halt wieder zu, wenn man damit aufhört. Weil man in alte Gewohnheiten zurückfällt. Oder weil die Lebensumstände einem das Essen halt mal egal sein lassen. Ich finde übrigens den "Bestseller-Diät" auf dem Cover recht lustig. Denn selbst im Buch wird davon gesprochen, dass es sich bei dem Programm um eine Ernährungsumstellung handele.

Das würde auch stimmen, wenn man das blöde Gewohnheitstier einfach mal an der Autobahnraststätte aussetzen würde. Soll sich doch ein anderer damit rumärgern. Gerade, wenn man sich an die Rezepte halten würde, die im Basisbuch und den Rezeptbüchern enthalten sind, müsste man tatsächlich keinen Hunger leiden. Aber dazu in einem späteren Post mehr.

In meinem Besitz befinden sich also das Basisbuch, das Kochbuch und die 20-Minuten-Küche. Alle bei Weltbild erstanden, da waren sie etwas günstiger. Es gäbe auch noch eine Ausgabe für Berufstätige, eine für Frauen und ein Vegetarierkochbuch. Ich bin kein Vegetarier und mir reichen deshalb die fleischlosen Rezepte in meinen Büchern aus. Die Ausgabe für Frauen würde mich noch immer reizen, aber ich bezweifele, dass sie mir so viele neue Erkenntnisse bringt, damit der Preis gerechtfertigt ist. Diverse Rezensionen bestätigen meine Annahme.

Es gibt derweil auch einen Online-Coach, einen Shop, um sich Eiweißbrotmischungen zu bestellen und anderen Pipapo. Auf dem Cover hier habe ich nun entdeckt, dass es auch eine App gibt. Die werde ich mal testen. Bisher war ich ja nicht so der App-Typ, gerade weil ich mit meinen drei Büchern hervorragend zurecht komme und Erfolge erziele - ohne mein Essen zu dokumentieren.

Schlank im Schlaf wird auch als Insulin-Trennkost bezeichnet. Morgens Kohlenhydrate, mittags Mischkost (Kohlenhydrate + Eiweiß) und abends nur Eiweiß, was die Pfunde über Nacht schmelzen lässt. (Ja, richtig. Schmelzen lässt statt schmelzen lassen soll. Es funktioniert nämlich.) Das heißt, dass es am Abend keine Brotzeit gibt. Aber man gewöhnt sich an alles.

Als weitere "Regel" gilt: 5 Stunden zwischen den Mahlzeiten. Aber mei, wenn es mal eine Stunde mehr oder weniger ist, gefährdet das den Erfolg auch nicht. Alles schon ausgetestet. Man muss ja nicht immer so fanatisch an die Sache gehen.

Ich esse schon seit Jahren nach SiS und habe demnach auch schon viel experimentieren können, was noch funktioniert und was nicht. Ich bin jüngst einer Facebook-Gruppe zum Programm beigetreten und musste auch gleich den Kopf schütteln. Aber auch dazu später mehr. Es reicht vorerst zu wissen, dass man auch mal fünfe grade sein lassen kann und die Kirche im Dorf stehen darf.

Sonntag, 6. September 2015

Der Superheld

Mit müden Augen schlurfte Karl zum Briefkasten. Nachlässig fiel sein Bademantel von den hängenden Schultern, der lauwarme Kaffee blieb am Dreitagebart kleben. Als er die Zeitung aufschlug, verschluckte er sich. Es folgte ein ein erstickungsähnlicher Hustenanfall, der jedem Kettenraucher zur Ehre gereicht hätte. Karl fing sich wieder, wischte den verschütteten Kaffee auf und goss sich neuen ein. Wo soll das alles nur hinführen? Schon wieder brennt es an allen Ecken und Enden und er allein soll die Welt retten. Er hatte einfach keine Lust mehr. Der korrekte Karl hatte einfach keine Kraft mehr. Zu neudeutsch nannte man das wahrscheinlich Burn-Out.

Aber es half nichts. Schließlich war es sein Job! Bevor er sein E-Mail-Postfach öffnete, klickte er sich durch Ziele für Pauschalurlaubsreisen. Einfach mal die Seele baumeln lassen und der Welt den Rücken kehren. Die Karibik wäre doch schön... aber sofort rief eine kleine Stimme in seinem Kopf, dass er mit dem langen Flug erstens die Luft verschmutzte und zweitens die Einwohner des Landes mit einer Pauschalreise ausbeuten würde. Von dem von ihm gezahlten Reisepreis käme ja dort nichts an. Und überhaupt. Pauschalurlaub. Pauschalurlaub! Wie niveaulos!

Er seufzte und überflog seine E-Mails. Sie nach Priorität zu sortieren, hatte er längst aufgegeben. Das brachte ihm nur Beschwerden ein, wenn er den Schmetterlingzuchtverein Kreuzbirnbaum wegen der Bedrohung des Zuckergussfalters weniger wichtig erachtete als den Knubbelkäferfanclub Neuhausen e.V., der sich für die sichere Straßenüberquerung des Knubbelkäfers einsetzt. Und wenn dann auf einem Baufeld noch ein seltener Schwammerl gefunden wird, dann war sowieso alles aus! Wenn diese Schwammerl wenigstens noch leuchten würden, damit man Strom spart. Dann hätte Tschernobyl wenigstens einen Sinn gehabt. Aber nein! Es waren halt Schwammerl, die man nicht einmal in eine Rahmsoße schmeißen kann.

Wie soll man denn da arbeiten? Er war doch keine Maschine! Er war doch auch nur ein Mensch! Ja, genau, einer. Sein Mitarbeiter hatte nämlich gekündigt. Selbst seiner treuen rechten Hand war es zuviel geworden. "Karl", hatte Sauber-Simon gesagt, "ich kann so nicht weitermachen. Diese Arbeitszeiten sind ja schlimmer als im Einzelhandel. Die Bezahlung ist unter aller Sau und den Dank der Menschen kannst du dir in der heutigen Zeit auch an den Hut stecken. Nur noch angepflaumt wird man. Alle wollen sie gleich die Welt bewegen, die einzelnen Schritte sehen sie nicht." Doch Karl hatte ihn nur darauf hingewiesen, dass er den Ausdruck "angepflaumt" nicht verwenden dürfe. Der Obstler-gegen-Ignoranz-Verein Tumbenhausen hatte ihn jüngst darüber aufgeklärt, dass der Ausdruck ein negatives Bild der Pflaume erzeuge, die ja an sich ein sehr verträglicher Zeitgenosse sei. Nur hin und wieder stieße sie zwar sauer auf, aber das sei noch lange kein Grund, eine beleidigende und teils aggressive Sprachhandlung mit dieser doch wirklich harmlosen Frucht zu verknüpfen. Daraufhin lief Sauber-Simon knallrot an, stürmte zur Tür hinaus, die er zum Abschied krachend zuschlug.

Seitdem ward er nie wieder gesehen. Der korrekte Karl würde nach Ersatz suchen müssen. Er sah die Fallstricke jetzt schon. Er würde nicht umhin kommen, Simon durch eine Frau zu ersetzen. Frauenquote und so. Und dann, wenn er eine Frau eingestellt haben wird, wird es heißen, dass es ja typisch sei. Er der Boss, sie die Untergebene. Wenn er nicht aufpasste, war er wohl bald seinen Job los. Obwohl... so schlecht wäre das ja gar nicht.

Dann könnte er ja ganz bescheiden weiter die Welt retten. Sich für ein einzelnes Projekt entscheiden, das ihm besonders am Herzen lag. Niemand würde er davon erzählen! Ganz im Stillen würde er sich dafür engagieren, jawohl. Dann würde er sich wenigstens nicht noch rechtfertigen müssen, warum und wieso es gerade die..., nein, das würde er nicht verraten, sein soll. Er hätte ganz einfach für sich ein gutes Gefühl und keinen anderen ging das was an. Niemand würde mehr darüber urteilen, ob er seinen Job richtig ausführe.

So machte sich der korrekte Karl sofort an den Entwurf der Stellenausschreibung.

Dienstag, 1. September 2015

Bikini-Body-Challenge 2016

Bildnachweis: FreeImages.com / Matthew Bowden
In etwa zwei Wochen schließt das Freibad. Dann heißt es für mich wieder "Ran an den Speck". Denn während der dreieinhalb Monate Freibad lasse ich so ziemlich alles schleifen. Für sportliche Betätigung ist es eindeutig zu heiß, Schwimmen finde ich furchtbar langweilig. Bahn auf, Bahn ab, Bahn auf, Bahn ab. Gähn. Außerdem bekomme ich nach dem Schwimmen immer Heißhunger. Da lassen wir das mit dem Sport lieber ganz. (Nein, ich gehe nicht gleich morgens oder abends zum Sport. Ich brauche mir das auch nicht vornehmen, weil ich es eh nicht durchhalte.)

Meine ganz persönliche Bikini-Body-Challenge 2016 startet also jetzt, hier und heute,

am 1. September 2015 und läuft bis zum 1. Mai 2016. 

Jeden Dienstag gibt es einen kleinen (humorvollen) Erfahrungsbericht mit allen Höhen und Tiefen. Ja, auch Tiefen. Als alter Abnehmhase weiß ich, dass die Anzeige auf der Waage nicht nur nach unten gehen wird.

Mein ganz persönliches Ziel sind in diesen acht Monaten 7 kg weniger. Klingt nicht viel, aber don't forget Weihnachten! Und die Vorweihnachtszeit startet laut Supermarktregal auch heute. Außerdem ist es sehr viel gesünder und stressfreier, 7 kg in acht Monaten statt in 4 abnehmen zu wollen.

Wenn du möchtest, kannst du ganz entspannt einsteigen und ebenfalls von deinen Erfolgen berichten. Aber: Ich nehme schon mein ganzes Leben immer wieder ab, ich sehe das längst schon nicht mehr ernst und verbissen. Mit Humor geht's außerdem viel leichter. Bist du ein pedantischer Miesepeter, dann erwähne den Hashtag #BBC2016 lieber nicht in deinen Blogposts!

Viel Erfolg!

Deine Karin

Sonntag, 30. August 2015

Männerlogik

Bild: FreeImages.com / Alan Eno
Er steht vorm Spiegel. Demonstrativ streckt er seinen Bauch heraus, umkreist ihn liebevoll mit den Händen. "Wann ist es denn soweit?", frage ich. Ein Seufzen. "Ja, ich sollte wieder mehr für mich tun. Dieser Speck auf den Hüften wird immer hartnäckiger." Angesichts der Tatsache, dass ich nichts anderes tue, als mit meinem Körper zu kämpfen, während mein Göttergatte hier von zwei oder drei Kilo mehr oder weniger spricht, verzichte ich auf Diplomatie. "Jaaaaaa..." nuschle ich nur.

Es trifft ihn nicht wirklich. Denn in seinem Männerhirn wurde bereits eine unaufhaltsame Kette von Aktionen in Gang gesetzt. Denn Männer kennen keine Ausgewogenheit. Sie kennen nur mit dem Kopf durch die Wand. Sie wollen der Welt ihre Superheldenqualitäten beweisen und wie professionell sie sich eines Problems annehmen. "Ha! Ihr Dilettanten! Jetzt komme ich!" schreit der Tatendrang hinaus in die Welt. Es werden Fachartikel studiert und verglichen und vor allem wird passendes Equipment angeschafft. Damit auch ja jeder sieht, dass man(n) Profi ist. Je nach Spleen sammelt sich da so einiges an. Zum Beispiel ein Fahrradtrikot und eine Trinkflasche, um mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. "Ich brauche einfach mehr Bewegung!", hieß es da. Das Trikot hängt einmal getragen im Schrank. Die Trinkflasche verwendet Zwergnase zum Spielen. Im Keller steht ein Ergometer und eine Hantelbank. Ein Sandsack ist, wenn ich mich richtig erinnere, auch aufgehängt worden.

Jüngst wurde auch erläutert, wie es sich mit der Kalorienbilanz verhält. "Du nimmst nur ab, wenn du weniger aufnimmst, als du verbrauchst!" - Aha. Der Stein der Weisen also. Die Theorie wird alsdann in die Praxis umgesetzt. Abends gibt es einen kleinen gemischten Salat. Sieht zumindest recht gesund aus. Oder drei Tomaten und ein Stückchen Käse. Auf die Nachfrage, ob das denn gereicht habe, folgt prompt ein "Ich bin satt!!!" Es vergeht eine Stunde, nach der er plötzlich aufspringt und zum Kühlschrank geht. Dieser wird von oben links bis unten rechts nach Essbarem abgescannt. Der Jäger und Sammler eben. Der Kühlschrank wird unverrichteter Dinge wieder geschlossen. Das Männchen nimmt wieder auf der Couch Platz. Nur wenig später springt er erneut auf, hechtet zum Süßigkeitenregal, schnappt sich eine Tafel Schokolade und füllt erneut die Druckstellen auf der Couch aus. Stetig und zuverlässig wie ein Uhrwerk wandern die Finger zur Schokolade und damit zum Mund, bis die Packung leer ist. Diese wird wie von Geisterhand auf dem Couchtisch abgelegt. Keiner will es natürlich gewesen sein! Bloß nicht drauf ansprechen!

Aber ohne Bewegung kann man ja sowieso nicht abnehmen. Da muss man die Gelegenheit beim Schopfe packen. Deswegen wurde auch die Wurstsemmeln verschmäht, die bei einer Renovierungsaktion bereit standen. Erneuter Vortrag zur Kalorienbilanz mit Rechenbeispiel zur Verbrennung durch körperliche Aktivität, während eine Semmel verdrückt wird. Das muss reichen!

Zwei Stunden später wird geradezu beiläufig erwähnt, dass man sich ja schon sehr lange keine Pizza mehr bestellt hätte. Wäre doch mal wieder was! Sie fragt, ob man sich vielleicht eine teilen könnte. Aber das geht natürlich wegen des Mindestbestellwertes für Lieferungen nicht, wird sie aufgeklärt. Und so isst er seine Pizza ganz alleine.

Sonntag, 23. August 2015

Ausschlafen am Sonntag


Sonntagfrüh. Es ist still. Ungewöhnlich still. Ich sehe auf den Wecker. 6.15 Uhr. Mit einem Schlag fällt es mir ein. Zwergnase ist nicht da. Er schläft auswärts, wir waren am Abend vorher aus. Mir entwischt ein genießerischer Seufzer, ehe ich die Augen schließe und mich wieder auf die Seite drehe. Schließlich muss man es ausnutzen, wenn mir Zwergnase nicht meine Brille auf die Nase drückt und an der Bettdecke zieht, weil es Zeit zum Aufstehen ist. Um 6 Uhr. Am Sonntag. (Was ist Wochenende eigentlich?)

Ich befinde mich in einem angenehmen Dämmerzustand und genieße die Ruhe. So eine Gelegenheit kommt so bald nicht wieder! Vor 10 Uhr stehe ich heute nicht auf! Nein! Ganz bestimmt nicht. Noch einmal tief durchschnaufen und dann gleite ich hinweg in das Land der Träume...

...ssssssssssssssssss. Ssssssssss. SSSSSSSSSSSSSSSS. Irgendwas kitzelt am Bein, das ich um die Decke geschlungen habe. Ein nervöses Zucken, dann ist wieder Ruhe. Ich wälze mich auf die andere Seite. Ssssssssssssssssss. Ein Schlag aufs eigene Ohr. Dieses Mistvieh habe ich jetzt bestimmt erwischt. Tief durchatmen und die Augenlider aufeinander pressen. Vor 10 Uhr stehe ich nicht auf!

Plötzlich ein lautes Klatschen, danach ein Fluchen. Dieses Mistvieh ist weiter gezogen und belästigt Papa Zwergnase. Aber nach mir die Sintflut! Wenn es um meinen Schlaf geht, bin ich Egoist. Soll sich Papa Zwergnase als Held beweisen und diesen Drachen mannhaft erlegen! Und wie es nun mal so ist, bestraft der Herr kleine Sünden immer sofort. Diese blöde Fliege landet direkt auf meiner Nase. Reflexartig greife ich hin, um natürlich keine Fliege zu erwischen, fahre in die Höhe und reibe, was das Zeug hält. Doch das Kitzeln will nicht verschwinden.

Als die Maschine den Kaffee ausspuckt, ist es 7.15 Uhr. Sonntagfrüh. Ausschlafen ist toll.

Bildnachweis: FreeImages.com / norriuke

Sonntag, 16. August 2015

Unterhaltsame Popups

Jeder kennt sie. Kunterbunte Popups. Auf der Freibadwiese wimmelt es nur von diesen kleinen Zelten, die Schatten spenden sollen. Wenn diese Dinger aufgebaut werden, sieht das sehr stylisch aus. Sie entfalten sich von selbst, wenn man sie eleganterweise nur in die Luft wirft (daher der Name). Dann passiert lange nicht viel.

Wenn sich die Sonne senkt, der Tag sein Ende nimmt und es daran geht, den ganzen Hausstand wieder einzusammeln, wird es spannend. Das Popup-Zelt will wieder eingepackt werden. Papa nimmt sich der wichtigen Aufgabe an. Gut, dass das Zelt so flexibel ist. Es wird erst einmal in alle Richtungen verdreht. Mama sucht in der Zwischenzeit den Rest zusammen, fängt die Kinder ein und zieht sie an. Ganz unauffällig kramt Papa indes eine Gebrauchsanleitung hervor, die er eingehend studiert. Es erfolgt neuerliche Verrenkungsakrobatik. Jetzt werden auch die Füße mit eingesetzt. Ganzkörper-Workout mit einem Hauch Yoga, wie auch der Laie nur unschwer an den sich auf Papas Stirn bildenden Schweißperlen erkennt.

Mama hat soweit alles beisammen und blickt ärgerlich drein. Genau e i n e Aufgabe hatte Papa zu erfüllen und daran scheitert die Flasche. Lass das lieber mal die Mama machen, denkt sie sich und reißt ihm das nachwievor stabil entpoppte Zelt aus den Händen. Ihr Popup-Zelt! Workout für die ganze Familie! könnte eigentlich ein Werbeslogan lauten. Mama scheitert an dem Teil genauso wie Papa. Die Gebrauchsanleitung anscheinend völlig unbrauchbar. Nun packen beide mit an, versuchen das Ding mit roher Gewalt in den Beutel zu stopfen. Doch das Zelt lacht ihnen nur höhnisch ins Gesicht, um einfach wieder aufzuploppen. Es folgen gegenseitige Schuldzuweisungen. Das Zelt steht bombenfest. Ein anderer Badegast zeigt Zivilcourage und pirscht sich an. Im Kreis stehend wird das Zelt beschworen, verschiedene Strategien werden ausgetauscht, Konstruktionsprobleme erörtert, bevor zum Angriff geblasen wird. Ein Zelt gegen drei Deppen Popup-Sondereinsatz-Spezialisten.

Was würde ich mir eine Tüte Popcorn zu diesem Popup-Blockbuster wünschen! Vom Ende hätte ich mir jedoch mehr erwartet. Der Film endet mit einer schlichten Geiselnahme. Von Papas Händen so fest umklammert, dass die Finger weiß hervortreten, wird das widerspenstige Zelt einfach hinausgetragen. Vielleicht bekomme ich ja noch irgendwann die Fortsetzung am Auto zu sehen, wenn das Popupzelt in den Kofferraum soll...

Bildnachweis: FreeImages.com / Dore Ryniss

Sonntag, 9. August 2015

Wir könnten ja mal wieder grillen


Wir sitzen auf dem Balkon und genießen die laue, sternklare Sommernacht. Plötzlich fängt Papa Zwergnase zu schnuppern an. "Da grillt wer!", wirft er fast grimmig in die Nacht hinaus. Ich schnuppere ebenfalls. "Stimmt." Schweigen. Wir hören Gläser aneinanderklingen. Gelächter. "Wir könnten ja mal wieder grillen", meint er ganz unverbindlich. So ein gemütliches Beieinandersitzen wäre wieder einmal schön. Die Unverbindlichkeit wird zur Verbindlichkeit und wir laden für den kommenden Samstag zum Grillen ein. Nicht viele Leute, man will es ja nur gemütlich haben, nichts Besonderes.

Nichts Besonderes artet dann in vier bis fünf verschiedene Salate aus, ein Saucensortiment wird angeschafft, auf das ein Grillhouse neidisch wäre, dazu Kräuterbaguettes, Grillkäse, Würste und Fleisch. Viel Fleisch. Eine Nachspeise braucht es natürlich auch, wohlweislich, dass sich sowieso schon alle am Grillfleisch hemmungslos überfressen haben werden. Alkohol muss auch kalt gestellt werden und am Ende der Vorbereitungen platzt der Kühlschrank aus allen Nähten.

Papa Zwergnase heizt den Grill an. Ich decke den Tisch ein. Ein kritischer Blick zum Himmel. Es ist stark bewölkt, zeitweise sehr windig. Ich sage Papa Zwergnase, dass er den Grill umstellen muss, weil der Qualm zum Tisch zieht. Er entgegnet, dass es nachher sicher nicht mehr windig sei. Nochmals ein kritischer Blick zum Himmel. "Meinst du, das Wetter wird halten?" - "Essen können wir auf alle Fälle draußen. Und wenn alle mit anpacken, haben wir ja schnell alles hinein getragen." Mir gefällt die Sache gar nicht. Aber ich bin es ja gewöhnt. Wir sind keine Schön-Wetter-Griller. Wir grillen nicht dann, wenn alle grillen. Wir brauchen beim Grillen die Herausforderung, den Nervenkitzel. Nass werden oder nicht nass werden - Leben am Limit. Soviel ist mal klar.

Kurz bevor die Gäste kommen, der Super-GAU. Fast unbemerkt ploppen die Regentropfen auf den Tisch. Ich weiß nicht, ob es sich im Folgenden um die richtige Reihenfolge handelt, denn es passiert alles ganz schnell. Ich reiße die Augen weit auf. "Es fängt zu regnen an!" - "Da kommt bestimmt gleich ein richtiger Guss runter!" - "Ich habe es dir doch gleich gesagt!" - "Pack lieber mit an!" Hektisch räume ich alles wieder in die Küche. Papa Zwergnase versucht die Glut mit einem Schirm zu schützen. Der Wind fegt die Tischdecke vom Tisch. Das wird heute nichts mehr! Ich decke den Tisch in der Küche. Papa Zwergnase ruft zwischen den Regentropfen: "Da hinten reißt es schon wieder auf!" Tatsächlich hat es sich nur um einen kurzen Schauer gehandelt. Der Regen hört schnell wieder auf. Kommando zurück! Ich balanciere das Geschirr über unsere Treppe wieder hinunter in den Garten, fange die Tischdecke ein und fange von vorne an.

Den ersten eintreffenden Gästen wird die vergangene Viertelstunde detailreich erzählt. Es wird über das Wetter fachgesimpelt. Man ist sich einig, das wird schon halten. Als die erste Runde Fleisch auf die Teller verteilt wird, sagt einer: "Es hat mich gerade abgetröpfelt!" Der Qualm des Grills wird zum Tisch geblasen. Ein kritischer Blick zum Himmel. Er ist schwarz, wie die Nacht finster...

Bildnachweis: FreeImages.com / Phostezel

Dienstag, 4. August 2015

Das Brautpaar lebe hoch!

Einen Grund zum Feiern findet man immer. Genau das ist das Problem. Wenn gefeiert wird, gibt es auch immer etwas zu essen. Meistens sogar sehr viel. Hochzeiten sind mitunter auch so eine Gelegenheit, die doppelt fies sind. Als Gast achtet man in der Woche oder vierzehn Tagen vorher natürlich auch immer etwas auf die Ernährung. Nein, hungern kann man das nicht nennen. Oder?

In meinem Fall war es aktuell so, dass ich meine neue Abnehm-Etappe eine Woche vorher begonnen hatte. Ich hatte mir vorgenommen, auf der Hochzeit dann eben den Salat von der Karte zu wählen und die Torte auszulassen. Ja, was hab ich mir ausgemalt, wie ich allen anderen beim Schlemmen zusehe und ich, in meiner Diät erhaben, die Kalorienmonster zählen werde, die durch den Saal rennen.

Blöd nur, dass zwischen meinem natürlich nicht üppigen Mittagessen und dem Abendessen zuviele Stunden lagen. Als wir nach der Trauung die Lokalität erreichten, habe ich nach Häppchen Ausschau gehalten. Mit Adleraugen scannte ich die herumstehenden Tische ab. Ich habe Hunger!

Im Saal stand Brot mit verschiedenen Aufstrichen bereit. Kommt zu Mama, ihr kleinen Kalorienmonster! Bei mir bekommt ihr ein gutes und dauerhaftes Zuhause! Ich brauche nicht extra erwähnen, dass es nicht beim Salat geblieben ist - zumal es keine Karte gab, sondern Buffet. Der Tod einer jeden Diät. Was muss das aber auch immer so gut aussehen! Natürlich habe ich mich hemmungslos überfressen, weil meine Disziplin im Auto auf mich gewartet hat.

Bildnachweis: FreeImages.com / Vera Berard

Sonntag, 2. August 2015

Die Vorzüge des Kollektiveigentums


Alles gehört allen. So könnte man Kollektiveigentum wohl am knappesten beschreiben. In der Theorie eine feine Sache, die Geschichte hat aber bisher leider gezeigt, dass es mit der Praxis nicht so klappen will. Dabei müsste man doch nicht immer gleich in die Vollen gehen. Es müssen ja nicht ganze Betriebe als Gemeinschaftseigentum angesehen werden. Nein, situationsbezogen würde doch reichen. Daher schlage ich die Erprobung im Kinderplanschbecken vor!

Es sieht doch folgendermaßen aus: Mami schleppt haufenweise Spielzeug mit ins Schwimmbad. Eimerchen, Gießkanne, Wassermühle, Wasserspritze, Softball, Wasserball, Luftmatratze, Schwimmreifen, Plastikboot, etc. Mami zwei schleppt mit: Eimerchen, Gießkanne, Wassermühle, Wasserspritze, Softball, Wasserball, Luftmatratze, Schwimmreifen, Plastikboot, etc. Mami drei... ach, lassen wir das. Fakt ist, dass alle das gleiche Spielzeug mitnehmen. Im Kinderbereich findet es sich in höchstens drei verschiedenen Farben und alle haben sie das billige Zeug vom Ein-Euro-Shop dabei.

Die Kinder sind in der Regel schlauer als die Mütter. Die nehmen sich, was gerade frei ist. Gleich, ob es ihnen gehört, oder nicht. Es spielt ja auch keine Rolle. Im Wasser geht ohnehin nicht leicht etwas kaputt. Außerdem möchte ich mal in so ein Kleinkind-Hirn schauen, wenn die Mutter dem Kind einen gelben Eimer wegnimmt, schimpft, dass der Eimer ja nicht ihm gehöre, sondern es diesen Eimer nehmen solle, der wiederum gelb ist. Mutter nimmt Kind den gelben Eimer, drückt ihm den anderen gelben Eimer in die Hand. Kind merkt, dass ihm gerade etwas genommen wurde und will natürlich und partout den anderen gelben Eimer - und zum Schluss weiß keiner mehr, welcher Eimer nun welcher ist, aber die Mutter ist gestresst und das Kind plärrt. Super. Wegen eines kleinen, gelben Eimerchens, das es im Set mit anderem Spielzeug für 2,99 Euro gibt.

Am besten wäre es doch, eine große Box aufzustellen, jeder bringt am Anfang der Saison ein billiges Spielzeugset mit und wirft es hinein. Alle dürfen mit allem spielen, keiner muss mit Argusaugen überwachen, dass ja kein fremdes Patschehändchen Hand an die eigene hoch heilige Gießkanne legt. Mami braucht nicht soviel schleppen und die Kinder sind glücklich. Das wäre doch was!

Bildnachweis: FreeImages.com / Peter Ong

Sonntag, 26. Juli 2015

Schrei vor Glück! Echt jetzt?

Wie Frauen beim Anblick von Highheels mit 10-Zentimeter-Mörderabsätzen vor Entzückung in orgasmusgleiche Extase geraten können, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben.

Mein Verhältnis zu Schuhen ist stark belastet. Ich mache keinen Hehl aus meinen Vorurteilen. Desto höher der Absatz, umso größer die Schmerzen. Blasen, Druckstellen, Blut. Ja, erst jüngst musste ich wegen nicht richtig passenden Schuhen wieder Blut lassen. Denn das ist es, was mir gesagt wird: Die Schuhe würden mir halt nicht richtig passen. Ich muss eine sehr außergewöhnliche Fußform haben, denn ob günstig oder teuer - kein Schuh will richtig passen. Dabei hab ich gar keine Stiefschwester, die von einem Prinzen gesucht wird...

Schon Schuhe mit wenig Absatz verursachen mir Blasen und Schmerzrn, die mich wochenlang beglücken. Da könnte ich vor Glück glatt schreien.

Zu festlichen Anlässen aber kommt man an den Hacken leider nicht vorbei. Ich zwänge meine Plattfüße mangels passender Schuhe in nicht passende.
Hausmittelchen helfen eigentlich nur wenig. Eigentlich gar nicht. Naja, gut, den Hirschtalg müsste man halt auch regelmäßig verwenden. Aber Gelpolster sind ja nun wirklich rausgeworfenes Geld! Und das Gehen üben? Ja, der Zug ist schon längst abgefahren.

Ich gebe es zu, ich bin neidisch auf die, die in solchen Schuhen stöckeln können, ohne dass man ihnen die Qualen vom Gesicht ablesen kann. Ich würde mir gerne zu jedem Outfit das passende Paar Schuhe zulegen, aber inzwischen siegt die Vernunft. Schuhe werden auf ein Minimum reduziert. Ich trage ohnehin immer dieselben. Außer Sneaker, von denen kann ich nie genug haben. Stiefel mag ich eigentlich auch ganz gern, sind halt nicht sommertauglich. Und Sommersandalen! Und Stiefeletten finde ich eigentlich auch ganz toll...

Bildnachweis: FreeImages.com / Alilat

Dienstag, 21. Juli 2015

Ich wär' so gerne Fotograf

Ich habe einfach kein Händchen dafür. Was auch der Grund ist, warum es hier nur selbst gebastelte Grafiken und keine Fotos gibt. Ich kann einfach nicht fotografieren. Das richtige Licht, der richtige Winkel - eigentlich scheitere ich schon an der Auswahl des Motivs. Ich habe keinen Blick dafür. Mehr schlecht als recht versuche ich mich neuerdings bei Instagram und ich favorisiere eindeutig die Schwarzweiß-Filter, aber so wirklich zufrieden bin ich nicht.

(c) Andi Droid, http://bit.ly/1IbTLCc
Eine Muse will mich auch nicht küssen und Lust habe ich eigentlich auch kaum, mich hier und da wieder einzulesen und dies und das zu probieren. Schuster! Bleib bei deinen Leisten! Aus mir wird einfach kein Fotograf mehr werden.

Ich rede mich gerne heraus, dass ich ja keine soooo tolle Kamera hätte. (Apropos: Mit welcher Kamera fotografiert man eigentlich die eigene Kamera ;) ) Allerdings bin ich jüngst auf Andi Droid bei Google+ gestoßen, der seine Bilder mit der Kamera seines Tablets oder mit einer "Billig-Kamera" macht - es liegt also nicht an der Technik, wenn man nicht in Schuss kommt, sondern am eigenen Unvermögen. Denn Andi macht tolle Bilder - auch ohne Profi-Ausstattung.

Dieses Bild von ihm zum Beispiel spricht mich irgendwie an und fasziniert mich. Vielleicht mag der ein oder andere Fotograf hier und da einen Fehler finden, aber darum geht es ja gar nicht. Man muss die Motive ja auch sehen und selbst wenn man sie sieht, muss man sich auch noch passend einfangen können. Richtiges Fotografieren ist eine Wissenschaft für sich - aber leider nicht meine. Ich erfreue mich weiter an den Bildern anderer und kann nur sagen: Chapeau!

Sonntag, 19. Juli 2015

Eine griechische Tragödie


Freitag

Gähnende Leere. Der Raum scheint schon vor Wochen oder gar Monaten überstürzt verlassen worden zu sein. Vielleicht Katastrophenalarm? Vielleicht Auslöschung der Menschheit?
Egal, was es war, es muss furchtbar gewesen sein. Rückkehr ausgeschlossen. Keine Notwendigkeit mehr, Ordnung zu schaffen. Die Milch blickt sehnsüchtig gen Kühlschrank. Die rettende Kühle wäre so nah, aber die Milch steckt bis zum Hals am Aufschäumer des Kaffeevollautomaten. Leise und unbemerkt resigniert sie. Man könnte auch sagen, sie stockt. Der Vollautomat hat längst aufgehört seine Kaffeetränen zu weinen. Diese waren zahlreich. Inzwischen sind sie vertrocknet. Nur noch hässliche braune Flecken erinnern an sie. In Spüle und Spüler sind Kaffeetassen und Löffel gefangen. Irgendwer hat ihnen nur noch zugerufen: "Vergammeln sollt ihr in alle Ewigkeit!" So muss die Endzeit, das Ende der Menschheit aussehen.

Montag

Für die Milch kommt jede Hilfe zu spät. Sie wird im Abfluss beerdigt. Macht aber nix, ein neues Opfer ist schnell gefunden. Die Kaffeetassen und Löffel hoffen auf ihre Erlösung, doch sie werden im Fegefeuer gehalten. Nichts passiert. Außer, dass sie immer mehr werden. Der Vollautomat ächzt, stöhnt und pfeift unter der Last neuer Bohnen, die aufgerieben werden wollen. Keiner stört sich am einsetzenden Verwesungsgeruch der bereits zermahlten. Keiner hat einen Blick für ihr Schicksal. Keiner schaut hin.

Aber irgendwann kann die Gemeinschaft der Kaffeegötter die Vorgänge nicht mehr ignorieren. Sie erhebt sich. Stimmen werden laut. Sie fordern ein energisches Eingreifen. Eine Regelung für alle Zeit - ja, für alle Ewigkeit!
Es wird der allmächtige Rat einberufen. Die Voraussetzungen scheinen gut, haben sie doch alle dasselbe Ziel. Doch schnell bricht ein Tumult unter den Kaffeegöttern aus. Sie schreien, den einen treibt es die Zornesröte ins Gesicht, die anderen blicken flehend in den Himmel, können das Ausmaß des Unglücks nicht fassen. Ja, die Demokratie muss als gescheitert angesehen werden. Keiner fühlt sich verpflichtet, sich der Geschicke von Automat  Tasse, Löffel und Milch anzunehmen. Keiner will noch weiter Geld und Zeit investieren. Allgemeine Resignation. Das bringt doch alles nichts! Eine griechische Tragödie.

Und so werden weiter Unmengen von Milch vergammeln, Tassen und Löffeln im Geschirrspüler verrotten und Kaffeevollautomaten mit einem Wert im drei- bis vierstelligen Bereich verkalken, verdrecken und verwesen, weil es erwachsene Menschen nicht schaffen, die Kaffeeküche zu organisieren. Wenn es um Kaffee geht, werden sie zu Tieren, folgen der Darwin'schen Theorie des Rechts der Stärkeren und es ist anscheinend eindeutig ein Zeichen von Schwäche, die Spülmaschine auszuräumen, die Milch in den Kühlschrank zu stellen und den Vollautomaten zu reinigen. 
Ja, so geht's zu in den Kaffeeküchen.

Bildnachweis: FreeImages.com / se hui (shirley) kim

Sonntag, 12. Juli 2015

Die Busfahrt



Als Mara in den dampfigen Bus steigt, beschlägt ihre Brille. Ihr Regenschirm schlägt gegen jede Sitzreihe. Erleichtert lässt Mara sich weit hinten in einen Sitz sinken und versucht ihren roten Kopf zu verstecken. Zum Glück hat man sie in Ruhe gelassen. Keiner hat ihr ein Bein gestellt. Keiner hat sie ausgelacht. Keiner hat Mara zum Gespött gemacht. Das ist nicht immer so. Denn als pummelige 13-Jährige mit beschlagener Brille hat man es einfach nicht leicht. Mara entspannt sich und beobachtet die anderen Jugendlichen im Bus. Wieso sind die alle soviel cooler als sie selbst? Ihr Blick bleibt an einem Typen schräg gegenüber hängen. Lässig liegt er in der Sitzbank, hat ein Bein aufgestellt und blickt Kaugummi kauend aus dem Fenster. Sein Basecap hat er tief ins Gesicht gezogen. Seine Kleidung entspricht der neuesten Mode und stammt sicher aus dem derzeitigen In-Shop in der Innenstadt - zu teuer für Mara und ihre Eltern. Mara ertappt sich dabei, wie sie ihn anhimmelt. Wobei doch gerade er der Typ Schüler ist, der sie normalerweise fertig macht. Alles in ihrem Inneren schreit, möglich viel Distanz zu ihm einzuhalten. Für Mara und ihr Selbstbewusstsein kann dieser Typ mit seiner Coolness nur gefährlich werden. Als hätte er ihre Gedanken gelesen, dreht er den Kopf in ihre Richtung. Er blickt ihr genau in die Augen. Schnell senkt sie den Blick und dreht ihrerseits den Kopf zum Fenster. "Nur keine Angriffsfläche bieten", betet sie im Stillen vor sich hin. Entsetzt stellt sie fest, wie ihr die Röte wieder in die Wangen schießt - der gesellschaftliche Tod einer 13-Jährigen.

Doch als sie unauffällig in seine Richtung blinzelt, kann sie aufatmen. Er sich wieder dem Fenster zugewandt und sie vergessen. Hofft sie zumindest. Oder eigentlich hofft sie genau das nicht. Mara wünscht sich, dass genau er ihr Traumprinz wäre, der sie beschützt. Genau wie in dem Liebesroman, den sie gerade liest. Nur mit Mühe unterdrückt sie ein verträumtes Seufzen. Wenn es doch nur so leicht wie in den Büchern wäre!

Der Bus biegt in die Straße zur Schule ein. Den Regen betrachtend bereitet sich Mara auf die harte Realität vor. Ihr Plan ist derselbe wie immer. Den Bus so schnell wie möglich verlassen und so schnell wie möglich ins Schulgebäude hinein, um den älteren Schülern auszuweichen. Am wichtigsten: Nur nicht stolpern! Die Türen öffnen sich und Mara muss sich zwingen, nicht blind los zu rennen. Wie das aussähe! Mara schwitzt. Sie will um keinen Preis auffallen. Nach ein paar Schritten hört sie jemand rufen. "Halt! Mädchen! Bleib stehen!" Obwohl sie die Stimme nicht kennt, weiß sie, dass nur sie gemeint sein kann. Gemeint sein MUSS. Die Stimme gehört ihm. Ganz sicher. Er wird sie fertig machen, weil sie es gewagt hat, ihn anzuschauen. Was musste sie aber auch so glotzen. Hatte sie in all den Jahren nichts dazu gelernt? Wie wird er sie bestrafen? Ihre Brille zertreten? Sie schubsen? Vielleicht verspottet er sie nur. Das macht ihr nichts mehr aus. Mara hadert, wie sie reagieren soll. Weiterlaufen? Flüchten? Stehen bleiben? Die Entscheidung wird ihr abgenommen. Sie wird fest, jedoch nicht grob, am Arm gepackt. Sie dreht sich um und versinkt in dunkelgrünen Augen. "Was rennst du denn so, Mann! Hörst du denn schlecht? Du hast deinen Schirm vergessen!"

Er drückt Mara den Schirm in die Hand und lässt sie im Regen stehen. Ihr geflüstertes Danke hat er nicht mehr gehört.

Bildnachweis: FreeImages.com / Chris Hutchinson

Dienstag, 7. Juli 2015

Familienblogs oder: Die dunklen Geheimnisse der Bree Van de Kamp

Ich lese ja gerne auch Familienblogs, seit wir unsere Zwergnase haben. Besonders schön finde ich inzwischen die Aktion Wochenende in Bildern. Vor allem haben die Mamis das Fotografieren ihrer Kinder sehr gut gelöst. Entweder von hinten oder ohne Kopf. So eben, dass die Kleinen unkenntlich bleiben.

Wenn sich doch nur alle Welt daran halten würde! Aber das ist ein anderes Thema.

Ich schaue sie also gerne durch, diese Bilder von adretten Vorgärten, sauberen Kindern, die ganz artig an einem sauberen Tisch spielen. Überhaupt ist es überall so aufgeräumt. Die Fenster sind sauber, die Balkontüren auch, der Boden sowieso und die Vorhänge sind frisch gewaschen. Mit diesen Bildern könnte man glatt Werbung für Putzmittel, Waschmittel und Pampers machen! Alles in einem! Gehört doch eh alles derselben Firma, oder?

Bevor hier aber ein paar Mamis mit Burnout vom Stuhl fallen, muss ich das Bild etwas korrigieren. Unser Wohnzimmertisch ist prinzipiell verklebt mit Resten von Brezenspucke oder Salzstangenspucke oder irgendeiner anderen Spucke. Das letzte mal hatte ich durch die Scheibe unserer Balkontür klare Sicht, das war... ja, wann war das überhaupt? Etliche Schubladen dürfen unter keinen Umständen geöffnet werden, denn in ihnen herrscht das Zwergnas'sche Chaos. Wenn Zwergnase spielt, braucht es bereits nach fünf Minuten ein professionelles Aufräumkommando. Falls man das Kind mal sucht, braucht man nur der eingetrockneten Spur aus Sabber folgen.. Durchwischen und Saugen ist zu einer Sisyphusarbeit geworden, vor allem als Zwergnase sein Gefallen am Staubsauger gefunden hat. Er weiß ganz genau, dass man nur ein paar Salzstangen zerbröseln braucht, damit der grüne Drache zum Einsatz kommt. Der Wohnzimmerteppich ist nicht mehr zu retten, er wird demnächst einfach ersetzt werden. Gleiches gilt für anderes Mobiliar.

Am saubersten ist es abends, wenn Zwergnase im Bett ist. Da kann man aber leider keine Fotos mit Kind schießen... Wann also machen diese Mamis diese Fotos? Ich kann es euch sagen! Unter Androhung von harten Strafen müssen die Kinder posen und dürfen sich nicht rühren. Nur so kann es sein! (Vorsicht, Spaß!)

Ich kann es den Mamis jedoch nicht übelnehmen. Ich würde meinen Saustall ja auch nicht posten. Oder seht ihr hier Beweisfotos? Aber nicht vergessen: Ein Foto ist eben auch nur ein kleiner Ausschnitt des Lebens...

Bildnachweis: FreeImages.com /JarHead Design inc

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...